Interview

Smart Investor im Gespräch mit dem Vermögensverwalter Dr. Holger Schmitz über zukünftige Herausforderungen für die Anleger. Er sieht Immobilienbesitz und Kontengelder als die neuen Einnahmequellen des Staates.

 

Smart Investor: Dr. Schmitz, lassen Sie uns im Folgenden ein paar wichtige Themen kurz durchgehen. Zunächst, die US-Zentralbank hat den von vielen beobachteten Zinsschritt nicht gemacht. Wie interpretieren Sie das?

Schmitz: Ob dieser Schritt passiert oder nicht, ist für mich eigentlich ein Non-Event. Denn eine Rückkehr zur Normalität ist im Zinsbereich ohnehin nicht mehr möglich – denn ansonsten würden die Staaten aufgrund ihrer enormen Verschuldung reihenweise kollabieren. Wenn demnächst ein kleiner Zinsschritt erfolgen sollte, so ist dies meiner Ansicht nach kein Beginn einer längeren Zinsanhebungsphase. Wir werden viel länger auf diesem Niedrigniveau bleiben, als sich das die meisten vorstellen können.

 

Smart Investor: Eigentlich war ja Griechenland das große Thema der letzten Monate. Ist die Gefahr dort nun gebannt?

Schmitz: Es wurde wie üblich mit dem dritten Hilfspaket etwas Zeit gewonnen, aber es ist und bleibt politisch gewollte Konkursverschleppung. Das Problem ist natürlich in keiner Weise gelöst, denn nach wie vor besteht das Grundproblem der Griechen darin, dass sie mehr ausgeben als einnehmen. Solange das so ist, geht die Misere weiter. Der einzig sinnvolle Schritt ist meines Erachtens die Rückkehr zur Drachme mit der Möglichkeit der Abwertung.

 

Smart Investor: Die Deutschen lieben ja ihr Sparbuch, ihre Lebensversicherung und ihre Immobilie. Nun behaupten Sie aber recht plakativ, dass – ich zitiere – „Immobilieneigentum fatal für die Deutschen sein wird.“ Wie meinen Sie das?

Schmitz: Die Staatsverschuldung hierzulande ist mit deutlich über 2.000 Mrd. EUR viel zu hoch. Um aber von der Verschuldung herunterzukommen, ist realistischerweise nur ein Schuldenschnitt sinnvoll. Als Gegenpart zu den Staatsschulden ist das Vermögen der Bürger zu sehen. Wenn also der Staat seine Schulden reduzieren will, dann muss er sich folglich beim Vermögen seiner Bürger bedienen. Und er wird dies dort tun, wo es richtig viel zu holen gibt. Also beim privaten Immobilienbesitz, der in Deutschland etwa 5.000 Mrd. EUR beträgt.

 

Smart Investor: Man könnte sich ja auch bei den Aktionären bedienen…

Schmitz: Der private Aktienbesitz macht hierzulande gerade mal 200 Mrd. EUR aus – selbst bei einer 100%-Besteuerung könnte man dann nur 10% der Schuldenlast des Staates abtragen. Wenn man aber 40% Lastenausgleichsabgabe und Zwangshypothek für alle privaten Immobilien zugunsten des Staates ins Grundbuch einträgt, da wäre man die komplette Verschuldung los. Noch ein Gedanke: Es gab in Deutschland vor ein paar Jahren eine stichprobenartige Volkszählung, aber die Immobilieneigentümer wurden damals vollständig erfasst: also wer hat welche Immobilie, in welchem Wert, wo in Deutschland – das ist sozusagen die „zukünftige Inventarliste“ des deutschen Staates.

 

Smart Investor: Würde diese Maßnahme dann eigentlich unter dem Thema Vermögensabgabe laufen?

Schmitz: Ja, wobei man darunter natürlich auch andere Eingriffe des Staates in das Privatvermögen sehen kann, z.B. die klassische Vermögenssubstanzsteuer, wie sie kürzlich in Spanien eigeführt wurde, oder eine einmalige Kontenabgabe, so wie dies 2013 in Zypern geschehen ist. Letzteres wäre übrigens auch der einfachste Weg für den Staat, um schnell an Mittel zu kommen.

 

Smart Investor: Womit wir auch schon beim Thema Bargeldverbot wären…

Schmitz: Stimmt, das hängt durchaus miteinander zusammen. Jüngst gab es ja eine Initiative des Bundes, dass jeder Bundesbürger ein Recht auf sein Bankkonto hat – angeblich sollen derzeit 600.00 Menschen hierzulande kein Girokonto haben. Wenn das in die Tat umgesetzt werden sollte, dann könnte man im nächsten Schritt das Bargeld verbieten.

 

Smart Investor: Ist denn ganz akut damit zu rechnen?

Schmitz: Nein, vermutlich wird es eher schleichend kommen – und dann auch über verschiedene Wege. Bedenken Sie mal: Bei früheren Geldscheinumstellungen begann man immer mit den großen Scheinen und hat sich dann nach unten vorgearbeitet. Bei der diesmaligen Umstellung läuft es genau anders herum. Da liegt doch die Vermutung nahe, dass man die großen Scheine – 200er und 500er – gar nicht mehr ersetzen wird…

 

Smart Investor: Ist vor dem Hintergrund des bisher Gesagten Auswandern eine Alternative? Sie leben in der Schweiz. Ist das der Ort der Glückseligen?

Schmitz: Aus meiner subjektiven Sicht, ja. Aber auch objektiv betrachtet dürfte das so sein. Aus meiner Sicht ist der Schweizer Weg immer noch die Lösung für viele Probleme, die allen anderen Staaten Kopfzerbrechen machen. Da wäre die Staatsverschuldung, die die Schweiz im Griff hat, und da wäre zum anderen der Franken, der sich dem Euro-Zerfall sehr gut widersetzt hat. Unter der Voraussetzung, dass sich die Schweiz auch weiterhin dem Druck der EU und der USA widersetzen kann, ist daher der Franken aus meiner Sicht durchaus eine gute Fluchtwährung.

 

Smart Investor: All das, was wir angesprochen haben, klingt ja fast danach, als ob irgendwann eine wie auch immer geartete Falle zuschnappen könnte. Haben Sie eine Idee bezüglich des „Wann“?

Schmitz: Da geht’s ums Timing, und damit beschäftige ich mich nicht. Solche Überlegungen, nach dem Motto: Ich hab ja noch Zeit, also muss ich jetzt noch keine Vorkehrungen treffen, sind aus meiner Sicht hochgefährlich. Erstens kann es viel schneller kommen als man denkt. Und zweitens kann es auch irgendwann mal für Maßnahmen zu spät sein. Denn entscheidende Entwicklungen wie die Anbindung des Franken an den Euro bzw. auch dessen Loslösung oder aber die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen kommen ohne Ankündigung.

 

Smart Investor: Was, wenn nicht das Timing, sollte also dann im Vordergrund stehen?

Schmitz: Welche Möglichkeiten habe ich, um den Schaden für mein Vermögen möglichst klein zu halten? Denn – und das ist meine feste Überzeugung – ungeschoren kommen wir alle nicht davon. Die Frage muss also lauten: Wo liegen die größten Gefahren? Und die haben wir ja bereits beantwortet: erstens im Immobilienbesitz und zweitens bei den Kontengeldern.

 

Smart Investor: Und welche Assetklasse favorisieren Sie?

Schmitz: Ganz klar Aktien. Natürlich wären diese bei einer allgemeinen Vermögensabgabe auch betroffen, aber: Mit einem Sparbuch oder einer Immobilie können Sie einen Kapitalschnitt von z.B. 50% doch zu Lebzeiten nie mehr aufholen. Mit einer Aktie, wo ein werthaltiges Unternehmen dahinter steht, geht das sehr wohl!

 

Smart Investor: Und was halten Sie von Edelmetallen?

Schmitz: Ich bin ein Fan von physischem Gold und Silber. Edelmetalle gehören für mich unbedingt dazu.

 

Interview: Ralf Flierl

 

Über Dr. Holger Schmitz:

Dr. Holger Schmitz

Diplom-Kaufmann Dr. Holger Schmitz (Jahrgang 1961) übernahm nach Banklehre und betriebswirtschaftlichem Studium im Jahr 1988 eine Position als Portfolio- und Fonds-manager bei der FIDUKA Depotverwaltung in München. Im Austausch mit dem Gründungsmitglied, der Börsenlegende André Kostolany, erlangte Schmitz umfangreiche Marktkenntnisse und machte sich 1993 als Vermögensverwalter selbstständig. 1997 gründete er als Vorstand die SCHMITZ & PARTNER AG – Privates Depotmanagement mit Sitz am Lago Maggiore in der Schweiz. Das Unternehmen betreut mittlerweile individuelle Depots von über 40 Kunden und zwei Publikumsfonds mit einem gesamten Volumen von rund 100 Mio. CHF. Dr. Schmitz managt den Schmitz & Partner Global Defensiv-Fonds (WKN: A0M1UL) und den Schmitz & Partner Global Offensiv-Fonds (WKN A0MURD), mit denen er seine Anlageideen umsetzt.