Löcher in der Matrix – Football: beautiful game, ugly investment

„Adidas und der DFB: Gute Freunde kann niemand trennen“ (spiegel.de, 20.10.15)

RTEmagicC_Matrix_mit_LochFootball: beautiful game – ugly investment – die Einschätzung eines Londoner Brokers bei der Analyse einschlägiger Kursverläufe ist legendär. Ebenso die Feststellung: „In Aktien von Fußball-Clubs zu investieren ist in etwa so amüsant wie Ivana Trump die Kreditkarte zu leihen.“ Nach Lage der Dinge könnte sich das mit dem ugly investment durchaus ausweiten, und zwar über die Clubs hinaus auf jene Unternehmen, die zum Beispiel den Weltverband FIFA oder den Deutschen Fußball Bund sponsern.

Obwohl: Sponsern heißt das ja heutzutage nicht mehr, sondern Partnerschaft, und das drückt aus, dass sich die Unternehmen mit den Sportverbänden, nun ja, man muss es so ausdrücken: gemein machen. Die FIFA gilt US-amerikanischen Strafverfolgungsbehörden als mafiöse Verbrecherorganisation, denn nur aufgrund dieser Qualifizierung kann die extraterritoriale Strafverfolgung erfolgen. Internationale Sponsoren wie VISA, Coca-Cola, Hyundai oder Samsung haben sich daher auch demonstrativ von der FIFA abgesetzt und den Rücktritt von Präsident Sepp Blatter gefordert.

Adidas und Gazprom haben das nicht gemacht. Adidas steht daneben auch weiterhin fest an der Seite des DFB mit dessen Präsidenten Wolfgang Niersbach, der nach der besten Pressekonferenz ever seinen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert hat. Nach den unterhaltsamsten 45 Minuten des DFB seit dem legendären 7:1 gegen Brasilien in Belo Horizonte ist die Frage, ob es auch beim DFB Korruption und Untreue gegeben hat, zumindest nicht unverschämt. Normalerweise sorgt so etwas für höchsten Alarm bei den Sponsoren. Selten wird so deutlich klargestellt, dass im Zweifelsfall die Compliance-Prosa nicht das Papier wert ist, auf dem sie steht.

Die Anleger dürfen sich also hinreichend bange fragen, warum der Sportartikelhersteller vergleichsweise ruhig abwartet, denn die Gesamt-Kulisse lädt ja nun nicht eben zur Kontemplation ein. Am Ende wird die US-amerikanische Justiz wohl Licht in die Angelegenheit bringen, und wenn im Fall DFB auch nur als Kollateralschaden. Dass bislang weder schweizer noch deutsche Staatsanwälte gleichsam aus der Tiefe des juristischen Raumes wirklich gefährliche Konter gefahren haben, spricht nicht für deren Qualität, um das aktuelle Lieblingswort der Fußball-Experten hierzulande zu bemühen.

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