Grafik der Woche – Value-Investing vor Comeback?

Ein ewiges hin und her: Die Performance von Value gegenüber Wachstum

Grafik

Quellen: StarCapital AG, Juni 2015

Bei der Geldanlage mit Aktien gibt es viele Ansätze, mit denen Anleger versuchen, zum Erfolg zu kommen. Unter anderem gibt es Investoren, die auf Wachstums-Aktien schwören, während andere Marktteilnehmer auf Value-Aktien setzen. Der Unterschied zwischen diesen beiden Aktien-Gattungen besteht vereinfacht gesprochen darin, dass Wachstums-Aktien – wie der Name schon sagt – mit als gut beurteilten Wachstumsaussichten locken, während Value-Aktien vor allem mit einer günstigen Bewertung punkten.

In den vergangenen Jahren waren dabei Anleger, die in Wachstums-Aktien investierten, auf der Überholspur. Denn zuletzt haben diese Titel sehr viel besser abgeschnitten als die Value-Aktien. Ablesen lässt sich dies an der Grafik oben, die vom Vermögensverwalter StarCapital AG veröffentlicht wurde. Die blaue Linie stellen darin die kumulierte Outperformance von Value gegenüber Wachstum dar, jeweils bezogen auf die vorangegangenen fünf Jahre.

Die Performance-Angaben entsprechen dabei einem Portfolio aus Value (Long) und Wachstum (Short) im Sinne der HML-Definition. HML (High Minus Low) ist einer der drei Faktoren des Fama und French Asset-Pricing-Modells, welcher postuliert, dass Firmen mit niedrigen Kurs-Buchwert-Verhältnissen (Value-Aktien) solche mit hohen Kurs-Buchwert-Verhältnissen (Wachstums-Aktien) outperformen. Er wird berechnet, indem ein Portfolio aus Value-Aktien (long) und Wachstums-Aktien (short) gebildet wird. Die Abgrenzung erfolgt auf Basis des Kurs-Buchwert-Verhältnisses über die jeweils attraktivsten bzw. teuersten 30% des Marktes (adjustiert um die Größe der Unternehmen).

Der Grafik ebenfalls zu entnehmen sind die kumulierten Value-Prämien aller Perioden in denen Wachstumsaktien über fünf Jahre höhere Wertzuwächse als Value-Aktien verbuchten. Im aktuellen Zyklus, der sich bisher von 2010 bis 2015 erstreckte, gibt es erstmals keine Value-Prämie, sondern einen Abschlag von elf Prozent zu verzeichnen.

Wiederholt sich die Geschichte, dann wird das zuletzt zwischen Value- und Wachstumsaktien zu beobachtende Kräfteverhältnis nicht ewig so bleiben. Zumal es in der Vergangenheit so war, dass Value-Titel im Durchschnitt pro Jahr um 4,8% höhere Wertzuwächse als Wachstumsaktien erzielten (rote Linie). Seit 1931 schlugen Wachstums-Aktien Value-Aktien in nur sieben 5-Jahres-Perioden.

Im Anschluss an schwache Value-Jahre folgten historisch in der Regel fünf bis sieben starke Value-Jahre, in denen ein Portfolio aus Value (long) und Wachstum (short) in den Folgejahren zwischen 24% und 87% zulegen konnte. Insbesondere wegen des möglicherweise verzerrenden Einflusses, den die ultraexpansive Geldpolitik der Notenbanken auf das Geschehen an den Weltbörsen nimmt, wird es spannend sein zu beobachten, wann dieses Mal die Wachablösung erfolgen wird.

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