Kolumne

Gastbeitrag von Wilhelm Schröder, NESTOR

Die Hausse der letzten Jahre ist praktisch völlig am Rohstoffsektor vorbeigegangen. Agrarische Rohstoffe waren ebenso stetig unter Druck wie Mineralien und Metalle – insgesamt hat die Anlageklasse Rohstoffe enttäuscht. Seit den 90er Jahren haben sich die entsprechenden Aktien nicht mehr so schlecht entwickelt wie im zins-und liquiditätsgetriebenen Bullenmarkt seit Beginn der Finanzkrise bis heute. Selbst Blue Chips des Sektors sind unter die Räder geraten. Allen voran etwa Ivan Glasenbergs Glencore, deren Aktie trotz der starken Kurserholung im Oktober bei ca. 25% der im Emissionsjahr 2011 erreichten Höchststände notiert.

Rohstoffpreise unter Druck
Für den Niedergang der Rohstoffpreise gibt es zwei Ursachen: Der Investment-Boom der Rohstoff-Produzenten auf der Angebotsseite sowie das schwächelnde Wachstum Chinas auf der Nachfrageseite. Die Preise im Rohstoffbereich sind unter Druck: Die Minenunternehmen haben in der Zeit des Booms massiv investiert. Beispiel Eisenerz: Ab Mitte des letzten Jahrzehnts wurden Milliarden in den Bau von Eisenbahnen und Häfen investiert, um den Abbau sehr großer Eisenerz-Lagerstätten, vor allem in Nordwest-Australien, zu ermöglichen. Genauso erweiterten auch Produzenten wie Rio Tinto, BHP oder Vale ihre Kapazitäten, sodass die Angebotsseite – zu fallenden Stückkosten – förmlich explodierte. Im laufenden Jahr werden wohl 860 Mrd. Tonnen Eisenerz aus Australien exportiert – das ist fast sechsmal so viel wie der gesamte Umschlag des Hamburger Hafens. Noch immer verdienen diese Unternehmen viel Geld. Doch der Preis für Eisenerz hat sich seit den Boomzeiten fast geviertelt und wird wohl auf absehbare Zeit unter Druck bleiben, da die Margen der etablierten Marktführer noch immer sehr auskömmlich sind. Das Investment der Minenindustrie in Exploration und Entwicklung ist in den letzten Jahren massiv zurückgegangen. Schätzungen gehen von etwa 30% des Niveaus von 2011/2012 aus. Sehr ähnliche Zahlen gelten auch für die Ölindustrie, die grundsätzlich der Minen-Industrie aber einige Jahre hinterherhinkt. Bei den Basismetallen sieht die Angebots/Nachfrage-Situation jedoch wesentlich besser balanciert aus als bei Eisenerz.

Im Schweinezyklus
Wir befinden uns im klassischen „Schweinezyklus“ des Sektors: Dividende statt Wachstum ist die durchaus verständliche Forderung von Großanlegern – die Folgen werden mittelfristig sichtbar werden. Fest steht: Die Weltwirtschaft wächst um etwa 3% jährlich, in ähnlichen Raten wächst die Nachfrage nach Rohstoffen. Das gilt auch für alle Metalle. Einzig und allein die Rate des Wachstums der Rohstoffnachfrage ist gefallen. Dies gilt praktisch für alle Rohstoffe, auch für agrarische. Jährlich neue Minen zu entwickeln ist daher ein Muss, um die Nachfrage zu befriedigen. Das erfordert einen gewissen Preis, ohne den Produktionswachstum nicht darzustellen ist. Die treibenden Faktoren des Rohstoffbooms des letzten Jahrzehnts sind auch heute noch grundsätzlich unverändert, wenn auch in geringerer Intensität. Wir befinden uns innerhalb eines Umfelds steigender Rohstoff-Nachfrage lediglich in einer ausgeprägten Dislokation von Investment und Nachfrage-Erwartung. Mittelfristig sollte das Pendel wieder in die andere Richtung – sprich steigender Rohstoffpreise – ausschlagen. Die Aktien der Rohstoffproduzenten sollten dies bereits in 2016 mit steigenden Notierungen anzeigen.

 

Über Wilhelm Schröder:

Wilhelm Schröder

Wilhelm Schröder ist seit der Fondsauflage im Mai 2002 Berater des NESTOR Australien (WKN 570769). Er verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung mit Aktien aus Down Under. Der gebürtige Lüneburger studierte Agrarwissenschaften in Göttingen und München. 1986 folgten die ersten beruflichen Stationen beim Londoner Brokerhaus Jackson ́s Ltd sowie bei Kleinwort‘s. 1989 stieg Wilhelm Schröder bei der australischen Macquarie Bank ein, Australiens größter Investmentbank. Zuletzt leitete Schröder deren Repräsentanz in München. 2005 machte er sich mit der Schröder Equities GmbH selbstständig. Gemeinsam mit einem australischen Partner berät er institutionelle Investoren bei ihren Anlageentscheidungen in Australien sowie australische Unternehmen bei deren Zugang zum deutschsprachigen Kapitalmarkt.