Aktien Update – Manz AG

Mit einer deftigen Gewinnwarnung überraschte die Manz AG am vergangenen Montag die Börse, die Prognose für das Gesamtjahr 2015 wurde deutlich nach unten angepasst. In Summe erwartet das Unternehmen nun Umsätze zwischen 200 und 210 Mio. EUR, ein Rückgang um rund ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Hier wurde bislang lediglich von einem moderaten Rückgang ausgegangen. Das EBIT soll angesichts dieses Einbruchs im „mittleren zweistelligen Millionenbereich“ negativ ausfallen, nachdem hier zuvor lediglich leicht negative Zahlen erwartet wurden.

Als wesentlicher Grund für die Anpassung wurden Auftragsverschiebungen im Bereich „Energy Storage“ und „Electronics“ genannt, vor allem von Kunden aus Asien. Die schwache Konjunktur im Reich der Mitte und die Turbulenzen der dortigen Kapitalmärkte hätten zu einer deutlich verringerten Investitionsbereitschaft in China geführt. Einige für das laufende Jahr erwartete Umsätze würden daher voraussichtlich erst in 2016 realisiert werden.

Bis Ende November wird der Vorstand von Manz nun ein Restrukturierungsprogramm ausarbeiten, um die Kostenstruktur an diese neue Realität anzupassen. Konzentrieren wird sich Manz in Zukunft auf die Bereiche „Consumer Electronics“ und „Energy Storage“. Der Geschäftsbereich „Solar“ dagegen steht zur Disposition, hier sollen strategische Optionen geprüft werden. Die Börse regierte mehr als verschnupft, der Kurs kollabierte allein am vergangenen Montag um 30%. Bei knapp über 40 EUR notiert das Papier nun wieder auf dem Niveau von 2007 – bevor der Solarboom die Manz-Aktie zum ersten Mal abheben ließ.

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SI-Kommentar: Zum zweiten Mal in einem Jahr reduziert Manz seine Prognose – wobei reduzieren angesichts der dramatischen Korrektur fast wie ein Euphemismus klingt. Angeblich sind die Umsätze lediglich auf das nächste Jahr verschoben, doch die Frage ist, ob diese dann auch wirklich kommen. Was die eingetrübten Aussichten in China betrifft, steht Manz nun in einer Reihe mit Leoni oder Hugo Boss, die zuletzt von ähnlichen Schwierigkeiten berichteten. Die Einschläge des China-Abschwungs kommen also mit voller Breitseite auf die deutschen Unternehmen zu. Blöderweise sind es also keine hausgemachten Probleme, sondern eine falsche Einschätzung der Märkte, die Manz nun zum Verhängnis wird.

Und wie so oft kommt auch beim Reutlinger Unternehmen alles zusammen: Offensichtlich hat die BaFin erste Routine-Untersuchungen wegen Marktmissbrauchs eingeleitet. Fraglich ist, ob Vorstand Dieter Manz bereits im April, als er gerade eine Kapitalerhöhung durchführte, von den deutlich schlechteren Geschäftsaussichten wusste. Für Manz-Aktionäre ist das Jahr 2015 bislang eine wilde Achterbahnfahrt gewesen. Mal bejubelte die Börse eine neue Kooperation mit adidas oder positive Meldungen aus dem Batterie-Bereich, mal schockierten Gewinnwarnungen und ungewisse Aussichten. Anleger sollten die exakten Quartalszahlen am 9.11. und die konkreten Restrukturierungspläne abwarten, erst dann dürfte sich ansatzweise abschätzen lassen, wohin die Achterbahnfahrt als nächstes geht.

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