Smart Investor 12/2015 – Editorial

RF„Wenn man ganz genau hinschaut, dann sieht man, dass die politischen Journalisten eigentlich mehr zur politischen Klasse gehören und weniger zum Journalismus.“

Dieser Satz stammt vom kürzlich verstorbenen herausragenden deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Und er hat Recht, natürlich in Bezug auf russische aber eben auch auf die Westpresse, hier drei Beispiele aus den letzten Wochen:

Die vielen Beileidsbekundungen nach den Terrorattentaten von Paris wurden in unserem Medien ausgiebig wiedergegeben – wie auch schon nach dem Charlie-Hebdo-Anschlag im Januar. Haben Sie eine annähernd vergleichbare Anteilnahme nach dem Absturz der russischen Passagiermaschine auf dem Sinai zwei Wochen vorher festgestellt? Immerhin starben dort fast zweimal so viele Menschen wie jüngst in Paris. Nein, das konnten Sie nicht. Denn – unterstellt, dass bei solchen Vorkommnissen diplomatische Mitleidsbekundungen üblich sind – wurde dergleichen aber nicht in Print und TV veröffentlicht. Sind Russen also Menschen zweiter Klasse? Oder hält sich die Presse einfach an die politische Vorgabe, dass Russland zu sanktionieren ist. Für die Presse hieße das dann, dass es schlecht geredet oder im Zweifel eben ignoriert wird.

Seit die Russen in Syrien mit den IS-Schergen kurzen Prozess machen, werden sie von den Westmedien mit Häme bedacht: Sie würden auf die Falschen schießen und das auch nur halbherzig. Im Gegensatz zu den Amerikanern ist Putin aber erst nach Bitte des amtierenden syrischen Präsidenten eingeschritten. In den wenigen Wochen seither hat er dem IS sehr viel mehr eingeheizt als es die Amerikaner in den letzten eineinhalb Jahren vermochten. Lesen Sie darüber etwas in den Mainstreammedien?

Der US-Präsident lobte den deutschen Weg in der Flüchtlingskrise als vorbildlich, will aber selbst nur ein Mini-Kontingent an Syrern in die USA holen – wie scheinheilig! Dagegen warnte der russische Präsident Westeuropa vor einer Politik der offenen Grenzen, durch die jede Menge IS-Terroristen ungehindert bei uns Zugang finden könnten – wohlgemerkt, er tat das vor dem Paris-Massaker. Wie kommentierten dies die Medien? Natürlich wurde Obama für seine „herzliche“ Haltung lobend erwähnt und Putin für seine Panikmache gescholten.

Diese Beispiele zeigen meiner Meinung nach recht eindeutig, dass die Presse auch im Westen mit der „Politik im Bett liegt“. Die Korrektiv-Funktion der „vierten Gewalt“ hat sie aufgegeben. Das bedeutet, dass sich die politische Klasse austoben kann, wie sie will – von der Presse hat sie in den wirklich wichtigen Fragen kein Störmanöver zu erwarten. Dies war auch mehr oder weniger bei wirtschaftlichen Themen wie z.B. Euro, ESM oder Griechenlandrettung so. Mehr zu „Medienlügen und Lügenmedien“ finden Sie in unserer Titelgeschichte auf S. 22 – die russische samt den osteuropäischen Börsen behandeln wir ab S. 6. Den Terror von Paris untersuchen wir hinsichtlich der Auswirkungen auf die Gesellschaft, insbesondere in Deutschland, in unserem „Großen Bild“ ab S. 48.

Schließlich möchte ich Sie noch auf zwei mehrwertige Serviceartikel hinweisen: Ab. S. 18 behandeln wir – auf vielfachen Wunsch aus der Leserschaft – das Thema „Vererben“. Weiterhin gehen wir auf die Thematik des günstigen Fondskaufs ein (S. 40).

Eine spannende Lesezeit wünscht Ihnen

Unterschrift
Ralf Flierl