Fonds – Interview

Smart Investor im Gespräch mit Friedrich Bensmann, Berater des FU Multi Asset Fonds, über seine bemerkenswerte Performance, die entscheidenden fundamentalen Kennziffern und den richtigen Umgang mit Verlusten

Smart Investor: Herr Bensmann, Sie stehen bereits zum zweiten Mal auf dem ersten Platz beim DAB Depot-Contest in der Kategorie „Ausgewogen“. Mit einer Performance von ca. 16,2% übertreffen Sie dieses Jahr erneut den Führenden der Kategorie „Chance“, und das, obwohl Ihr Aktienanteil nur maximal 50% betragen darf. Wie schaffen Sie dieses Kunststück?

Bensmann: Interessanterweise ist der Vorsprung überwiegend im Sommer, also in der schwächsten Börsenphase dieses Jahres entstanden. In solchen Phasen verlieren die Wettbewerber in der riskanteren Kategorie alleine schon aufgrund der höheren Aktienquote tendenziell mehr, daneben aber auch, weil sie zu wenig auf Value geachtet haben und zu spekulative Titel im Depot hatten. Wir betreiben dagegen ein konsequentes Risikomanagement, indem wir Verluste mit selbst gesetzten Regeln limitieren. Ich sag dazu immer: „Ich kann kein Blut sehen“ – und mit Blut meine ich die roten Zahlen bei Verlustpositionen, die wir rigoros begrenzen. Es ist für uns schwer nachzuvollziehen, wie Konkurrenten mit Verlusten von 20 bis 30% in Einzeltiteln leben können.

Smart Investor: Aber Ihr Erfolg kann doch nicht nur an dieser Verlustbegrenzung liegen…

Bensmann: Natürlich nicht. Kern unseres Ansatzes ist es, durch quantitative Filter und Screener Aktien mit extrem guten Fundamentaldaten zu finden. 95% aller gehandelten Aktien bestehen diesen Test nicht. Bei den Werten, die den Test bestehen, sehen wir uns dann sehr genau die Geschäftsmodelle an.

Smart Investor: Welche fundamentalen Kennzahlen benutzen Sie denn als Filterkriterien?

Bensmann: Wie haben fast alle gängigen Fundamental-Kennzahlen einzeln und isoliert auf ihre Performanceträchtigkeit softwaregesteuert historisch back-getestet, und haben festgestellt, dass nur wenige Kennzahlen ausgesprochene Performancebringer sind. Wir kombinieren dann diese historisch gut funktionierenden Kennzahlen – so erhöht man die Chancen, eine wirklich gute Aktie zu erwischen. Wir gehen also sehr wissenschaftlich vor und schließen das Bauchgefühl vollkommen aus. Wie schon oben erwähnt, kommt danach die qualitative Analyse des Geschäftsmodells. Was uns hier vor allem interessiert, ist: Macht dieses Unternehmen etwas „uniques“ [=einmaliges, Anm. d. Red.], oder hat sie gar ein „disruptives“ Geschäftsmodell, welches anderen Unternehmen die Geschäftsgrundlage entzieht.

Smart Investor: Allerdings muss das Unternehmen diese Fähigkeit doch bereits in der Vergangenheit unter Beweis gestellt haben?

Bensmann: In der Regel ja. Idealerweise sollte dieses Alleinstellungsmerkmal bereits durch ausgezeichnete Zahlen in der Vergangenheit unterlegt sein. Wenn ein Unternehmen mit sehr hohen Margen arbeitet, ist dies meist ein Zeichen dafür, dass es ziemlich viel richtig macht und meist wenig Konkurrenz zu befürchten hat – es hat den berühmten „Burggraben“, von dem Warren Buffett immer spricht. Bei all unseren Investments haben wir zudem eine klare Vorstellung davon, was diese Aktie im Fall einer Übernahme wert sein müsste. Wir kennen und berechnen den fairen Übernahmepreis auf „Heller und Pfennig“ und wollen im Regelfall zumindest eine moderate Unterbewertung vorliegen haben. „Deep Value“ interessiert uns nicht, denn das ist in der Regel mindere Qualität, um nicht zu sagen Schrott. Im Endeffekt lässt sich unser Investmentstil so beschreiben: Wir suchen Aktien mit höchster fundamentaler Qualität, die wir zu moderaten Preisen kaufen können.

Smart Investor: Was die Qualität betrifft, dürften Sie bei GFT Technologies – einer Ihrer größten Positionen – sicherlich Recht haben. Aber kann man hier noch von einem moderaten Preis sprechen?

Bensmann: GFT ist augenblicklich tatsächlich überbewertet. Als wir die Aktie zu Kursen weit unter 10 EUR gekauft haben, notierte sie nach unserer Kalkulation allerdings mit einem Abschlag zum inneren Wert. Die Frage ist also: Sollte man eine Aktie bereits verkaufen, wenn sie überbewertet ist, oder sollte man Gewinne weiter laufen lassen? Wir verfolgen letzteren Ansatz, auch wenn bereits eine gewisse Überbewertung vorliegt. Der Ausstieg könnte dann bei von der Norm abweichenden technischen Rücksetzern erfolgen. Neu kaufen würden wir einen solchen überbewerteten Titel auf keinen Fall. Vom Geschäftsmodell her hat GFT aber tatsächlich etwas „Disruptives“: Die IT-Infrastruktur der Banken ist überwiegend veraltet und entspricht in vielen Fällen nicht den heutigen Anforderungen. Gleichzeitig haben viele Banken nicht die finanziellen Mittel, um mit eigener Technik und eigenem Personal den Rückstand aufzuholen. GFT schließt mit seinen Services exakt diese Lücke.

 

cartheemann

 

Smart Investor: Neben solchen „Dauerläufern“ haben Sie auch die eine oder andere Sonder- und Übernahmesituation im Portfolio. Wie passt so etwas in Ihre Strategie?

Bensmann: In Phasen stark steigender Kurse – wie etwa ab Oktober dieses Jahres – passt es tatsächlich weniger in unsere Strategie, denn solche Aktien, wie beispielsweise die HOMAG AG, können über lange Zeiträume seitwärts laufen und liefern damit keine Performance-Beiträge. In schwierigen Börsenphasen oder längeren Bear-Markets können solche Übernahmetitel aber eine enorme Stabilität ins Portfolio bringen, da es hier nur ein begrenztes Verlustpotenzial gibt. Als unsere Gesamtmarkt-Indikatoren im Sommer für die Aktienmärkte erhöhte Risiken anzeigten, haben wir daher mehrere solcher Aktien im Portfolio gehabt. Prinzipiell sollten jedoch auch diese Titel unsere üblichen Kriterien erfüllen, also in unseren Screenings anhand überzeugender Fundamentaldaten auffallen und deutlich unterbewertet sein.

 

Unbenannt

Smart Investor: Lassen sich die wichtigsten Kennzahlen Ihrer Screenings denn benennen?

Bensmann: Es sind im Grunde genommen die verschiedenen Kennzahlen rund um den Cashflow, die hochgradig performanceträchtig sind. Wir benutzen zum Beispiel den operativen Cashflow in Relation zu den Umsätzen als Qualitätskriterium. Daneben betrachten wir auch den Cashflow aus Investitionstätigkeit im Verhältnis zum Umsatz, um zu erkennen, in welcher Phase des Investitionszyklus ein Unternehmen steht. Wenn überdurchschnittlich hohe Investitionen getätigt werden, ist eine Aktie eher uninteressant, neigt sich solch eine Phase jedoch dem Ende zu, kann eine Aktie interessant werden. Ebenfalls von Bedeutung ist die Entwicklung des Cashflows aus Finanzierungstätigkeit, denn hieraus lässt sich erkennen, wie viel Geld ein Unternehmen an Aktionäre und Fremdkapitalgeber zurückzahlen kann oder ob es – oft wegen hoher Investitionen – an den Kapitalmarkt muss, um Kredite aufzunehmen oder gar Kapitalerhöhungen mit entsprechender Verwässerung vornehmen wird. Als Cashflow-Value-Kennziffer ist die Free-Cashflow-Rendite (FCF) gut geeignet. Bei Neuengagements wollen wir hier mindestens 5% sehen, einige Titel bringen es auch auf zweistellige FCF-Yields.

 Smart Investor: Seit dem Spätsommer 2014 setzen Sie Ihr Konzept auch im FU-Multi-Asset-Fonds der Heemann Vermögensverwaltung um. Gibt es hier Unterschiede zu Ihrer Strategie im Depot-Contest?

Bensmann: Grundsätzlich nicht, außer, dass wir im Fonds – er wird als „offensiver und flexibler Mischfonds“ bei den Ratingagenturen eingeordnet – weniger Restriktionen haben. Im Fonds haben wir keine vorgegebene Bondquote von 50% wie im Depot-Contest. Laut Satzung dürfen wir im Fonds weltweit in alle Märkte und Größenklassen investieren, auch Kurssicherungsgeschäfte in schwachen Börsenphasen sind möglich und werden praktiziert. Aktuell liegt der Bondanteil im Fonds nur bei gut 10%, die Assetklassen-Allokation bei Aktien liegt derzeit bei jeweils ca. 1/3 Standardwerten, Mid Caps und Small Caps, der US-Aktienanteil ist derzeit bei ca. 25%.

Smart Investor: Stellen wir uns einen veritablen Aktiencrash vor. Wie würden Sie den Fonds positionieren?

Bensmann: In fallenden Märkten und bei steigenden Risiken erhöhen wir die Anleihequote und sichern nicht verkaufte Positionen teilweise mit Shorts [ETFs, Futures, Put-Optionen] ab. Auch diese Market-Timing-Entscheidungen treffen wir übrigens nicht aufgrund von Bauchgefühl und Ratespielen, sondern aufgrund der Vorgaben diverser Market-Timing-Modelle. Die oben beschriebenen Stock-Picking-Ansätze sorgen in turbulenten Marktphasen schon für eine nicht unerhebliche „margin of safety“. In Kombination mit den geschilderten Absicherungstechniken und dem intensiven Risikomanagement sorgt dies dafür, dass in turbulenten Marktphasen und stärkeren Korrekturen in der Regel deutlich geringere Verlusten in unseren Portfolien zu verzeichnen sind als in denen der meisten Konkurrenten und bei den gängigen Indizes.

 

Smart Investor: Herr Bensmann, vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

Über Friedrich Bensmann:

Bensmann Friedrich

Friedrich Bensmann ist Senior-Analyst bei der Heemann Vermögensverwaltung in Gronau (Westfalen). Der Dipl.-Volkswirt beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Mikro- und Makro-Analysen, Asset Allocation und Portfolio-Management. Bereits zum zweiten Mal führt er mit seiner Anlagestrategie in diesem Jahr den DAB Depot-Contest in der Kategorie „Ausgewogen“ (max. 50% Aktienanteil). Mit einer Performance von +15,3% besteht in diesem Jahr sogar ein Vorsprung zum Ersten der Kategorie „Chance“, in welcher 100% Aktienanteil gefahren werden darf. Bensmann berät auch den FU Multi Asset Fonds, der mit einer Performance von 14,6% im Jahr 2015 bislang ähnlich gut abgeschnitten hat. Neben der Privatanleger-Tranche (WKN A0Q5MD) gibt es eine spezielle Tranche für institutionelle Investoren (WKN A12ADZ), die ab einem Mindestanlagevolumen von 250.000 EUR offen steht und über deutlich geringere Vergütungssätze verfügt.