Aktien Update – Allianz SE

Mit Vorlage der Zahlen für 2015 konnte der Versicherungskonzern einmal mehr Rekordwerte ausweisen. So erreichte der Umsatz mit 125,2 Mrd. EUR einen neuen Höchststand. Auch das operative Ergebnis markierte mit 10,7 Mrd. EUR eine neue Bestmarke, lag allerdings unter der Erwartungshaltung der Börsianer. Mit 200% ist die sogenannte Solvency II-Kapitalisierung erneut stark, die Allianz liegt damit rund 100% über den Kapitalanforderungen.

Nach den Plänen des Allianz-Vorstands wird den Aktionären auf der Hauptversammlung eine Dividende von 7,30 EUR je Aktie vorgeschlagen. Auch dies ist ein Tick weniger, als von der Börse erhofft. Für das laufende Jahr stellt die Allianz allerdings kein erneutes Rekordjahr in Aussicht. CEO Bäte erwartet ein operatives Ergebnis von 10,5 Mrd. EUR (+/- 500 Mio. EUR). Nur unter günstigen Umständen wird daher ein neuerlicher Rekordwert möglich sein.

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SI-Kommentar: Nullzinsen, schwache Börsen und politisch unruhige Zeiten machen auch der Allianz zu schaffen. Und dennoch will der Versicherungs-Riese weiter wachen, auch durch partielle Akquisitionen. Allerdings, so CEO Oliver Bäte, sind keine Mega-Übernahmen geplant, die sich am Ende als schwer verdaulich herausstellen. Stattdessen setzt der neue Vorstandsvorsitzende vor allem auf internes Wachstum durch eine Digitalisierung des Geschäftes und neue Produkte, die ohne Garantiezins auskommen. Mit diesen sogenannten Hybridprodukten trägt die Allianz in Zukunft keine Zinsänderungsrisiken, was sich für die Altbestände an Lebensversicherungen durchaus als Problem herausstellen könnte.

Um dieser Herausforderung zu begegnen, versucht der Münchener Branchenprimus weiterhin seine ohnehin schon dicke Eigenkapitaldecke zu stärken. Denn nur so sind weitere Investitionen in alternative – allerdings noch gut verzinste – Anlageformen möglich. Stand heute ist die Allianz bereits mit rund 92 Mrd. EUR in alternativen Anlageklassen investiert, mittelfristig sollen daraus 110 Mrd. EUR werden. Kritik äußerte CEO Bäte auf der Bilanzpressekonferenz auch an der Geldpolitik der EZB, die er schlichtweg für eine Katastrophe hält. Das Unternehmen stellt sich unabhängig davon auf eine lange Phase niedriger Zinsen ein.

Größter Unsicherheitsfaktor dürfte 2016 erneut das Asset Management-Geschäft der US-Tochter PIMCO bleiben. Nach dem Weggang des Gründers und Star-Investors Bill Gross leidet die Fondsgesellschaft nach wie vor unter Mittelabflüssen. Erst im laufenden Jahr erwartet Bäte hier die Trendwende, will jedoch nicht die Geduld mit PIMCO verlieren. Weitere Infos zur Allianz und den auf der Bilanz-Pressekonferenz getätigten Aussagen werden Sie auch im neuen Smart Investor lesen, der am nächsten Wochenende erscheint.

Die Aktie der Allianz ist derzeit durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten belastet, woran sich auch so schnell nichts ändern dürfte. Die jüngsten Rekordzahlen dürfen nicht über die vielen Baustellen hinwegtäuschen, die Oliver Bäte und seine Vorstandskollegen in nächster Zeit zu bewältigen haben.

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