Analyse

Gastbeitrag von Jürgen Dumschat, AECON Fondsmarketing GmbH

Die Frage, ob sich der HWB-Fonds oder der Ethna-AKTIV seit Auflage des HWB Portfolio Plus besser entwickelt hat, dürften die meisten Fachleute wohl spontan falsch beantworten. Fakt ist, dass seit Kursveröffentlichung der ursprünglich nur für die eigene Vermögensverwaltung aufgelegten V-Anteilsklasse (gleiche Kosten wie die später aufgelegte R-Anteilsklasse) beide Fonds die gleiche – wenn auch zwischenzeitlich extrem unterschiedliche – Wertentwicklung aufweisen.

FONDS-SNAPSHOT
WKN: 121543
Fondsmanager: Hans-Wilhelm Brand
Volumen: 54,6 Mio. EUR
Auflegungsdatum: 28.07.2003
Typ: Mischfonds

 

Argentinien-Anleihen
Woran das liegt, ist einfach zu beantworten: Die im Portfolio enthaltenen Argentinien-Anleihen wollte Fondsmanager Hans-Wilhelm Brand nicht zu den damaligen Umtauschbedingungen mit herbem Verlust für seine Anleger ausbuchen. Die Konsequenz: Über mehrere Jahre notierten diese Alt-Anleihen auf immer niedrigerem Niveau. Erst als ein US-Gericht in letzter Instanz Argentinien zur Bedienung der Anleihen verpflichtete, fingen die Kurse langsam wieder an zu steigen. Ex-Regierungschefin Kirchner riskierte lieber einen „technischen Default“, als sich zu beugen. Ihr jüngst gewählter Nachfolger sieht ein, dass an einer Einigung mit den Gläubigern kein Weg vorbeiführt. Seit geraumer Zeit steigen die Anleihenkurse deshalb wieder in Erwartung von Zins, Zinseszins und Tilgung. Der Fonds wurde vom Handel ausgesetzt, um Spekulationen zu Lasten der Anteilseigner des Fonds zu unterbinden.

Investiert bleiben?
Es zeichnet sich wohl eine baldige Lösung ab, die den Fondsanteilspreis nochmals spürbar steigern dürfte. Für manchen Anleger wird sich die Frage stellen, ob er sich dann über den glücklichen Ausgang des „Argentinien-Abenteuers“ freuen soll, um dann Kasse zu machen oder ob es sich lohnt, weiterhin im Fonds investiert zu bleiben. Die Frage beantwortet sich emotionslos, wenn man das reine Aktienportfolio des Fonds unter die Lupe nimmt. Von Anfang 2005 bis Ende Januar 2016 liegen uns die separierten Ergebnisse vor. Mit Ausnahme des Jahres 2008 lag das Ergebnis in jedem Jahr mit dem Weltaktienindex gleichauf oder (teilweise deutlich) darüber. Legte der Weltaktienindex in diesem Zeitraum (währungsgewichtet) um knapp 56% zu, so konnte im HWB-Fonds ein Plus von knapp 91% realisiert werden.

Gegen den Abwärtstrend
Schaut man sich beispielhaft die Entwicklung des letzten halben Jahres an, so sieht man deutlich, dass der Fonds bspw. im August 2015 gegen den Abwärtstrend des Aktienmarktes (linke Skala) zulegen konnte, obwohl die Argentinienanleihen (rechte Skala) stabil blieben. Zuletzt blieb der Fonds auch ohne Argentinien-Effekt deutlich stabiler als der eingebrochene Weltaktienmarkt. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass die HWB-Systematik funktioniert, sodass der Fonds auch nach Tilgung der Argentinien-Verbindlichkeiten haltenswert – bzw. nach Öffnung für neue Mittel empfehlenswert – sein sollte.

 

HWB

 

Über Jürgen Dumschat:

jürgen dumschat

Jürgen Dumschat, Jahrgang 1955, ist gelernter Bankkaufmann und Marketing-Fachwirt. Seit 1988 ist die Investmentbranche sein Betätigungsfeld, und von Anfang an hat er sich auf vermögens verwaltende Fonds spezialisiert. Mit seinem Pool, der AECON Fondsmarketing GmbH, betreut er Finanz dienst leister auf hohem Niveau. Als Sprecher des IVIF (Interessen verbund vermögensverwaltender Investment-Fonds) und Organisator der alljährlichen Hidden Champions Tour hat er sich als Protagonist des Segments „Vermögensverwaltende Fonds“ bundesweit einen Namen gemacht. In seinem Bestreben, Fonds aus Kundensicht zu beurteilen, entwickelte er die „Torment Ratio“, die ermittelt, ob das Schmerzensgeld (Performance) in Relation zu den Leiden des Anlegers („maximum drawdown“ und „maximum underwater-period“) ausreichend dimensioniert ist.