Smart Investor 3/2016 – Capital Stage AG

Klaus-Dieter Maubach
Klaus-Dieter Maubach

Smart Investor im Gespräch mit Klaus-Dieter Maubach, CEO der Capital Stage AG, über die Folgen des Börsenbebens und die Vorzüge eines konservativen Erwartungs-Managements.

Smart Investor: Herr Maubach, die Börse erzittert derzeit vor globalen Konjunktursorgen im Allgemeinen und Chinas Wachstumsschwäche im Besonderen. Inwieweit ist beides auch für Sie ein Thema?
Maubach: Natürlich blicken wir täglich auf die Entwicklung an den Kapitalmärkten, die derzeit mehr als turbulent ist. Dabei gibt es verschiedene Effekte – sowohl positive als auch negative. Verunsicherung ist nie etwas Gutes, weil Investoren dann zurückhaltender agieren und mit der Bereitstellung von Kapital warten. Auf der anderen Seite begünstigt das vor allem in Europa schon länger anhaltende Niedrigzinsumfeld und die Politik der EZB ein Geschäftsmodell wie das unsere, das per Definition von hohen Kapitalinvestitionen bestimmt wird. Vor dem Hintergrund der jüngsten Konjunktursorgen dürfte sich das Zinsumfeld nicht verändern.

Smart Investor: Befürchten Sie keine negativen Folgen aus dem Börsenabsturz?
Maubach: Ich betrachte uns eher als der sichere Hafen für Kapital in dieser durchaus stürmischen Phase. Vergleicht man unser Geschäft mit dem anderer Branchen, so zeigt es sich doch, dass dieses deutlich risikoärmer und konjunkturunabhängiger ist. Insofern bin ich an dieser Stelle recht gelassen.

Smart Investor: 2015 haben Sie gleich mehrfach Ihre Prognose anheben „müssen“. Was waren die Gründe hierfür?
Maubach: Capital Stage befand sich auch im letzten Jahr auf Wachstumskurs. Gleichzeitig basiert unsere Prognose stets auf den zum jeweiligen Zeitpunkt bereits im Portfolio befindlichen Assets. Neue Projekte werden erst nach Vertragsunterzeichnung einbezogen, woraus bei einem Ausbau des Portfolios zwangsläufig eine Anhebung der Jahresziele resultiert. Mit dieser konservativen Kommunikationspolitik fühlen wir uns sehr wohl.

Smart Investor: Wie verlief denn das Schlussquartal?
Maubach: Auch um unsere Aktionäre und den Markt in diesen turbulenten Zeiten etwas zu beruhigen, haben wir erst Anfang Februar die Produktionszahlen unserer Solar- und Windparks in kWh veröffentlicht, die leicht über unseren Erwartungen lagen. Daraus lassen sich natürlich gewisse Rückschlüsse für Umsatz und Ergebnis ziehen. Die Börse hat die Meldung dann auch honoriert und als eine Bestätigung unserer Guidance interpretiert. Eine solche Schlussfolgerung kann ich sehr gut nachvollziehen.

Smart Investor: Der Schwerpunkt Ihres Portfolios liegt auf der Solarenergie?
Maubach: In etwa 80% des Portfolios entfallen zurzeit auf Solar. Dabei haben wir letztes Jahr vorrangig in Deutschland auch unser Onshore-Windparkportfolio ausgebaut. Dagegen sehen wir hierzulande derzeit weniger Chancen im Solarbereich. Im Vergleich dazu konnten wir Ende vergangenen Jahres in Großbritannien unsere Solaraktivitäten substanziell vergrößern. Letztlich sind Opportunitäten immer markt- bzw. länderspezifisch. Unsere Anlageentscheidungen basieren auf regulatorischen Rahmenbedingungen, den Investitionsankündigungen der Politik und den Entwicklungen am Sekundärmarkt.

Smart Investor: Planen Sie 2016 den Eintritt in neue Länder?
Maubach: Wir sind recht positiv für den französischen Solarmarkt gestimmt, auf dem wir bereits seit 2013 aktiv sind. Die vergangenen Auktionen waren dort stets überzeichnet. Grundsätzlich schauen wir uns in (Kontinental-)Europa eigentlich fast alles an. Skandinavien wäre sicherlich interessant für uns, allerdings wurden wir dort bislang nicht fündig. Es kommt am Ende immer auf die jeweilige Opportunität an. Ein Projekt, in das wir investieren, muss zu unserem konservativen Risiko-/Renditeprofil passen. Länder mit einem unsicheren regulatorischen Umfeld scheiden folglich aus. Es mag durchaus so sein, dass zum Beispiel Chile oder Südafrika gute Solarmärkte sind. Gleichwohl wäre uns in beiden Fällen das Länderrisiko zu hoch. Wir setzen zudem auf eine Kultur des Investorenschutzes. Diese ist uns mindestens so wichtig wie die Rendite.

(über die Konkurrenz um attraktive Solarprojekte, das Geschäftsmodell von YieldCos und die Ausschüttungspolitik von Capital Stage lesen Sie im aktuellen Smart Investor 3/2016)

Interview: Marcus Wessel

Über die Capital Stage AG
Die Hamburger Capital Stage AG ist nach eigener Auskunft Deutschlands größter unabhängiger Solarparkbetreiber. Zum Portfolio gehören aktuell 75 Solar- und acht Windparks mit einer Gesamtleistung von über 550 MW. Geografisch befinden sich diese ausschließlich in politisch stabilen europäischen Ländern mit verlässlichen Rahmenbedingungen. Neben Deutschland sind das Italien, Frankreich und Großbritannien. Im November und Dezember erwarb die Gesellschaft zwei Solarparks im Nordwesten Englands von einem britischen Projektentwickler. Der Vorstand verfolgt eine konservative Anlagepolitik und übernimmt meist schlüsselfertige Parks, bei denen keine Bau- oder Projektrisiken bestehen. Die Planbarkeit der Zahlungsströme hat Priorität.

Nach neun Monaten im inzwischen beendeten Geschäftsjahr 2015 summierten sich die Umsatzerlöse der Hanseaten auf 94,4 Mio. EUR. Damit übertraf man den vergleichbaren Vorjahreswert um rund 50%. Operatives Ergebnis und Cashflow erreichten im gleichen Zeitraum 53,5 Mio. (+60%) respektive 53,7 Mio. EUR (+27%). Mit Vorlage der Neunmonatsbilanz hob der Vorstand erneut die Ziele für das Gesamtjahr an. Die im SDAX enthaltene Capital-Stage-Aktie zählt mit einem Plus von rund 50% in den letzten zwölf Monaten zu den Top-Performern im Nebenwerteindex. Der Börsenwert beträgt zurzeit rund 550 Mio. EUR.