Smart Investor 4/2016 – Value-Aktien

Erfolg und Misserfolg liegen nicht nur an der Börse dicht beieinander. Dabei zeigt sich die Klugheit einer unternehmerischen Strategie erst auf längere Sicht.

B2B-Kaufhaus als Cashflow-Maschine
Was benötigt ein Unternehmen? Mit dieser Frage ist im Fall von Takkt zunächst das Naheliegende und Grundsätzliche gemeint. Denn die Schwaben liefern in Europa und Nordamerika derzeit mehr als 300.000 Artikel für die Komplettausstattung von Betrieben, Büros und Lagern. Diese reichen von Takkt_744600einfacher Sicherheitsbekleidung über Büromöbel bis hin zu individuellen Werbedisplays. Dabei wird auf den B2B-Versandhandel als den im Vergleich zum Einzelhandel effizienteren Vertriebsweg gesetzt. Bereits das recht planbare Geschäft eröffnet attraktive Perspektiven für Langfristinvestoren. So führt die Preisunempfindlichkeit vieler der angebotenen Produkte selbst in konjunkturell schwierigen Zeiten zu stabilen Rohertragsmargen. Aufgrund einer sehr fragmentierten Lieferantenbasis und der Einkaufsmacht von Takkt kann die im SDAX gelistete Gesellschaft für ihre Kunden wesentliche Kostenvorteile erzielen. Allein die Bündelung des Sortiments verschafft der Gesellschaft einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber kleineren Einzelhändlern. Während auch im vergangenen Jahr das Geschäft in Nordamerika als Tak(k)tgeber wesentlich zum Wachstum der Gruppe beitrug – dank eines zum Teil akquisitionsbedingten Umsatzanstiegs um fast 9% wurden erstmals Erlöse von über 1 Mrd. EUR erzielt –, erwartet der Vorstand um Felix Zimmermann für 2016 auch für das europäische Geschäft eine Verbesserung sowie eine Fortsetzung des organischen Wachstums. Gleichzeitig kann sich der Konzern dank seiner operativen Cashflow-Stärke (1,74 EUR je Aktie im Jahr 2015) weitere Zukäufe und eine höhere Dividende locker leisten. Auch zukünftig will der Vorstand zwischen 35 und 45 Prozent des Ergebnisses an seine Aktionäre ausschütten. In der Konsequenz steigt die Dividende für das Jahr 2015 deutlich von 32 auf 50 Cent. Auch dieser Schritt wurde an der Börse äußerst positiv aufgenommen. Das bilanziell sauber aufgestellte Unternehmen verbindet eine moderate Bewertung (KGV 13, Dividendenrendite 3%) mit einer überzeugenden Wachstumsstory, die auch weiterhin durch gezielte Akquisitionen abgesichert werden soll.

Tabelle

Wo Value gelebt wird
Eine Alternative zur mühsamen Suche nach unterbewerteten Titeln, die den Kriterien des klassischen Value-Investing genügen, stellt die Aktie von Shareholder Value Beteiligungen dar, deren Portfolio parallel zu zwei Aktienfonds von der Shareholder Value Management AG gemanagt wird. Im Finanzzentrum Frankfurt sitzen die beiden erfahrenen Vorstände Frank Fischer und Reiner Sachs. Zusammen mit ihrem Anlage-Team folgen sie den Ideen von Benjamin Graham und Warren Buffett. Diese beinhalten Anlagen in unterbewertete, börsennotierte Small  und Mid Caps mit einer „Margin of Safety“ und einem robusten Geschäftsmodell (wirtschaftlicher Burggraben). Statt angestellten Managern vertrauen Fischer und Sachs lieber Unternehmerpersönlichkeiten. Grundsätzlich agiert die Shareholder Value Beteiligungen bei ihren Anlagen antizyklisch, was eine starke eigene Meinung und ExpertiseShareholder Value_A16820 voraussetzt. Man setzt auf Kapitalerhalt und eine stetige Verbesserung des inneren Wertes durch Kursgewinne und vereinnahmte Dividenden. Gerade die Ausrichtung auf den Nebenwertesektor – hierunter fallen Unternehmen mit einem Börsenwert von bis zu 1 Mrd. EUR – eröffnet Chancen. Großinvestoren schenken diesen Titeln schließlich meist wenig Beachtung. Auch die Zusammensetzung des Portfolios aus zehn bis 15 Einzelwerten bietet eine ausgewogene Mischung. Derzeit sind Fischer und Sachs unter anderem am Bergbauausrüster SMT Scharf, der Darmstädter Software AG und der i:fao AG beteiligt. Letzterer fährt mit seinen Cloud-basierten Softwarelösungen für das Buchen und Verwalten von Geschäftsreisen kontinuierliche Umsatz- und Gewinnzuwächse ein. Die starke Kursentwicklung der i:fao-Aktie war dann auch ein Faktor für die Verbesserung des inneren Wertes (NAV) seit Jahresbeginn. Während die Börsen in diesem Jahr einen glatten Fehlstart hinlegten, kletterte der NAV bis zum 31. Januar um immerhin 5% auf 68,61 EUR. Da verwundert es nicht, dass die Aktie der Shareholder Value Beteiligungen auf einem Allzeithoch notiert. Ein Kursgewinn von rund 30% im vergangenen Jahr sowie von 300% (!) in den letzten fünf Jahren sind der Beleg für den anhaltenden Anlageerfolg der Hessen.

Unter Strom
Die schottische Aggreko ist ein Musterbeispiel für den Wandel von Growth zu Value. Nachdem der Gewinn je Aktie im Jahr 2012 mit 1,04 GBP ihren bisherigen Zenit erreichte, ging der Überschuss seitdem Jahr für Jahr leicht zurück. 2015 wurden schließlich nur noch 79 Pence je Aktie verdient.

(mehr zu Aggreko lesen Sie im Smart Investor 4/2016 auf der Seite 67)