Smart Investor 5/2016 – CANSLIM-Aktien

Die Obsession der Börse mit Quartalsberichten verstellt mitunter den Blick auf das große Bild. Dabei liefern Megatrends in Technologie und Healthcare interessante Anlageideen.

Tabelle

Medizin fürs Depot
Die USA sind der mit Abstand größte Gesundheitsmarkt der Welt. In keinem anderen Land wird so viel für Medikamente und Behandlungen ausgegeben. Mit der Einführung von staatlichen Gesundheits-Programmen (Medicare/Medicaid) hat sich der Zugang vieler Menschen zum Gesundheitssektor in den letzten Jahren verbessert. Und obwohl damit verbunden weitere Eingriffe seitens der Regierung drohen, steigen dank Obamacare insgesamt die Umsätze in diesem Sektor. Hinzu kommt der demografische Faktor. Für Healthcare-Anbieter wie AmSurg resultieren daraus durchaus attraktive Wachstumsvoraussetzungen. Das Unternehmen betreibt landesweit bereits über 250 ambulante Behandlungszentren, die kleinere Eingriffe wie Magen- und Darmspiegelungen, Augen-OPs und arthroskopische Untersuchungen durchführen. Darüber hinaus stellt AmSurg Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen ein breites Angebot an Outsourcing-Leistungen aus den Bereichen Anästhesie, Radiologie, Diagnostik und Notfallmedizin zur Verfügung. Seit Längerem fährt der Vorstand eine aktive Übernahmestrategie, im Zuge derer allein vergangenes Jahr 16 Zukäufe abgeschlossen werden konnten. AmSurg profitiert auf einem weiterhin recht fragmentierten Markt mit vielen kleinen Anbietern von seiner Finanzkraft. Nach einem auch akquisitionsbedingten Umsatzsprung von über 50% auf 2,6 Mrd. USD im Jahr 2015 lassen die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr ein solides Wachstum von nochmals rund 20% erwarten. Der Gewinn je Aktie sollte gleichzeitig von 3,71 USD auf rund 4,30 USD zulegen können. Hieraus resultiert ein sicherlich noch ausbaufähiges KGV von 17,5. Dass die AmSurg-Aktie seit mehreren Monaten eher seitwärts tendiert, lässt sich nicht mit negativen Unternehmensnews, sondern mit den eingangs erwähnten regulatorischen Unsicherheiten erklären. Werden diese Sorgen zum Teil entkräftet, dürfte der Mid Cap seinen langfristigen Aufwärtstrend – über die letzten fünf Jahre hat sich der Kurs in etwa verdreifacht – fortsetzen.

Dr. Robot übernimmt
Der medizinische wie technologische Fortschritt zeigt sich bei der Entwicklung neuer Operationsmethoden. Viele Eingriffe werden heute minimalinvasiv – also mit nur kleinen Schnitten, beispielsweise in die Bauchhöhle des Patienten – durchgeführt. Noch einen Schritt weiter geht der US-Konzern Intuitive Surgical. Dessen „da Vinci“-Operationssystem übersetzt die Handbewegungen des Chirurgen von einer Konsole aus in kleinste Bewegungen der in den Patienten eingeführten OP-Instrumente. Dadurch steigt die Präzision der Eingriffe – mit entsprechend positiven Folgen für den Heilungsprozess des Patienten. Intuitive Surgical verweist zudem auf Kostenvorteile für Patienten und Krankenversicherer in Folge kürzerer Krankenhausaufenthalte und geringerer Komplikationen. In der Vergangenheit wurden die Vorteile der Robotertechnologie für bestimmte Eingriffe gelegentlich angezweifelt. Fakt ist aber, dass es Intuitive Surgical gelungen ist, die installierte Basis seiner Systeme kontinuierlich zu steigern und neue Anwendungsgebiete zu erschließen. Zuletzt erwiesen sich vor allem Prostata-Behandlungen als Wachstumstreiber für den Absatz. Der auch in den USA herrschende Kosten- und Wettbewerbsdruck unter den Krankenhäusern sollte als Risikofaktor aber keinesfalls ausgeblendet werden. Nach einer Wachstumsdelle im Jahr 2014, welche die seinerzeit schwache Kurs-Performance erklärt, kehrte die Gesellschaft im vergangenen Jahr in die Erfolgsspur zurück. Umsatz (+12% auf 2,4 Mrd. USD) und Ergebnis (+36%) legten deutlich zu. Dass die Konsensschätzung für 2016 bislang nur einen moderaten Gewinnanstieg unterstellt, ist durchaus positiv. Die Börse scheint die wahre Ertragskraft weiterhin zu unterschätzen. Anders lässt es sich kaum erklären, dass Intuitive Surgical in den letzten drei Quartalen die Gewinnerwartungen um bis zu 25% übertreffen konnte.

Mobileye_A119ESDas magische Auge
Auch im Auto, dem liebsten Kind von uns Deutschen, bleibt Automatisierung ein Megatrend. Zwar ist das autonome Fahren weiterhin ein Zukunftsthema, das erst in zehn Jahren wirklich in der Breite aktuell werden dürfte – es gibt schließlich noch viele rechtliche Fragen zu klären. Bis dahin werden intelligente Fahrassistenzsysteme jedoch ihren Siegeszug bei einer Vielzahl anderer Anwendungen fortsetzen. Die israelische Mobileye ist ein Pionier auf dem Gebiet kamerabasierter Fahrassistenzsysteme (Advanced Driver Assistance Systems, ADAS). Die vom Unternehmen entwickelten Software-Algorithmen und EyeQ-Chips ermöglichen die Identifikation von Hindernissen, seien es andere Fahrzeuge, Fußgänger, Tiere oder auch Gegenstände auf der Fahrbahn. Sie lösen daraufhin automatisch den Bremsvorgang aus. In den USA soll ein solches „Automatic Braking System“ ab dem Jahr 2022 für Neuwagen verpflichtend sein. Es ist davon auszugehen, dass andere Länder mit vergleichbaren Regelungen bald nachziehen, was ADAS endgültig zum Durchbruch verhelfen könnte. Die Mobileye-Systeme erkennen zudem Verkehrsschilder, Fahrbahnmarkierungen und Lichtsignale. Nach einem Allzeithoch im vergangenen Sommer bei über 60 USD büßte der Mid Cap bis Anfang Februar mehr als die Hälfte seines Börsenwertes ein. Seitdem konnte sich die Notiz wieder deutlich erholen, was zum Teil aus dem starken Unternehmensausblick resultiert. Bis zum Ende des Jahres 2019 will der Vorstand die Erlöse auf 1,1 Mrd. USD vervielfachen. Zum Vergleich: 2015 erreichte Mobileye Umsätze von rund 240 Mio. USD. Die neue Langfristprognose impliziert ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 46%. Aufgrund der meist mehrjährigen Aufträge mit den großen OEM-Herstellern traut sich der Vorstand eine solche Aussage zu. Positiv ist zugleich der steigende Verkaufspreis der eigenen EyeQ-Chips. Laut Mobileye ist dies die Folge komplexerer Programme und Anwendungen. Das rasante Wachstum des Markt- und Technologieführers spiegelt sich auch in der Bewertung wider. Obwohl das KGV im kommenden Jahr von derzeit 55 auf 36 fällt, sollte sich der Konzern bei seiner aggressiven Expansionsagenda besser keine Enttäuschungen leisten. Ein Stop-Loss bei 32 EUR scheint daher ratsam.

Fazit
Echte Wachstumsstorys sind rar und werden bei planmäßiger Entwicklung mit einem klaren Bewertungsaufschlag belohnt. Unsere CANSLIM-Ideen besitzen ein solches Wachstumsprofil und damit verbunden die Aussicht auf steigende Notierungen.