Kolumne

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Ufuk Boydak, LOYS AG

Seit der großen Finanzkrise ab 2007, die mit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im November 2008 kulminierte, erfreuen sich Mischfonds großer Beliebtheit bei institutionellen und privaten Anlegern. Durch eine Anlage in Mischfonds, die typischerweise Zinsinstrumente, Aktien und gegebenenfalls Rohstoffe zu einem Anlagedepot bündeln, konnten Investoren von fallenden Zinsen ebenso wie seit März 2009 von steigenden Aktienkursen profitieren. Angesichts weiter gefallener Zinsen und einem mittlerweile erreichten Niveau negativer Realzinsen wird die Zinsseite für Mischfonds jedoch zunehmend unattraktiv. Positive Anlageergebnisse bei Bonds fußen inzwischen nahezu ausschließlich auf Kurszuwächsen, da die Kupons besonders bei Staatsanleihen oftmals marginal geworden sind. Das Absinken der Kupons hat zugleich zum Anstieg der Durationen bei Anleihen geführt, sodass die Kurs- und Endwertrisiken bei Anleihen inzwischen beachtlich geworden sind.

Strukturbruch
Hinzu kommt, dass die in der Vergangenheit beobachtbaren Korrelationen zwischen Anleihen und Aktien, angesichts des eingetretenen Strukturbruchs seit der großen Finanzkrise, in die Zukunft nicht fortschreibbar sind – zumal die Kupons dabei in der Vergangenheit einen wesentlichen korrelationssenkenden Beitrag geliefert haben. Diese historisch einmalige Gemengelage an den Bondmärkten führte in der jüngsten Zeit dazu, dass Investoren sich nach geeigneteren Konzepten umschauen, um ausgewogene Chance-Risiko-Profile zu generieren.

Aktienbasierte Long/Short-Fonds
Da die große Mehrheit der Investoren die reine Aktienanlage eher meidet, sind vor allem aktienbasierte Long/Short-Konzepte zuletzt stark in den Fokus der Anlegergemeinde gerückt. Sie bieten quasi einen alternativen Weg an den Aktienmarkt. Das Vorgehen der Long/Short-Ansätze besitzt, bei aller Heterogenität im Detail, eine plausible Hauptkomponente: Die Risikominderung entsteht, indem innerhalb der gleichen Anlageklasse (in der Regel Aktien) Gegenpositionen aufgebaut werden. Damit entfällt die Korrelationsproblematik, die bei der Mischung verschiedener Anlageklassen entsteht, komplett. Aktien werden mit Aktien abgesichert, was zu einem passenderen und damit risikoloseren Hedging führt. Ohne Renditen aus den Aktienmärkten gehen die Anlagekonzepte der Long/Short-Fonds zumeist nicht auf. Daher soll der Hinweis nicht fehlen, dass bei passendem Anlagehorizont die Anlage in einen reinen, aktiv gemanagten Aktienfonds stets mit in Erwägung gezogen werden sollte. Hier sind langfristig die höchsten Anlagerenditen zu erwarten.

Diplom-Kaufmann Ufuk Boydak ist CFA Chartholder. 2009 erfolgte der Eintritt in die LOYS AG als Analyst. 2011 übernahm er Verantwortung als Co-Portfoliomanager aller LOYS-Fonds. Seit Ende 2012 managt er die Fonds LOYS Global System, LOYS Europa System und den LOYS Global L/S. Boydak leitet die LOYS Niederlassung in Frankfurt, seit Anfang 2015 ist er Teilhaber und Vorstand der LOYS AG.