Smart Investor 8/2016 – Berkshire Hathaway Inc.

Weltweit gibt es vermutlich mehrere hundert Holdinggesellschaften. Dazu zählen Konglomerate in Familienhand, Beteiligungsgesellschaften mit verschachtelten Organigrammen und börsennotierte Private-Equity-Unternehmen. Und dann gibt es eben noch Berkshire Hathaway. Die Holding von Warren Buffett ist wohl in jeglicher Hinsicht ein Unikat: Eine Struktur, wie sie schlanker und kostengünstiger nicht sein könnte, eine Unternehmenskultur, die wohl als einmalig bezeichnet werden muss, sowie ein charismatischer CEO, der als renommiertester Investor aller Zeiten gilt. Berkshire ist Kult, soviel ist klar. Man darf es sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen: Da arbeitet der CEO eines Unternehmens mit einem Börsenwert von 330 Mrd. EUR für ein Gehalt von 100.000 USD im Jahr – und erwirtschaftet dabei über Jahrzehnte eine bessere Performance als der S&P-500-Index. Unterstützt wird er dabei von einem 25-köpfigen Team (!), das statt in einer repräsentativen Konzernzentrale in einem angemieteten Stockwerk eines unscheinbaren Hochhauses in Omaha (US-Bundesstaat Nebraska) residiert. Kurz zusammengefasst: Value pur!

AiB Berkshire IllustrationLuxusprobleme
Doch Berkshire plagen auch einige Luxusprobleme: So entwickelt sich die zunehmende Größe mehr und mehr zum Hemmschuh. Die laufenden Cashflows (aktuell ca. 16 Mrd. USD pro Jahr) aus den bestehenden Beteiligungen sorgen für einen zunehmenden Anlagedruck, der lediglich in Multi-Milliarden-Dollar-Akquisitionen kanalisiert werden kann. Ein Problem, das Buffett und sein Kompagnon Charlie Munger vor allem durch den vollständigen Erwerb größerer Beteiligungen lösen. Jüngstes Beispiel: Precision Castparts. Mit dem Kauf des Herstellers von Flugzeug-Komponenten konnte Berkshire mit einem Schlag 32 Mrd. USD investieren. Ähnlich gestaltete Transaktionen dürften sich in Zukunft wiederholen – und damit die Wandlung von Berkshire zu einer Holding operativer Tochtergesellschaften weiter vorantreiben. Hierzu zählen bislang vor allem die Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaften, die Beteiligungen an diversen Energieversorgern (BH Energy), am Eisenbahnunternehmen BNSF und an den diversen Industrie- und Einzelhandelsunternehmen. Ein immer größerer Teil des Unternehmenswertes steckt damit nicht mehr in einem einfach zu bewertenden Aktienportfolio, sondern in den wiederkehrenden Erträgen der 100%-Töchter. Dazu kommen die milliardenschweren Aktienpakete an Kraft Heinz (25 Mrd. USD), Wells Fargo (24 Mrd. USD), Coca-Cola (17,3 Mrd. USD), IBM (10,7 Mrd. USD), American Express (8,4 Mrd. USD) und vielen anderen US-Blue-Chips.

Wie Buffett über den Wert von Berkshire denkt
Das Rüstzeug zur korrekten Bewertung von Berkshire bekommen aufmerksame Aktionäre seit Jahren in den Aktionärsbriefen gratis mitgeliefert. So lässt sich der innere Wert der Buffett-Aktie durch den Wert des Aktienportfolios (inklusive Cash und Cash-ähnlicher Vermögensgegenstände) je Aktie zuzüglich des Wertes der operativen Beteiligungen bestimmen. Letzterer wird typischerweise durch ein Vielfaches des anteiligen Gewinns je Berkshire-Aktie bestimmen.

(wie Warren Buffett Berkshire ganz konkret bewertet, die Absicherung durch das aktuelle Aktien-Rückkaufprogramm und einen Ausblick auf die nächsten Jahrzehnte finden Sie im Smart Investor 8/2016 auf S. 62 und 63)