Interview

Smart Investor im Gespräch mit Erich Meier, Konwave AG, über Vertrauensverlust und seine Auswahlkriterien bei den Minenaktien im NESTOR Gold.

Erich Meier, Konwave AG
Erich Meier, Konwave AG
Smart Investor: Wie stellt sich momentan aus Ihrer Sicht die Angebots- und Nachfragesituation bei Gold dar? Was sind die preistreibenden Faktoren?

Meier: Die Goldminenindustrie war seit vier Jahren in einer Krise. Dadurch wurden Investitionen massiv zurückgefahren. Das führt nun dazu, dass die Produktion und damit das Goldangebot aus den Minen in den kommenden Jahren deutlich sinken werden, vergleichbar etwa mit dem Zeitraum 2000-2006. Auf Sicht von fünf Jahren erwarten wir einen stetigen Rückgang bei der Minenproduktion, die immerhin für 70% des Angebots verantwortlich ist. China und Indien stehen für etwa 50% der weltweiten Nachfrage. Im ersten Halbjahr haben wir hier einen Rückgang gesehen. In China erwarten wir Ende 2016 eine steigende Nachfrage zum chinesischen Neujahr. In Indien beginnt saisonal die stärkste Zeit der Goldnachfrage (Hochzeitssaison). Bei der Investoren-Nachfrage zeigt sich seit Anfang 2016 eine deutliche Trendwende nach oben. Die Schlüsseltreiber sind aus unserer Sicht ein US-Dollar, der durch das enorme Handelsbilanzdefizit zur Schwäche neigt. Einen starken Dollar sehen wir nur beim Ausbrechen einer Krise in Europa oder den Entwicklungsländern.

Smart Investor: Manche Investoren befürchten mit möglicherweise steigenden US-Zinsen ein Ende des Goldanstiegs. Was ist davon zu halten?

Meier: Lange Zeit wurde ein deutlicher Anstieg der Zinsen in den USA befürchtet, diese Ängste sind heuer aber deutlich schwächer geworden. Investoren haben realisiert, dass die Notenbanken ein Interesse daran haben, die Zinsen so gering wie möglich zu halten. Eine Zinsnormalisierung vor der dramatischen Schuldensituation in den Industrienationen ist schlichtweg nicht denkbar. Seit ein paar Monaten nehmen wir einen starken Vertrauensverlust bei Anlegern in die Fähigkeit der Notenbanken und der Politik wahr, die Probleme zu lösen. Dieser Trend steht am Anfang; wir gehen aber davon aus, dass dieser Vertrauensverlust von Dauer ist. Das wird langfristig ein wesentlicher Treiber für Gold und Goldminen sein.

Smart Investor: Müsste Gold nicht deutlich höher notieren angesichts des von Ihnen angesprochenen Vertrauensverlustes?

Meier: Viele Investoren haben die Ernsthaftigkeit der Situation noch nicht erkannt. Über 90% der Banken empfehlen, Gold unterzugewichten oder gar keine Positionen in Gold einzugehen. Das macht das Aufwärtspotenzial deutlich, denn der normale Investor ist noch gar nicht auf den Zug aufgesprungen. Übrigens ist der Goldpreis in vielen Währungen in der Nähe des Höchststandes. Die Wahrnehmung wird dadurch etwas verzerrt, sodass meist nur die Notierung in US-Dollar beachtet wird.

Smart Investor: Minenunternehmen hatten eine schwere Zeit hinter sich, teilweise auch durch Missmanagement. Wie stellt sich die Situation gegenwärtig dar?

Meier: Die Kostensituation hat sich verbessert, bei den Minen ist seit vergangenem Jahr ein Turnaround beim freien Cashflow zu beobachten. Dadurch und auch durch Kapitalerhöhungen haben sich die Bilanzen deutlich verbessert. Das hat dazu geführt, dass die Industrie wieder auf gesunden Füßen steht. Beim jetzigen Goldstand wird noch nicht viel verdient. Als Anleger weiß ich allerdings, dass es in einer zyklischen Branche Zeit ist, dann Aktien zu kaufen, wenn die Firmen noch keine Riesen-Gewinne einfahren.

Smart Investor: Im NESTOR Gold haben sie vergleichsweise viele Positionen. Welche Kriterien spielen bei der Aktienselektion eine entscheidende Rolle?

Meier: Das ist richtig. Wir haben etwa 100 Positionen. Da wir auf breiter Front in kleineren Gesellschaften engagiert sind, ist die Risikostreuung sehr wichtig. Bei der Aktien-Selektion unterscheiden wir zwischen großen und kleinen Firmen. Wichtige Kriterien bei den Large Caps sind die Bewertung und der erwartete Newsflow. Wir kaufen tendenziell günstige Aktien, wenn wir einen Turnaround sehen. Teure Aktien verkaufen wir, d.h. unser Ansatz ist antizyklisch ausgerichtet. Ein Beispiel im Portfolio ist Yamana Gold, die wir sukzessive nach enttäuschenden Nachrichten aufgebaut haben. Dort sehen wir einen Turnaround bei günstiger Bewertung. Bei den kleinen Unternehmen sind vier Faktoren entscheidend: Die Qualität des Managements und der Mine bzw. des Projektes. Darüber hinaus analysieren wir eventuelle geopolitische Risiken, und zu guter Letzt spielt natürlich auch bei kleinen Firmen die Bewertung eine entscheidende Rolle. Wir investieren sowohl in Produktions- als auch in Explorationsfirmen. Diese Segmente bewirtschaften wir aktiv. Zum Ende eines Zyklus kaufen wir eher defensive Werte und Produkte, die sich wie physisches Gold verhalten.

Smart Investor: Der NESTOR Gold hat seit Jahresanfang mit einem Plus von 113% eine überdurchschnittliche Performance verzeichnet. Was waren die Ursachen?

Meier: Einer der Gründe ist die genannte aktive Bewirtschaftung des Zyklus. Zum Jahresanfang haben wir das Portfolio mit kleineren Gesellschaften etwas aggressiver aufgestellt. Bei den großen Enttäuschungen des Jahres (Goldcorp etc.) waren wir nicht dabei bzw. deutlich untergewichtet.

Smart Investor: Herr Meier, vielen Dank für die Ausführungen.

Interview: Christian Bayer

 

Erich Beat Meier gehört seit April 2012 zu Walter Wehrlis Team und berät unter anderem den NESTOR Gold. 1985 startete Erich Beat Meier bei der UBS. Er absolvierte seine Banklehre sowie die Ausbildung zum Chartered Financial Analyst (CFA). Der Schweizer sammelte zehn Jahre Erfahrung im Private Banking, im Investmentresearch sowie im institutionellen Asset Management. 1998 wechselte Meier als Leiter des Bereichs Strategie & Rohstoffe für Aktien zur Zürcher Kantonalbank. Dort war er u.a. mitverantwortlich für die Gründung des ZKB Ressourcen Vision Fonds sowie Mitbegründer und Fondsmanager des ZKB Edelmetall ETFs.