Interview

Smart Investor im Gespräch mit Harald Preißler, Bantleon AG, über Trump als US-Standort-Risiko und die momentane Ertragsschwäche des defensiven Flaggschiff-Fonds Bantleon Opportunities S.

Smart Investor: Auf der vergangenen EZB-Sitzung wurde eine Verlängerung des QE-Programms über den kommenden März hinaus offen gelassen. Die Märkte haben darauf zunächst verstimmt reagiert. Wie wird die EZB aus Ihrer Sicht weiter handeln?

Preißler: Die Reaktion der Märkte auf die EZB-Sitzung war wieder einmal ernüchternd. Anleihen haben abgegeben, die Aktienmärkte sind gefallen und auch Gold wurde in Mitleidenschaft gezogen. Wenn die Erwartungen enttäuscht werden, kommt es jedes Mal zu Panikattacken, die dann mühsam wieder eingefangen werden müssen. Das ist der Fluch, den sich die Geldpolitik mit ihren QE-Programmen eingehandelt hat. Davon abgesehen hat die EZB ja ihre Bereitschaft signalisiert, das QE-Programm über März 2017 hinaus zu verlängern. Sie muss aber vorher die rechtlichen und technischen Hürden beseitigen, und das benötigt Zeit. Wir gehen davon aus, dass Draghi spätestens im Dezember die Verlängerung des Programms verkündet, möglicherweise sogar in Verbindung mit einer erneuten Aufstockung.

Smart Investor: Mit welchen Auswirkungen des Brexit auf die europäische Konjunktur ist Ihrer Ansicht nach denn zu rechnen?

Preißler: Die unmittelbaren Auswirkungen sehen wir sehr gelassen. Großbritannien bleibt ein wichtiger Handelspartner, dort wird immer noch konsumiert und auch investiert. Am Ende wird es einen Kompromiss geben, bei dem sowohl die EU als auch Großbritannien ihr Gesicht wahren können. Als problematisch erachte ich auf längere Sicht eher die politische Signalwirkung des Brexit. Das ist Wasser auf die Mühlen von EU- und eurokritischen Strömungen in anderen Ländern und damit eine potentielle Quelle großer Verunsicherung.

Dr. Harald Preißler, Bantleon AG
Dr. Harald Preißler, Bantleon Bank AG
Smart Investor: Die anstehende Präsidentenwahl in den USA bewegt die Gemüter. Wie würde das Wahlergebnis die US-Konjunktur beeinflussen? Rechnen Sie mit einer Zinserhöhung durch Frau Yellen vor den Wahlen?

Preißler: Unsicherheit ist nie gut für die Konjunktur. Bislang hat sich die „Wahlangst“ in Grenzen gehalten, weil viele sich gar nicht vorstellen konnten, dass Trump überhaupt eine realistische Chance auf einen Sieg hat. Falls sich nun aber doch ein Kopf-an-Kopf-Rennen abzeichnet, gehe ich schon von einem konjunkturellen Dämpfer aus, weil Investitionen zurückgestellt werden. Trumps politische Agenda ist so krude und konfus, dass der Standort USA definitiv Schaden nehmen würde. Vom Rest der Welt ganz zu schweigen. Was den Leitzinspfad der Fed anlangt, so haben die konjunkturellen Daten im August ziemlich enttäuscht. Falls sich diese Eintrübung wieder in Luft auflösen sollte, gehe ich von einer weiteren Zinserhöhung der Fed spätestens im Dezember 2016 aus. 2017 könnten dann zwei weitere Schritte folgen, sofern sich unsere moderat zuversichtliche Prognose für das Wirtschaftswachstum bewahrheitet. Einen Zinsgalopp kann ich mir hingegen nicht vorstellen, dazu sind die Rahmenbedingungen dann doch nicht gut genug.

Smart Investor: Welches Szenario müssen die Anleger an den Aktienmärkten mit Blick auf die nächsten sechs Monate einkalkulieren, wenn man die konjunkturellen Indikatoren betrachtet?

Preißler: Insgesamt ist die Konjunkturlage zwar stabil, wegen der brisanten politischen Agenda aber auch ungemein anfällig. Das spricht generell für eine höhere Volatilität an den Finanzmärkten. Für die Aktienmärkte rechnen wir mit einem flachen Aufwärtstrend, in erster Linie, weil wir optimistisch für die weitere Entwicklung der Unternehmensgewinne sind. Dort dürfte der Tiefpunkt hinter uns liegen, was momentan sicherlich keine Konsensmeinung darstellt. Das schafft Raum für ein DAX-Niveau am Jahresende von 11.000 Punkten oder mehr.

Smart Investor: Der Bantleon Opportunities S hat die Kalenderjahre 2014 und 2015 mit einem minimalen Minus abgeschlossen. Seit Jahresbeginn hat er 1% verloren. Mit Abstrichen hat der Kapitalerhalt auf Basis hochqualitativer Anleihen funktioniert. Die Ertragsseite schwächelt allerdings deutlich. Funktioniert das Geldverdienen mit Anleihen noch?

Preißler: Zunächst einmal kann man mit Anleihen immer noch Geld verdienen, allerdings anders als früher. Früher hatte man als Ertragsquellen den Kupon und die Kursänderung. Die erste Ertragsquelle spielt im Nullzinsumfeld keine Rolle mehr, die zweite allerdings schon. Den Effekt der Portfolio-Stabilisierung durch qualitativ hochwertige Anleihen haben wir zuletzt wiederholt erlebt. Etwa nach dem Brexit-Entscheid, als die Kurse 10-jähriger Bundesanleihen um mehr als 3% gestiegen sind. In Krisenphasen sind Qualitätsanleihen der volatilitätsärmere Hedge als z.B. Gold. Mit der Ertragsentwicklung des Bantleon Opportunities S in der jüngeren Zeit sind wir in der Tat nicht zufrieden. Durch den risikoaversen Ansatz sind wir zwar nach Trendwenden schnell aus dem Markt, bis zum Wiedereinstieg vergeht aber eine gewisse Zeit, was in besonders volatilen Seitwärtsphasen Performance kostet. Deswegen unseren Fokus auf Kapitalerhalt aufzugeben, kommt für uns nicht in Frage. Wir haben stattdessen die Ertragsbasis des Fonds verbreitert. Bislang haben wir auf der Aktienseite nur in den DAX investiert, jetzt nutzen wir auch den Euro STOXX 50. Auf der Anleihen-Seite können wir neuerdings auch währungsgesichert in außereuropäische Anleihen investieren. Mit diesen Anpassungen sind wir robuster aufgestellt und sehen uns auf gutem Weg, in die alte Erfolgsspur zurückzufinden.

Smart Investor: Herr Preißler, vielen Dank für Ihre Ausführungen.

Interview: Christian Bayer

 

Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg arbeitete Harald Preißler zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Würzburg und Ulm. Noch während seiner Promotion zum Dr. rer. pol. begann er 1999 als Senior Analyst bei der Bantleon Bank AG in Zug. Im Jahr 2001 wurde er zum Leiter der Kapitalmarktanalyse, 2005 zum Chefvolkswirt der Bantleon Bank AG ernannt.