Löcher in der Matrix – Elektro als neuer Zwölfzylinder?

RTEmagicC_Matrix_mit_Loch„Deutschland ohne Diesel und Benzin – kann das funktionieren?“ (manager-magazin.de, 12.10.2016)

Diese Frage stellt das Manager-Magazin, nachdem der Bundesrat den Gedanken öffentlich ventilierte, hierzulande ab 2030 Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren die Zulassung zu verweigern. Um die 11-Fragen-und-Antworten-Clickstrecke mit dem Kann-sein-oder-auch-nicht sein-Ergebnis soll es hier nicht gehen, sondern die Positionierung Matthias Wissmanns, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).

Der VDA hatte zeitnah eine Stellungnahme des Präsidenten online gestellt, die als in Zeilen gegossene Vorhersehbarkeit das zu Erwartende mehr als übererfüllte. Jeder halbwegs begabte Kabarettist hätte den Text inhaltlich exakt so hinbekommen, freilich scheiternd im Bemühen, das satirische Merkmal der Überzeichnung zu nutzen. „Politisch erzwungenes Ende des Verbrennungsmotors für Klimaschutz kontraproduktiv“ lautet die Überschrift. In Berlin ist man offenbar mit dem Gebrauch des Konjunktivs nicht so firm, denn der Titel lässt sich sehr gut so verstehen, als sei (!) eben jenes Ende bereits erzwungen.

Und warum wäre (!) es kontraproduktiv? „Ein Schwarzweiß-Ansatz, der den Verbrennungsmotor pauschal als Klimasünder abstempelt ist zu schlicht. In Abhängigkeit vom Energiemix kann der Verbrennungsmotor sogar besser abschneiden. Denn nur wenn Strom aus regenerativen Quellen kommt, sind Elektroautos wirklich emissionsfrei“, doziert der Präsident. Abgesehen davon, dass man in Berlin offensichtlich auch im Gebrauch von Kommata bei Appositionen nicht firm ist, deutet diese Begründung also auf die komplette Abwesenheit belastbarer Argumente hin.

Tesla Inc. übrigens diskutiert nicht über den Energiemix, sondern bietet über die akquirierte SolarCity PV-Anlagen und Speicherlösungen, die so genannte Powerwall, an und eröffnet mit bidirektionalem Laden Kunden die Möglichkeit, Netzdienstleistungen in smart grids zu erbringen. Und das 2017, nicht 2030.

Doch es kommt noch besser: Der gleiche Präsident jener Industrie, die in der Krise 2009/10 vehement und erfolgreich nach Unterstützung durch den Staat per Kaufprämie gerufen hat, verbittet sich nunmehr staatlichen Eingriff: „Es gelten die Grundsätze der Technologieoffenheit und der marktwirtschaftlichen Wahlfreiheit.“ Vielmehr habe die Politik „kluge Rahmenbedingungen“ zu schaffen, sollte sich ansonsten aber heraushalten und schon gar nicht „Technologiefortschritte diktieren oder dem Kunden Entscheidungen vorschreiben.“

Was aber, wenn Elektro oder Brennstoffzelle die neuen Zwölfzylinder sind? Man will sich die Folgen nicht ausmalen. Für Investoren stellt sich die Frage, wie weit das Verbrenner-Geschäftsmodell von VW, Daimler und Co noch reichen mag und ob der Switch zu alternativen Antrieben rechtzeitig gelingt. Der Branchenverband wird dabei keine besonders hilfreiche Rolle spielen.

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