Kolumne

Péter Elek, Fondsberater des NESTOR Osteuropa
Péter Elek, Fondsberater des NESTOR Osteuropa

Investments in Osteuropa

Politische, wirtschaftliche und regulatorische Risiken bestimmen derzeit Osteuropa. Hinzu kommt der Einfluss der Ölpreisentwicklung. Die Korrelation zwischen der Ölpreisentwicklung und verschiedenen Aktienindizes war in den vergangenen Monaten sehr hoch. Inzwischen hat sich der Ölpreis deutlich erholt. Einerseits wird in den USA viel weniger Öl gefördert, die noch aktiven Ölbohrplattformen drastisch reduziert. Andererseits steigt die Nachfrage der sogenannten neuen Welt extrem schnell. Das kompensiert die Nachfrage in der alten Welt, also den USA, Westeuropa und Japan. Zudem ist die Ölnachfrage der Nicht-OECD-Staaten seit 2012 stärker als in den OECD-Ländern. Der Rohstoffsuperzyklus dürfte Anfang des Jahres seine Talsohle erreicht haben. Auch die Preise für andere Rohstoffe wie Eisenerz, Aluminium und Kupfer, steigen.

Rückblick

Betrachtet man das Ende des 20. Jahrhunderts in Russland, ist die Situation heute ähnlich wie damals. Die Wirtschaft brach im Jahr 1999 völlig zusammen. Insgesamt ist die Wirtschaftslage jetzt besser als damals. Angesichts der Sanktionen gegenüber Russland ist die Situation dennoch vergleichbar mit der damaligen. Wie damals ist das politische Risiko in Russland hoch. Hinzu kommen Probleme auf Seiten der Aufsichtsbehörden und bei der Corporate Governance. Ausländische Investoren dürften Russland daher kaum auf dem Radar haben. Doch wie damals ist der Markt heute wieder sehr günstig. Die Frage ist, ob bzw. wann Russland wieder in Mode kommt. Nach dem letzten Wirtschaftseinbruch stieg der russische Markt stetig an – innerhalb von zehn Jahren um insgesamt 500%.

Unterschiedliche Bewertungen

Bei den osteuropäischen Märkten ist die Bewertung das wichtigste Kriterium. Im Vergleich zum S&P 500 und dem DAX wird die deutliche Unterbewertung in Osteuropa klar. Russland etwa ist nicht nur im Vergleich zu den Indizes unterbewertet, sondern auch im Vergleich zu anderen ost- und mitteleuropäischen Märkten, was den operativen Gewinn, die Dividendenrendite oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis angeht. Trotz der schlechten Entwicklung der gesamten Region in den letzten beiden Jahren ist der polnische Markt nach wie vor nicht günstig. Nach einer Prozessanalyse in den einzelnen Ländern erwarten wir in Polen im Vergleich zum Markt eine unterdurchschnittliche Entwicklung. Politisch macht das Land eine ähnliche Entwicklung durch wie Ungarn vor sechs Jahren. Der autoritäre Kurs der regierenden PiS schreckt Politiker anderer Länder und Anleger gleichermaßen ab. Russland indes hätte das Potenzial für eine überdurchschnittliche Entwicklung, ebenso Rumänien. Ungarn und speziell die Türkei werfen Fragezeichen auf, während die Tschechische Republik vom Aktienmarkt her zu klein ist, um interessant zu sein. Zwar sind die politischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Risiken in diesen Ländern ernst zu nehmen, sie sind jedoch bereits in den derzeitigen Marktpreisen enthalten.

Fazit

Die Situation in der Region ändert sich rasant. Fondsmanager müssen sehr aktiv sein, schnell handeln. Russland ist im Vergleich zu anderen Märkten sehr günstig und bietet Einstiegs- und Entwicklungspotenzial. Allerdings sollten Investoren etwas Zeit mitbringen.

 

Seit dem 1. Juli 2016 ist Péter Elek Fondsmanager des NESTOR Osteuropa. Elek ist Mitgründer sowie CIO der Dialóg Investment Management Ltd. und verfügt über 15 Jahre Investmenterfahrung als Fondsmanager. Der gebürtige Ungar studierte Wirtschaftspolitik an der „Budapest University of Economics“. 1998 erwarb er eine Brokerlizenz und legte die Prüfung für den Optionshandel ab. Seine berufliche Laufbahn begann Péter Elek 1997 als Analyst und Händler bei der General Banking Trust Ltd. Seit 2001 managt Elek Aktienfonds; seit 2004 fokussiert er sich auf den zentral- und osteuropäischen Aktienmarkt. Elek und seine Partner verwalten derzeit acht weitere Aktienfonds.