Grafik der Woche – Umschichtungsbedarf

In den vergangenen zehn Jahren flossen global 1,5 Bio. USD in Anleihe-Fonds und per Saldo kein einziger USD in Anleihefonds.

Rotation ist das Stichwort, welches das Geschehen an den Finanzmärkten in den vergangenen Wochen am besten beschreibt. Unter anderem laufen plötzlich Value-Aktien deutlich besser als Growth-Aktien und Bank-Aktien hängen neuerdings Basiskonsumgüter-Aktien ab. Noch eindrucksvoller sind aber die Umschichtungen, die zwischen den Asset-Klassen stattfanden. Gemeint sind damit der Abverkauf von Anleihen und die gleichzeitige Hinwendung zu Aktien-Investments.

Doch all dies ist bisher nur so etwas wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn die vielen Krisen der vergangenen Jahre und die damit verbundene Risikoaversion führten lange zu extremen Kapitalzuflüssen in Anleihen und zu einer Vernachlässigung von Aktien. Noch in den ersten elf Monaten dieses Jahres sind erneut über 100 Mrd. USD aus globalen Aktienfonds abgeflossen, wie der Vermögensverwalter StarCapital vorrechnet. Dafür verzeichneten Rentenfonds Zuflüsse von 153 Mrd. USD. Wie es weiter heißt, halten deutsche Versicherungen 80% ihres Vermögens in Anleihen und nur 4,4% in Aktien. Dieses Verhältnis ist sogar noch extremer als vor zehn Jahren, obwohl die Micker-Zinsen inzwischen keinen Risikoausgleich mehr bieten.

Die Verantwortlichen bei StarCapital rechnen damit, dass sich die Kapitalströme 2017 umkehren werden. Zur Begründung dafür verweisen sie erstens auf eine Zinswende bzw. auf eine zu Ende gehende Periode von 35 Jahren, in denen die Zinsen unter Schwankungen immer tiefer gesunken sind. Zweitens zeichne sich ein Ende der deflationären Tendenzen ab. Stattdessen werde Inflation wieder ein Thema. Drittens sei die Positionierung der Anleger zu einseitig, weil die Risikoaversion der Investoren extreme Ausmaße angenommen habe. Die von den Zentralbanken geschaffene Geldflut sei vor allem den vermeintlich sicher eingestuften Anlagen wie Anleihen und Immobilien zugutegekommen. Die Erfahrung lehre, dass in einem solchen Umfeld meistens die als risikoreich eingestuften Anlagen wie Aktien vor einer besonders guten Wertentwicklung stehen.

Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen auch die Analysten bei der DZ Bank. Dort heißt es, die niedrigen Renditen am Rentenmarkt sprächen dafür, dass ein Großteil der überschüssigen Liquidität am Rentenmarkt kontinuierlich in das immer noch attraktive „Auffangbecken“ Aktien investiert werde. Diese glänzten trotz Rallye auch im historischen Vergleich immer noch durch vergleichsweise hohe Ausschüttungen. Der Teil der Gewinne, der nicht in Form von Dividenden an den Aktionär ausgeschüttet werde, arbeite für diesen weiter, wenn den Unternehmen eine gewinnbringende Reinvestition in das eigene Geschäft gelinge. Zusätzlich böten Investitionen in Unternehmen einen Teilschutz vor Inflation, weil steigende Preise vielfach weitergegeben werden können. Diese Aspekte verschaffen der Aktie gegenüber schwach rentierenden Anleihen auf lange Sicht einen enormen Vorteil.

Gehen diese Rechnungen auf, könnten die jüngsten Umschichtungen unter dem Motto „Raus aus Anleihen – Rein in Aktien“ erst der Auftakt für einen länger anhaltenden Trend gewesen sein. Das Potenzial für Umschichtungen ist zumindest theoretisch noch sehr groß.

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