SIW 9/2017: Kennen Sie Dunning und Kruger?

„Overconfidence at work“
An der Börse kann man neben den Kursbewegungen auch einiges über menschliches Verhalten und menschliche Informationsverarbeitung lernen – vorausgesetzt man möchte das. Abgesehen von jenen, die an der Börse einfach nur Abenteuer, Risiko oder Unterhaltung suchen, tummeln sich die Menschen in der Regel deshalb dort, weil sie eine ordentliche Rendite erzielen wollen. Viele gehen dabei wie selbstverständlich davon aus, dass sie den Markt schlagen werden, was für eine Mehrheit der Marktteilnehmer natürlich faktisch nicht möglich ist. Diese Haltung nennt man „overconfidence“ (Selbstüberschätzung). Wir haben uns damit im Smart Investor 2/2017 ab S. 28 eingehender beschäftigt. Dort finden sich einige interessante Aspekte dieses Phänomens, das gar nicht so negativ ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. So dürfte ein gewisser Optimismus ein evolutorischer Vorteil sein, selbst dann, wenn dieser durch die Fakten gar nicht zu rechtfertigen ist. Häufig findet sich diese Eigenschaft auch bei Unternehmern: Während ihre Mitmenschen noch zögern und zaudern, packen sie an und bewegen etwas. Börsianer sind dennoch gut beraten, solche Tendenzen in ihrer Persönlichkeit im Zaum zu halten, da Selbstüberschätzung leicht zu waghalsigen und starrsinnigen Aktionen führen, die im Endeffekt richtig teuer werden können. Ob Sie dazu neigen, darüber gibt ein kleiner Selbsttest Auskunft, den Sie ebenfalls in der genannten Ausgabe des Smart Investor finden.

Die Herren David Dunning und Justin Kruger haben das Thema im Jahre 1999 etwas eingehender untersucht – mit einem verblüffenden Resultat: Nicht alle Menschen neigen gleichermaßen zur Selbstüberschätzung. Im Gegenteil: Wer relativ wenig über ein Fachgebiet weiß, ist eher in der Gefahr, sich für einen Experten zu halten, als diejenigen, die schon recht gute Vorstellungen von der Größe und Komplexität einer Materie haben. Menschen, denen die schiere Größe eines Wissensgebietes bewusst wird, zeigen sogar die Tendenz ihr eigenes Wissen zu unterschätzen – Selbstunterschätzung, wenn man so will – obwohl dieses Wissen tatsächlich recht umfangreich ist. Und nun dürfen Sie raten, welche Menschen den eigenen Wissensstand realistischer einzuschätzen vermögen, nachdem sie sich mit anderen verglichen haben? Die Auflösung und noch einiges mehr finden Sie im aktuellen Smart Investor 3/2017 ab S. 24.

Pflichtlektüre aus Omaha
Mit seinen Aktionärsbriefen hat Warren Buffett eine Tradition begründet. Statt lediglich mit einem nüchternen und sachlichen Geschäftsbericht wendet sich das „Orakel von Omaha“ jährlich am letzten Februarwochenende mit einem Brief an seine Aktionäre, die er nach eigenem Bekunden als seine Partner ansieht. Neben konkreten Informationen zu den Beteiligungen von Berkshire Hathaway* garniert er sein Schreiben traditionell mit einigem Witz und seiner Sicht der Märkte – rundum also eine Pflichtlektüre für Value-Fans und noch viel mehr für Berkshire-Aktionäre. Sie finden den vollständigen Aktionärsbrief hier. Für letztere sollte besonders die Aussage zu den möglichen Rückkäufen der Berkshire-Aktie für bis zu 120% des Buchwertes interessant sein. Buffett betont hier explizit noch einmal, dass es sich dabei nicht um einen Put handelt, der den Kurs ab einem Niveau von 120% des Buchwertes und weniger absichert. Vielmehr würde er ab diesem Kursniveau einen Teil der vorhandenen Liquidität in Rückkäufe investieren, ohne jedoch die eigene Aktie zu stützen. Dieses Versprechen habe zuletzt zwar dazu geführt, dass der Kurs praktisch nie unterhalb der magischen Marke notierte. Wenn dies so sei, wäre ihm dies jedoch ebenfalls Recht, so Buffett.

Wett-Sieger Buffett
Daneben holt er einmal mehr zu einer Schelte der Hedgefonds-Branche aus. So habe er vor neun Jahren auf der gemeinnützigen Wettplattform Log Bets (longbets.org) 500.000 USD darauf gewettet, dass eine beliebige Auswahl von fünf Hedgefonds in den folgenden zehn Jahren einen simplen S&P 500-ETF nicht schlagen können wird. Die Wette wurde von einem New Yorker Fondsmanager angenommen, der fünf Dachfonds ins Rennen schickte. Diese hatten ihrerseits in rund 100 einzelne Hedgefonds investierten, geben also ein gutes Bild über die gesamte Branche ab. Nach neun Jahren sind die Ergebnisse eindeutig: Während aus 1 Mio. USD in den fünf Dachfonds lediglich rund 1,22 Mio. USD wurden, bringt es der langweilige ETF auf immerhin 1,85 Mio. USD. Dagegen hätten die Manager der einzelnen Fonds sowie der Dachfonds über reguläre Gebühren und erfolgsabhängige Performance-Fees geschätzt rund 60% (!) der aufgelaufenen Gewinne kassiert. Sie hätten also mehr als genug Motivation gehabt, um eine außerordentliche Performance zu erzielen. Anderseits könne wohl kaum ein Asset-Manager davon leben, seinen Kunden jedes Jahr erneut vorzuschlagen, lediglich den breiten Markt zu kaufen.

Nebenwerte und Dividenden-Stars
Erneut spricht Buffett in seinem diesjährigen Aktionärsbrief auch die Größe an, die ganz entscheidend für den Investmenterfolg sei. Denn die besonders interessanten Investmentgelegenheiten finden sich eben eher selten unter den milliardenschweren Blue Chips, sondern eher in der zweiten wenn nicht gar dritten Liga der Börse. Im aktuellen Smart Investor 3/2016 haben wir uns daher intensiv mit Small Caps auseinandergesetzt. Wir stellen Ihnen interessante deutsche Nebenwerte sowie US-Small-Caps vor, die von der Trump-Administration profitieren dürften. Daneben blicken wir auf einige Nebenwerte-Empfehlungen aus den letzten Ausgaben zurück. Als weiteren Schwerpunkt haben wir uns im neuen Heft mit Dividenden-Aktien befasst. Denn mit der anlaufenden Dividendensaison 2017 dürfte bei so manchem Aktionär die Kasse kräftig klingeln. Wir versuchen Ihnen daher das Rüstzeug für die Selektion der besten Dividendenzahler an die Hand zu geben und liefern Ihnen dazu eine umfassende Tabelle mit Kennzahlen, die weit über die klassische Dividendenrendite hinausgehen. Nicht-Abonnenten können das Heft auch hier im Online-Shop bestellen.

2017_03_01_Gold Bugs

Zu den Märkten
Nichts zu lachen hatten Anleger in Edelmetallaktien am vergangenen Rosenmontag. Der NYSE-Arca-Gold-Bugs-Index rauschte um mehr als 5% in die Tiefe. Einzelne Minen verloren sogar im zweistelligen Prozentbereich. In der Abbildung ist sowohl die Entwicklung des Index (oberer Teil) als auch die Relativbewegung zum Gold dargestellt (blaue Linie im unteren Teil). Wie man an der blauen Linie erkennen kann, war die Abwärtsbewegung der Minenaktien überproportional zu der des Goldpreises. Das alleine ist nicht ungewöhnlich, denn die Edelmetalltitel neigen generell dazu, die Preisbewegungen der zugrundeliegenden Rohstoffe verstärkt abzubilden. Was hier aber zu der regelrechten Abwärtsdynamik geführt haben könnte, ist die blaue Trendlinie, die bereits an den Vortagen gebrochen wurde, und zwar sowohl im Indexchart als auch im Relativchart. Nachdem diese Trendlinie(n) nicht zeitnah zurückerobert werden konnte(n), gingen die Anleger erst einmal auf Distanz. Derartige Linien implizieren im Übrigen keinen Automatismus. Es sind eher Arbeitshypothesen: Solange die Trendlinie intakt ist, geht man von einem Aufwärtstrend aus, wird sie gebrochen, orientiert man sich neu. Diese Neuorientierung bedeutet auch nicht, dass man sich nun zwangsläufig in einem Abwärtstrend befindet. Allerdings deutet die Dynamik der Kursverluste darauf hin, dass wir es hier mit etwas zu tun haben, das nicht innerhalb weniger Tage ausgestanden ist. Der Trendlinienbruch ähnelt demjenigen vom August 2016 (gelbe Markierungen) – ebenfalls simultan im Index- und im Relativchart. Diesem folgte seinerzeit eine mehrmonatige Korrekturbewegung, die sich jedoch nicht zu einem Trendwechsel auswuchs. Ohnehin spielt die Zeit für Goldanleger: Zum einen besteht ein positiver Basistrend solange weltweit die Geldmengen schneller wachsen als die Goldmenge und gleichzeitig die Realverzinsung niedrig bzw. negativ bleibt. Zum anderen können Unfälle innerhalb des maroden Finanzsystems jederzeit eine Fluchtbewegung in das gelbe Krisenmetall auslösen.

smartinvestor.de entdecken
In loser Folge stellen wir Ihnen an dieser Stelle einige Features und Rubriken auf unserer Website smartinvestor.de vor. Ein heimlicher Star sind dort die „Löcher in der Matrix“ (vgl. Abb.), unsere augenzwinkernde Nachkommentierung zu jenen Ereignissen, die die Hauptstrommedien nach unserer Auffassung falsch eingeordnet haben oder zu denen sie gut hörbar schweigen. Seit einiger Zeit sind die von dort verbreiteten „Fake News“ so dominant, dass man mühelos nicht nur einmal in der Woche, sondern jeden Tag Löcher in der Matrix finden kann – Tendenz weiter steigend. Die Matrix ist übrigens eine echte Mitmachrubrik. Wir freuen uns immer, wenn Leser ihrerseits solche Einseitigkeiten in der Mainstream-Berichterstattung entdecken und uns darauf aufmerksam machen (info@smartinvestor.de). Denn dies entspricht der Philosophie des Smart Investor: Nicht ein paar Infobrocken vor die Leser zu werfen, sondern der andauernde Dialog mit kritischen und selbst denkenden Zeitgenossen.

Musterdepot Aktien & Fonds
Wir nehmen einige neue Orders vor und schaffen damit Liquidität. Mehr dazu im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Smart Investor 3/2017

Smart-Investor-3-2017-450x636Titelstory: Dividendensaison 2017

Nebenwerte: Power aus der zweiten Reihe

Liberland: Bürgerliche Freiheit mitten in Europa

Selbstwahrnehmung: Dem Dunning-Kruger-Effekt auf der Spur

 

 

 

 

 

Fazit
Der Dunning-Kruger-Effekt zeigt uns, dass insbesondere solche Anleger zur Overconfidence neigen, bei denen dies am wenigsten gerechtfertigt ist. Selbst die „Masters of the Universe“ der Hedgefonds-Branche scheinen davor nicht gefeit zu sein, wie die Wette von Warren Buffett beweist.

Ralph Malisch, Christoph Karl

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.