Musterdepot SIW 12/2017 vom 22.03.2017

Musterdepot

Es hatte bereits danach ausgesehen als ob alles in trockenen Tüchern wäre. Seit gestern ist die Übernahme des Generika- und Markenarzneimittel-Herstellers Stada (WKN 725180, akt. Kurs 54,25 EUR) jedoch wieder ein bisschen spannender geworden. Denn das Management versucht sich an einer durchaus riskanten Strategie, um den Preis für das eigene Unternehmen nach oben zu treiben. Erst wurde in der vergangenen Woche eine Vertagung der Gespräche mit den Bietern vermeldet. Einen Tag darauf dann – ein Schelm wer Böses dabei denkt – eine Anhebung der Mittelfristziele kommuniziert. So rechnet CEO Matthias Wiedenfels bis 2019 nun mit einem EBITDA von 570 bis 590 Mio. EUR. Bislang waren es lediglich rund 510 Mio. EUR. Mit dieser Aktion will das Stada-Management die Bieter offensichtlich aus der Reserve locken und den Kaufpreis deutlich über die bislang auf dem Tisch liegenden Angebote von 58 EUR je Aktie treiben. Kolportiert werden Preisvorstellungen von bis zu 70 EUR je Aktie.

Fraglich ist allerdings, ob die Bieter dieses Spiel mitspielen. Bereits 60 EUR sind rein rechnerisch ein stattlicher Preis. Allerdings lassen sich bei Stada relativ leicht Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen umsetzen. Lesen Sie dazu mehr in unserer ausführlichen Analyse im Smart Investor 9/2016 (für Abonnenten hier abrufbar). Typischerweise haben Private Equity-Unternehmen aber auch eine Renditeerwartung von ca. 20% p.a. auf ihr eingesetztes Eigenkapital. Angesichts der bereits bestehenden Schuldenlast von ca. 1,2 Mrd. EUR bei Stada, ist zumindest fraglich, ob ein Käufer dem Unternehmen massiv neue Schulden „aufladen“ kann. Sollte die Transaktion rein Eigenkapital-finanziert sein, müsste der Kurs beispielsweise von 60 EUR auf ca. 150 EUR in fünf Jahren steigen können, damit der Käufer auf seine Rendite kommt. Genau diesen Spielraum müssen ihm nun die Verkäufer geben, wenn sie einen schnellen Verkauf wollen.

Einige Großaktionäre, darunter die aktivistischen Investoren von AOC, haben daher angeblich dem Management in den letzten Tagen Briefe geschrieben. Sie fordern Stada auf, die Angebote zuzulassen und die Aktionäre über deren Angemessenheit abstimmen zu lassen. Neuen Zündstoff könnte nun die Verschiebung der Bilanzpressekonferenz mit sich bringen. Angeblich aufgrund der „Neubeurteilung einer Transaktion“ wurde diese auf Mittwoch nächste Woche verschoben. Laut dem Manager Magazin handelt es sich dabei allerdings um eine Tochter auf dem Balkan mit einem Umsatz von lediglich 20 Mio. EUR (!). Vielmehr dürfte es der Ehrgeiz des seit 2016 amtierenden Aufsichtsratschefs Carl Ferdinand Oetker sein, der sich mit dem Verkauf von Stada beweisen will. Am Ende könnte er jedoch mit leeren Händen dastehen. Wir glauben dagegen nach wie vor an einen erfolgreichen Verkauf, allein schon aufgrund des Drucks der Großaktionäre und des bestätigten Interesses von mindestens vier verschiedenen Private Equity-Unternehmen. Mit unseren 200 Stück bleiben wir daher bis aufs weitere investiert.

Verkauft haben wir in der vergangenen Woche dagegen 2/3 unserer Aurelius-Aktien (WKN A0JK2A, akt. Kurs 65,80 EUR). Wir haben am vergangenen Donnerstag 200 Stück zu einem Kurs von 66,70 EUR abgegeben. In Summe haben wir damit und mit einer ganzen Reihe anderer Verkäufe ein gutes Liquiditätspolster aufgebaut. Aktuell halten wir im Musterdepot knapp 30% Cash. Angesichts unseres negativen Ausblicks auf die Märkte versuchen wir weiterhin Risiken zu reduzieren.

Wir erhöhen zur morgigen Eröffnung unseren Stopp bei BB Biotech (WKN A0NFN3, akt. Kurs 50,94 EUR) auf 47,80 EUR, allerdings lediglich für 120 Stück. Die Aktie würde auf diesem Niveau unter das letzte markante Tief fallen, was wir charttechnisch als negatives Signal werten würden.

Daneben trennen wir uns von unserer gesamten Position in der Aktie von Bijou Brigitte (WKN 522950, akt. Kurs 57,65 EUR) bestens zur morgigen Eröffnung. Nachdem wir viel Geduld mit dieser Aktie hatten, müssen wir feststellen, dass wir uns offensichtlich geirrt haben. Der Versuch, aus den zuletzt guten Zahlen Kapital zu schlagen, ist fehlgeschlagen.

Für den Fall eines Comebacks der Eurokrise im laufenden Jahr, denken wir daneben über Cash-Alternativen nach. Allerdings ist es beileibe nicht so einfach wie gedacht, Liquidität außerhalb des europäischen Bankensystems zu „parken“. Welche Optionen es gibt und mit welchen Fallstricken diese behaftet sind, können Sie im neuen Smart Investor nachlesen, den Sie am Samstag in Ihrem Briefkasten haben. Um Sie schon einmal ein bisschen neugierig zu machen: Haben Sie schon einmal über die Bedeutung des Wortes „Wertpapierrechnung“ auf Ihren Aktien-Abrechnungen nachgedacht?

Als Absicherung gegen einen weiteren Verfall der Aktienmärkte erwerben wir ein Knockout-Short-Zertifikat auf den DAX. Vorsicht: Dies ist nicht als Baissespekulation gedacht, sondern nur als Absicherung von etwa der Hälfte unserer bestehender Aktienpositionen (wenn man unterstellt, dass es sich in etwa wie der DAX verhält). Wir gehen von vornherein davon aus, dass wir diese Derivate-Position wieder mit deutlichem Verlust schließen, falls sich der DAX auf über 12.150 Punkte erholt.

Wir erwerben 1.000 Stück des Knockout-Zertifkats mit WKN: SC00A2 von der Société Générale bestens zur morgigen Eröffnung um 9.00 Uhr (akt. Kurs: 11,09 EUR). Die Knockout-Schwelle dieses Zertifikats liegt bei 13.000 DAX-Punkten, die Laufzeit geht bis 22.9.2017. Nach dem Kauf legen wir einen Intraday-Stopp-Loss bei 8,20 EUR (was in etwa den genannten 12.150 DAX-Punkten entspricht). Das heißt, unser Risiko liegt bei etwa 3 EUR je Schein oder 3.000 EUR insgesamt, was etwa 1% unseres Depotvolumens entspricht. Voricht: Solche Derivate bergen ein enormes prozentuales Verlustrisiko und sollten daher nur von erfahrenen Anlegern erworben werden.

Wie Sie im Heft nachlesen können, haben wir nach wie vor einige weitere Stopps gesetzt. Diese gelten auf Schlusskursbasis mit Ausführung zur Eröffnung am nächsten Handelstag.

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Der Stopp-Loss für den db x-trackers MSCI Japan ETF (WKN DBX1MJ, akt. Kurs 49,36 EUR) bei 47,50 EUR bleibt nach wie vor für alle 300 Anteile im Markt. Der Stopp gilt auf Schlusskursbasis mit Ausführung am nächsten Handelstag.

 

* Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte (siehe ausführliche Erklärung)

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