Smart Investor 5/2017 – Berichtssaison

Nach und nach neigt sich die Berichtssaison dem Ende zu. Wir haben uns auch in den letzten Wochen die Bilanzpressekonferenzen und Telefonkonferenzen angesehen.

Zurück in den schwarzen Zahlen
Manchmal braucht es sehr viel weniger als vermutet, um die Börse von einer Turnaround-Story zu überzeugen. So konnten die jüngsten Quartalszahlen der Schweizer von Roll Holding (IK) die Anleger zum ersten Mal seit Jahren begeistern. Bereits im Heft 11/2016 haben wir auf den Small Cap und die interessante Konstellation hingewiesen, die sich durch den neuen CEO Dr. Christian Hennerkes dort ergeben hat. Vom damaligen Kurs von 0,60 EUR konnte sich die Aktie in der Zwischenzeit fast verdoppeln. Mit einer schwarzen Null im ersten Quartal belegte von Roll den bereits weit fortgeschrittenen Sanierungsfortschritt. Dazu kommt eine erfreuliche Entwicklung beim Umsatz (+8,5% zum Vorjahresquartal) und beim Auftragseingang (+9% zum Vorjahresquartal). Das Tal der Tränen erscheint nach vier Verlustjahren damit durchschritten.

von Roll_873209Bereits mit Vorlage der Zahlen für 2016 konnte Hennerkes über nachhaltige Erfolge berichten. Durch die weitere Konsolidierung der Produktionsstandorte, eine Neuausrichtung des Vertriebs und einen Personalabbau um ca. 300 Personen konnten die Break-even-Schwelle nachhaltig abgesenkt werden. In Summe konnten die Fixkosten um 18 Mio. CHF reduziert werden. Im laufenden Jahr sollen die Prozesse weiter optimiert und beschleunigt werden. Von Roll produziert Isolationssysteme für Generatoren, Motoren und andere industrielle Anwendungen sowie Verbundstoffe mit isolierender Wirkung (sogenannte Composites). Das Unternehmen hat daher in den letzten Jahren neben den hausgemachten Problemen auch unter der Investitionszurückhaltung in der Energiewirtschaft gelitten. Ersten Anzeichen zufolge scheint sich dies nun jedoch zu wenden. Daneben scheinen die Elektromobilität und dafür nötige Isolationssysteme dem Unternehmen einen neuen Schub zu geben.

Zwar ist von Roll für die nächsten Jahre durchfinanziert, aus Aktionärssicht ergibt sich durch die ausstehende Wandelanleihe jedoch ein Problem. Wird die komplette Emission über 150 Mio. CHF bis zum Ende der Laufzeit im Jahr 2022 zum Preis von 1,00 CHF je Aktie gewandelt, erhöht sich die Anzahl der ausstehenden Aktien von aktuell rund 201 Mio. Aktien auf dann rund 351 Mio. Stück. Voll verwässert hat das Unternehmen damit bereits heute eine Marktkapitalisierung von mehr als 400 Mio. CHF. Die Anleihe dürfte zu großen Teilen in den Händen der Familie von Finck liegen, die auch rund 65% der Aktien kontrolliert. Allerdings wurde 2016 eine 40-Mio.-CHF-Tranche einer alten Wandelanleihe – vermutlich ebenfalls im Besitz der Familie von Finck – zum Bezugspreis von 2,40 CHF je Aktie (!) gewandelt und damit das Eigenkapital gestärkt.

Womöglich hat der Großaktionär daher ein höheres Interesse an einem anspringenden Aktienkurs als an einer deutlichen Verwässerung der bestehenden Aktionäre. Ein weiterer Hinweis darauf ist der Aktienbesitz des Vorstands. So hält Dr. Christian Hennerkes zum 31.12.2016 laut Geschäftsbericht erstmals 5,4 Mio. Aktien, rund 3% der Anteile. Denn warum sollte er sich eine solche Aktienposition zulegen, wenn das Potenzial der Aktie bei 1,00 CHF durch die Wandelanleihe gedeckelt bliebe?

Doppelten Boden eingezogen
Mit sehr guten Zahlen für 2016 konnte unser langjähriger Favorit Data Modul die Erwartungen der Börse übertreffen. Bereits zuvor konnte die Meldung über die Aufstockung und den anschließenden Verkauf eines Aktienpaketes den Kurs weiter anschieben. Vermutlich hatte die Kölner Beteiligungsgesellschaft Scherzer & Co im Februar ihr rund 6% umfassendes Aktienpaket an den Großaktionär Arrow Electronics verkauft. Mit der Veröffentlichung der Absicht von Arrow, einen Gewinn- und Beherrschungsvertrag abschließen zu wollen, kam Mitte April erneut Musik in das Papier. Aber zunächst zurück zu den Zahlen: Das Unternehmen konnte den Umsatz 2016 um 9% auf 197 Mio. EUR steigern. Das EBIT verbesserte sich sogar um 19% auf 15 Mio. EUR. Unterm Strich blieb ein Ergebnis je Aktie von satten 2,90 EUR (2,41 EUR im Vorjahr). Eine Entwicklung, die sich im ersten Quartal 2017 nahtlos fortsetzt. So konnte der Umsatz in den ersten drei Monaten sogar um mehr als 10% auf 55 Mio. EUR erhöht werden, das EBIT legte 25% auf 5 Mio. EUR zu.

Data Modul_549890Wesentliche Treiber hierfür sind die Internationalisierung des Geschäfts und die starke Nachfrage nach individualisierten Display-Lösungen. Megatrends, wie das Internet der Dinge und Industrie 4.0, sorgen für erheblichen Bedarf. Die Aktie ist auch auf einer Stand-alone-Basis mit einem 2017er-KGV von ca. 22 nicht zu teuer. Dazu kommt nun seit dem 11.4. der doppelte Boden durch den geplanten Beherrschungsvertrag. Zwar ist das dafür nötige Gutachten noch nicht erstellt, der Mindestpreis der Abfindungszahlung muss jedoch mindestens in Höhe des dreimonatigen Durchschnittskurses vor der Absichtserklärung liegen. Dieser dürfte etwa 60 EUR je Aktie betragen. Alternativ dazu wird Arrow den außenstehenden Aktionären in Zukunft eine Garantiedividende zahlen. Vermutlich wird diese nicht weniger als 3,00 EUR betragen. Zu einer laufenden Rendite von etwa 4% gibt es damit zukünftig noch die Option auf eine vollständige Übernahme. Offiziell hält Arrow laut der jüngsten Ad-hoc-Mitteilung 69,2% der Aktien. Um Data Modul komplett von der Börse zu nehmen, müssten die Amerikaner daher noch einige Stücke an der Börse einsammeln.

Volatile Märkte belasten
Über ein schwieriges Jahr berichtete dagegen die BayWa auf ihrer Pressekonferenz Anfang April. Zwar konnte der Umsatz des Handelsunternehmens um rund 3% auf 15,4 Mrd. EUR gesteigert werden, die volatilen Getreidepreise hätten jedoch das Ergebnis verhagelt. Das EBIT fiel deswegen rund 9% tiefer aus und lag bei 144 Mio. EUR, der Konzernüberschuss lag 14% unter dem Vorjahr bei 53 Mio. EUR. Da die Anteile der Minderheiten am Konzernergebnis 41% betrugen, lag das Ergebnis je Aktie sogar lediglich bei 0,90 EUR (-35%). Während das Geschäft mit dem Obst und die Projekte im Bereich Erneuerbare Energie erneut tolle Ergebnisbeträge lieferten, schafften es der Agrarhandel und die Landtechnik nicht, sich von der negativen Marktentwicklung abzukoppeln. Laut CEO Klaus Josef Lutz seien große Hedgefonds für die stärkere Volatilität verantwortlich. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, versucht das Unternehmen vermehrt auf Logistikdienstleistungen zu setzen und eigene Positionen durch ein ausgefeiltes Hedging-System zu sichern.

Gleichzeitig gab sich das Unternehmen für das laufende Jahr optimistisch: So soll sich das Ergebnis im Agrarbereich wieder deutlich erhöhen und das EBIT „erheblich“ steigen. Was laut Lutz ein Plus von mindestens 20% bedeutet. Sollte dies so eintreten, dürfen Anleger für 2017 auch mit einer Anhebung der Dividende rechnen. Für das vergangene Jahr wird diese trotz der rückläufigen Ergebnisse bei 0,85 EUR konstant gehalten. Mittelfristig plant die BayWa nach wie vor mit einem EBIT zwischen 230 und 250 Mio. EUR. Um dies zu erreichen, möchte das Unternehmen zukünftig eine wesentlich effizientere Kapitalallokation betreiben. Aufgrund der komplexen Struktur des Unternehmens und der diversen Sparten ist dies ein Schritt in die richtige Richtung. Aktuell liegen die Investitionsschwerpunkte vor allem in der Erneuerbaren Energie, im Obstsegment und im Geschäft mit speziellen, weniger volatilen Getreidesorten. Die Aktie ist aufgrund der auch weiterhin gegebenen Unsicherheiten im Handelsgeschäft eine Halteposition.

Im falschen Markt das Richtige tun
Die Merkur Bank ist ein großartiges Unternehmen, das leider in der „falschen Branche“ tätig ist. Für das vergangene Jahr meldete die börsennotierte Münchener Privatbank erneut gute Zahlen. Entgegen dem Branchentrend konnte das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit um 23% auf 7,8 Mio. EUR gesteigert werden …

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Druckausgabe Smart Investor 5/2017.