Grafik der Woche – Politiker-Streit ist für US-Anleger ein Segen

Historisches Zusammenspiel des S&P 500 Index mit dem Philadelphia Fed Partisan Conflict Index (Monatsdaten vom 31.12.1984-31.05.2017)

Grafik

Quellen: S&P Dow Jones Indices, Federal Reserve Bank of Philadelphia, Ned Davis Research

Politisch sind die USA schon länger heftig zerstritten. Demokraten und Republikaner können einfach nicht miteinander. Die Kluft zwischen den beiden Lagern ist zuletzt sogar noch größer geworden. Seit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Trump lassen beide Seiten Tag für Tag jedenfalls nichts unversucht, um sich gegenseitig ein Bein zu stellen.

Als Barometer, mit dem sich feststellen lässt, wie tief die politischen Zwistigkeiten in den USA sind, dient der so genannte Partisan Conflict Index. Dieser von der Federal Reserve Bank of Philadelphia ermittelte Index, der die Unstimmigkeiten zwischen den US-Politikern auf Bundesebene misst, bewegt sich momentan nahe einem Rekordhoch. Doch obwohl man intuitiv annehmen sollte, dass dies schädlich für die Kursentwicklung an der Börse ist, bewegen sich die US-Aktien-Indizes nahe ihrer Rekordhochs.

Das passt zu der Vergangenheits-Beobachtung, dass die Börsianer mit Uneinigkeit auf politischer Ebene offensichtlich sehr gut leben können. Zumindest legen diesen Eindruck Daten von Ned Davis Research nahe. Diesen zufolge stieg der S&P 500 Indes bei Indexständen von über 100 auf das Jahr hochgerechnet um 11,70%. Bei Indexständen von unter 100 reichte es dagegen nur zu einem Plus von 5,80%.

Noch größer fällt der Performance-Unterschied dann aus, wenn die Abweichung vom Trend (ermittelt aus dem geglätteten 4-Monats-Durchschitt geteilt durch den geglätteten 48-Monatsdurchschnitt) beim Partisan Conflict Index hoch ausfällt. Bei Indexständen von über 100, wie dies mit 138,5 Ende Mai der Fall war, kletterte der S&P 500 Index auf das Jahr hochgerechnet um 17,10%. Bei Indexständen von unter 100 sprang dagegen nur ein kleiner Zuwachs von 0,78% heraus.

Die Diskrepanz in der Wertentwicklung versucht Ed Clissold von Ned Davis Research zum einen damit zu erklären, dass bei zerstrittenen Politikern die Verabschiedung größerer Gesetzesänderungen ausbleibt, die sich eventuell als kontraproduktiv erweisen könnten. Zum anderen funktioniert der Partisan Conflict Index möglicherweise wie ein stimmungstechnischer Kontraindikator. Will heißen, hohe Indexstände fördern den Pessimismus unter den Anlegern. Wenn sich die damit verbundenen Sorgen als unbegründet erweisen, legen die Kurse eine Rally hin.

Wie dem auch sei, vor dem Hintergrund der skizzierten Vergangenheits-Performance dürften sich US-Anleger nichts mehr von den Politikern wünschen, als sich weiter möglichst viel zu streiten.

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