SIW 34/2017: Papiergeldkönige

Yellens Vermächtnis?

Ab morgen rückt Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming für drei Tage ins Zentrum der Papiergeldwirtschaft. Höhepunkt des alljährlichen Treffens von Notenbankern, Bankchefs und Wirtschaftswissenschaftlern aus aller Welt werden die Reden von Fed-Chefin Janet Yellen und EZB-Chef Mario Draghi am Freitag sein. Für Yellen dürfte dies vermutlich ihre letzte Jackson-Hole-Rede werden, denn ihre Amtszeit endet im Februar 2018. Derzeit sieht es nicht danach aus, dass US-Präsident Trump Yellen für eine zweite Amtszeit nominieren wird. Ganz ausschließen kann man es dennoch nicht, denn einerseits wirkt Trump in Personalfragen etwas sprunghaft und andererseits scheint er auch nicht mehr in Fundamentalopposition zu Yellen zu stehen. Inwieweit auf beiden Seiten der Poker um die Nominierung eine Rolle spielt, ist schwer zu beurteilen. Solange Trump Yellen zappeln lassen kann, hat er jedenfalls Oberwasser. Es wird daher vermutet, dass sich Yellen in ihrer Rede eher grundsätzlich äußern wird. Einige Kommentatoren sprechen bereits von ihrem „Vermächtnis“, was uns aber etwas hochgegriffen erscheint. Auch bei EZB-Chef Draghi ist es eher unwahrscheinlich, dass er das Forum diesmal für bahnbrechende Ankündigungen nutzen wird, etwa hinsichtlich der Zukunft des Anleiheankaufprogramms der EZB. Darüber wird der EZB-Rat nämlich erst im Herbst entscheiden. Zumindest wäre es kein guter Stil, den Rat in dieser Frage bereits jetzt zu präjudizieren. Andererseits hat gerade Draghi bewiesen, dass er in außergewöhnlichen Zeiten auch zu außergewöhnlichen Maßnahmen greift. Da werden Stilfragen schnell nebensächlich. Die Tagung beschäftigt sich dieses Jahr übrigens mit der Frage, wie die Banker eine dynamische Weltwirtschaft unterstützen können. „Dynamische Weltwirtschaft“, alles klar. Zudem klingt die freundliche „Unterstützung“ aus diesem Kreis irgendwie bedrohlich. Schließlich haben wir es hier nicht mit unbeschriebenen Blättern zu tun.

 

Rekordpessimismus

An bedrohliche Szenarien sollten sich die Marktteilnehmer über die letzten Jahre aber eigentlich gewöhnt haben. Dennoch ist der Pessimismus derzeit außergewöhnlich hoch. Theoretisch unterstützt hoher Pessimismus die Börse, während ihr hoher Optimismus eher schadet. Obwohl es also viele gute Argumente für fallende Kurse gibt – politische Unsicherheiten, geopolitische Verwerfungen, schwierige Saisonalität –, ist all das für die Marktteilnehmer nicht neu oder überraschend. Echter Dispositionsbedarf ergäbe sich nur, wenn sich an den Einschätzungen und/oder Erwartungen etwas ändert. Je pessimistischer man aber bereits ist, desto unwahrscheinlicher wird es, dass sich die Überraschung auf der negativen Seite befindet. Einen Gastbeitrag von Manfred Hübner, dem Gründer und Geschäftsführer der sentix GmbH, finden Sie übrigens im brandneuen Smart Investor 9/2017, der zum Wochenende erscheint.

Was am aktuellen Extrempessimismus allerdings auffällt: Dieser korrespondiert nicht mit großen Tiefpunkten an den Märkten. Im Gegenteil. Viele Märkte haben gerade einmal wenige Prozentpunkte von den zuvor erreichten Höchstständen korrigiert. Extremer Pessimismus ist auch nicht gerade das, was man unter der berühmten „Mauer der Angst“ versteht, an der die Kurse emporklettern. Das ist eher eine Art Skepsis gegenüber der Aufwärtsbewegung, die aber üblicherweise nicht derart extreme Ausprägungen erreicht. Das „Missing Link“ zwischen Höchstkursen und Extrempessimismus dürften einmal mehr unsere „Papiergeldkönige“ aus Wyoming sein (s.o.), von denen seit einiger Zeit auch selbst munter Aktien gekauft werden, egal wie die Stimmung ist.

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Ausbleibende Abwärtsdynamik

Auch der DAX bewegt sich weiter im Spannungsfeld widerstrebender Kräfte (vgl. Abb.). Nach der vollendeten Schulter-Kopf-Schulter-Formation (rot) und dem Bruch des Aufwärtstrendkanals (blau) war die Standarderwartung klar auf weiter fallende Kurse gerichtet. Tatsächlich gaben die Kurse zunächst auch nach, eine dynamische Abwärtsbewegung wurde bislang jedoch nicht daraus. Stattdessen fand das Kursgeschehen – bis auf wenige Ausrutscher – seither innerhalb einer Rechteckformation (grau) statt. Falls man diese als Konsolidierungsformation interpretiert, wäre die Erwartung aus einer solchen Interpretation, dass dieses Rechteck nach unten verlassen wird, die Abwärtsbewegung also wieder fortgesetzt wird. Aber auch gestern tat der DAX nicht, was man von ihm erwartete. Mit einer konstruktiven Bewegung meldete sich der deutsche Leitindex kraftvoll zurück. Heute lugte er sogar kurzzeitig über den Abwärtstrend seit dem Allzeithoch (grüne Linie / gelbe Markierung). Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe war er allerdings bereits wieder darunter gefallen. Ein nachhaltiges Überschreiten dieser Linie wäre ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zu alten Gipfeln.

 

Musterdepot Aktien & Fonds

Mit einer Einkaufstour reduzieren wir die hohe Cash-Quote im Depot. Bei welchen Aktien wir zuschlagen, lesen Sie im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf unserer Homepage. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

 

Am Samstag ist der Smart Investor 9/2017 in Ihrem Briefkasten, u.a. mit folgenden Themen:

00_Smart-Investor-09-17_Cover kleinTitelstory: Plan oder Panne? Leben im Zeichen der Raute

Grüne Investments: Erfolgreich nach eigenen Regeln

Anlagestrategie: Trendfolge auf dem Prüfstand

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SRC Research als bankenunabhängiges Analysehaus für Finanz- und Immobilienaktien lädt am 7. September namhafte börsennotierte Gesellschaften aus der DACH-Region gemeinsam mit seinen Partnern Kirchhoff Consult und Wüest Partner nach Frankfurt ein, um dort vor professionellen Anlegern Halbjahreszahlen und künftige Strategie zu präsentieren. Die Veranstaltung findet bereits seit 2004 jährlich im September statt und SRC Research erwartet rund 150 bis 200 Besucher und Medienvertreter aus dem Kapitalmarktbereich.

Weitere Infos und die Möglichkeit zur kostenfreien Anmeldung finden Sie unter dem Link www.src-research.de/ffs

 

Fazit

Jackson Hole war schon für so manche Überraschung gut. Diesmal sieht es jedoch nach einer gewissen Zurückhaltung der Akteure aus. Für die Börsen wiederum könnte dies durchaus positiv sein.

 

Ralph Malisch, Christoph Karl

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.