Angst ist ein schlechter Ratgeber

Dr. Markus Elsässer

Ist es Ihnen mit Ihren Aktien auch schon so ergangen? Manch gute Anlagestrategie wird unbedacht über den Haufen geworfen. Und warum? Aus Angst. Das beklemmende Gefühl, alles sei viel zu teuer. Die schönen Kursgewinne könnten einem verloren gehen. Die Freude an ihrem Aktiendepot weicht der Sorge. Der Sorge, ob das denn alles so richtig sei.

Fehlendes Ur-Vertrauen

Seien wir einmal ehrlich: Die meisten Geldanleger sind nun mal ängstlich. Das war immer schon so und wird immer so bleiben. Denn die Schar der Investoren besteht nicht aus Experten. Ihnen fehlt fachbezogenes Know-how oder auch das Ur-Vertrauen in ihren Anlageberater oder Vermögensverwalter. Das gibt keiner gerne zu, es ist aber so. Und wer sein Kapital verantwortet im Bewusstsein, letzten Endes ein „Leichtmatrose“ zu sein, der bleibt anfällig für jedwede Schreckensmeldung in den Medien.

Dieses Grundszenario ist für die beharrlichen, innerlich ruhigen und besonnenen Anleger eine Quelle für gute Einstiegsmöglichkeiten. Wer antizyklisch investieren kann, gegen die öffentlich gepredigten Angstbilder, der ist in der Vergangenheit bestens mit seinem Kapital gefahren. Auch im Jahr 2017 hat sich daran nichts geändert. Oft werde ich dieser Tage angesprochen: „Aber jetzt ist doch wirklich alles zu teuer.“ Der Blickwinkel ist falsch. Aktienkurse sind im großen Zusammenhang zu betrachten und nicht an historischen HochTief-Kursen.

Alternativlose Aktien

Der Dreh- und Angelpunkt bei Aktien sind zwei ganz simple Faktoren. Erstens: die Anzahl der Konsumenten auf der Welt. Solange es immer mehr Menschen auf der Welt gibt, die sich dem modernen Zeitalter zuwenden, solange werden starke Aktienunternehmen nachhaltig profitieren. Wir leben in einer völlig anderen Welt als vor 20 Jahren. Das ist eine sichere Ausgangsbasis. Zweitens: der Zins. Obwohl jeder weiß, dass Sachwerte besser sind als Papiergeld, würden die meisten (ängstlichen) Geldanleger doch am liebsten 6% Zinsen in festverzinslichen Anleihen oder Festgeldern verdienen.

Solange diese Verzinsung in einer vernünftigen Währung jedoch nicht zu haben ist, wird das Kapital in dividendenstarke und aussichtsreiche Aktienunternehmen fließen. Wo will man sonst mit liquidem Kapital Erträge generieren? Die Aussicht auf steigende Dividenden und langfristig auch Kurssteigerungen sollte Anleger ruhig schlafen lassen. Daher: Weg mit der Angst. Ein Tipp: Bei Aktienfonds orientieren Sie sich am besten an denjenigen Fonds, die schon vor der großen Krise 2008 im Rennen waren und den Nachweis erbracht haben, dass sie sich mit Stehvermögen um das Kapital der Anleger kümmern.

 

Geboren 1956 in Heidelberg, wuchs der Sohn eines Botschafters in London, Hongkong, Paris und Kairo auf. Nach Banklehre und Wirtschaftsstudium an der Universität in Köln arbeitete Dr. Elsässer in einer Wirtschaftsprüfer-Sozietät. Seine Industriekarriere begann er als Finanzdirektor bei Dow Chemical Deutschland. Danach war er in Sydney, Australien, als General
Manager für Benckiser und schließlich in Singapur als Managing Director Asia- Pacific für die Storck-Gruppe tätig. Seit 1998 ist er selbstständiger Investor und Fondsberater. Darüber hinaus war er viele Jahre als Mitglied in Beiräten von einflussreichen Industriefamilien tätig und arbeitete einige Jahre eng mit dem bekannten New Yorker Investor Guy Wyser-Pratte zusammen. 2016 erschien sein Buch ‚‚Des klugen Investors Handbuch‘‘.