„Nachhaltigkeit und Profitabilität sind Geschwister im Erfolg“

Thomas Hellener, PRIMA Fonds
Smart Investor: Herr Hellener, warum legen Sie bei der Nachhaltigkeitsüberprüfung von Unternehmen so großen Wert auf Dekarbonisierung?

Hellener: Die Abkehr von der Nutzung kohlenstoffhaltiger Energieträger ist eine der großen Herausforderungen für unser aller Zukunft. Experten erwarten, dass es bei einer weiterhin ungebremsten Entwicklung der globalen Treibhausgas-Emissionen zu einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von mehr als vier Grad kommt. Die Folge wäre ein bis zu einem Meter höherer Meeresspiegel oder die Überflutung ganzer Inselstaaten. Extreme Wettersituationen wie die Tropenstürme „Harvey“ und „Irma“ sind da nur die Vorboten. Industrien und Geschäftsmodelle, die auf fossilen Brennstoffen beruhen, sehen sich zukünftig grundlegenden Einschränkungen gegenüber. Ein strikt eingehaltenes Emissionsbudget verbietet die Nutzung großer Teile heute als positive Vermögenswerte bilanzierter Rohstoffreserven. So schätzt Barclays, dass die Kohle-, Öl- und Gasbranchen über die nächsten 25 Jahre insgesamt mit Umsatzeinbußen von bis zu 33 Bio. USD rechnen müssen. Im Extremfall müssten Investments in Förderunternehmen und CO2-intensive Industrieunternehmen ganz abgeschrieben werden. Die Kohlenstoffblase ist daher eine reale Gefahr für Anlageportfolios.

Smart Investor: Wie passt die Dekarbonisierung zu den anderen Kriterien, die Sie zur Aufnahme von Unternehmen in Ihren Nachhaltigkeitsaktienfonds setzen?

Hellener: Ideal. Unternehmen, die wir aufnehmen, müssen einen aktiven Beitrag zur Bewältigung der sieben globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel, der Trinkwasserversorgung, dem Erhalt der Artenvielfalt, einer nachhaltigen Waldwirtschaft sowie für die Bevölkerungsentwicklung, zur Armutsbekämpfung und zu verantwortungsvollen Führungsstrukturen leisten. Nur dann haben sie eine Chance, aufgenommen zu werden.

Smart Investor: Viele Unternehmen geben sich einen „grünen“ Anstrich, ohne aber effektiv diese Ziele anzugehen. Wie überprüfen Sie die Umsetzung ihrer Kriterien?

Hellener: Bei unserem Nachhaltigkeitskonzept wollten wir ein „Greenwashing“ unbedingt vermeiden. Wir greifen auf Analysen der renommierten Nachhaltigkeitsratingagentur oekom research AG zurück und nutzen einen absoluten Best-in-Class-Ansatz. Das bedeutet, dass sich für unseren Fonds nur Unternehmen qualifizieren, welche zum einen die branchenspezifisch definierten Anforderungen erfüllen und zugleich im Branchenvergleich die höchsten Standards setzen. Von rund 3.800 Unternehmen schaffen das weniger als 10%.

Smart Investor: Schmälert der Fokus auf Nachhaltigkeit nicht die Rendite? Schließlich muss oekom research bezahlt werden. Wie konnte sich der Fonds im Vergleich zur Benchmark MSCI World EUR schlagen?

Hellener: Die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass Nachhaltigkeit und Profitabilität Geschwister im Erfolg sind. Denn nachhaltig wirtschaftende Unternehmen entwickeln sich über die Zeit besser, weil sie sich bereits heute für die Herausforderungen der Zukunft aufstellen. Das macht sie wettbewerbsfähiger und zu einem interessanten Investment. Das zeigt auch die Performance des PRIMA – Global Challenges. Seit dem radikalen Strategiewechsel im Oktober 2013 richten wir den Fonds allein nach Nachhaltigkeitsfaktoren aus. Und das Plus von rund 40% seit dem Strategiewechsel vor nicht einmal vier Jahren zeigt, dass Nachhaltigkeit und eine gute Performance für Anleger eine sinnvolle Kombination darstellen können. Der MSCI World Euro hat in diesem Zeitraum 42,6% zugelegt.

Smart Investor: Der Berater des Fonds, Dr. Hendrik Leber von ACATIS, setzt für die Zukunft auf E-Mobilität. Viele Anleger sind skeptisch, was den Wandel und seine Folgen angeht. Die Bandbreite der Einschätzungen reicht von Hype bis zu starker Skepsis. Wie beurteilen Sie den Trend?

Hellener: Noch ist die Bilanz gerade in Deutschland ernüchternd. Doch E-Autos sind aus Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsgründen für die Zukunft ein unbedingtes Muss. Zumindest solange der Strom aus alternativen Energiequellen wie Sonnen- und Windenergie gewonnen wird.
Noch gibt es nicht genügend Ladestationen, und die Reichweite von Elektroautos ist zu gering. Doch das ist der Stand heute. In fünf bis sieben Jahren wird unsere Auto- und Mobilitätswelt ganz anders aussehen. Elektroautos werden unsere Welt verändern, ja, revolutionieren.

Smart Investor: Welche Aktien aus Ihrem Portfolio könnten von diesem Trend profitieren?

Hellener: Bei der E-Mobilität spielen künstliche Intelligenz, die Rechenleistung von Computern, Sensorik, Kameras und billiger werdende Batterien eine wichtige Rolle. Bei Batterien wird China die Vorreiterrolle spielen. Peking investiert enorme Summen in billiger werdende Batterien. Das hat zur Folge, dass E-Mobilität und selbstfahrende Autos bezahlbar werden und Autos mit Verbrennungsmotoren über kurz oder lang ersetzen. Hiervon wird das US-Unternehmen Intel profitieren, das im März den israelischen Hersteller für Fahrerassistenzsysteme Mobileye übernommen hat, der als Partner von BMW in den Bereichen E-Mobilität und selbstfahrende Autos tätig ist. Die ganze Entwicklung wird auch Rückwirkungen auf Industriezweige wie die Windkraft- und Sonnenenergie haben. Das sollte unseren Portfoliowerten SunPower, Nordex oder Vestas Wind Systems zugutekommen.

Smart Investor: Herr Hellener, vielen Dank für Ihre Ausführungen.

Interview: Christian Bayer

 

Über Thomas Hellener

Thomas Hellener ist Vorstand der VSP Financial Services AG und seit Juni 2013 Geschäftsführer der Tochtergesellschaft PRIMA Fonds Service GmbH. Diese ist eine unabhängige Investment-Boutique für innovative und qualitativ hochwertige Investmentfonds. Die PRIMA-Fonds werden von externen Vermögensverwaltern und Fondsmanagern gemanagt, die über eine langjährige Expertise in ihren jeweiligen
Schwerpunktbereichen verfügen, wie zum Beispiel Dr. Hendrik Leber, ACATIS Investment GmbH (Fondsmanager des PRIMA – Global Challenges, WKN: A0JMLV), oder Frank Fischer, Shareholder Value Management AG (Fondsmanager des PRIMA – Globale Werte, WKN: A0D9KC). Weitere Informationen unter: www.primafonds.com.