SIW 02/2018: Alter Konflikt, neuer Favorit?

Olympischer Gedanke

„Dabei sein ist alles“, lautet jener olympische Gedanke, dem man nun auch in Nordkorea wieder etwas abzugewinnen scheint. Ebenso überraschend wie kurzfristig kündigte das weitgehend isolierte Regime an, nun doch an den Olympischen Winterspielen im Februar 2018 im südkoreanischen Pyeongchang teilzunehmen. Bis vor kurzem wurde ja eher der Eindruck erzeugt, dass das einzige, was der Norden zum Mega-Wintersportevent in den Süden schicken werde, ein paar Raketen seien. Nun also eine vorsichtige Annäherung zwischen den beiden verfeindeten Bruderstaaten. Mit Sport hat das Ganze allerdings herzlich wenig zu tun, sondern vor allem mit Diplomatie. Ob diese Annäherung nur eine weitere Volte des mehr als ein halbes Jahrhundert währenden Konflikts ist, oder ob sie der erste Schritt in Richtung Entspannung wird, muss die Zeit weisen. Schon jetzt aber dürfte klar sein, dass die jüngste Wendung ohne die harte Haltung der USA wohl kaum möglich gewesen wäre. Der bundesdeutsche Medien-Mainstream gefiel sich auf dem Höhepunkt des Konflikts ja darin, den demokratisch gewählten US-Präsidenten mit dem nordkoreanischen Diktator gleichzusetzen: zwei wildgewordene Machos, denen man die Atomraketen wegnehmen müsse und ähnliche Flachheiten mehr wurden dem Publikum zugemutet. Sehr beliebt waren auch psychologische Ferndiagnosen der Akteure, bei denen – oh, Wunder – stets genau das heraus kam, was der politisch korrekt durchgestylte Bürger ohnehin denken sollte. Dem in der Bundesrepublik grassierenden, ideologisch befeuerten Hypermoralismus war jeder Sinn für die Realität und damit auch für Realpolitik abhandengekommen: Wer nicht den ganzen Tag Blumen und Bienen dolle lieb hat, der ist ein böser, böser Mensch. Auf diesem Niveau tat man sich entsprechend schwer, den Subtext des Konflikts und die wechselseitig gesendeten Botschaften der Konfliktparteien auch nur ansatzweise zu entziffern. Man war, kurz gesagt, einmal mehr auf die eigene, bis zum Exzess betriebene Anti-Trump-Propaganda hereingefallen. Geopolitik funktioniert aber nicht nach den gleichen Prinzipien wie ein evangelischer Kirchentag. Insofern geht es schon in Ordnung, dass die Bundesrepublik in ihrer aktuellen geistigen Verfasstheit auf internationalen Bühne derzeit keine Rolle mehr spielt – es sei denn, es wird das Scheckbuch der Steuerzahler gezückt.

Zu den Märkten

In der Realität anzukommen ist auch für Börsianer eine, wenn nicht die wesentliche Voraussetzung für langfristigen Erfolg. Da mag man sich noch so sehr ein anderes Umfeld wünschen und noch so ausgefeilte Theorien haben, warum sich dieses bald ändern müsse, am Ende zählen hier alleine Angebot und Nachfrage. Fakten spielen dabei zwar eine Rolle, die allerdings auch nicht überbewertet werden sollte. Nicht zuletzt die „Kryptomanie“ des vergangenen Jahres hat gezeigt, dass sich Kurse sehr viel weiter und sehr viel länger von „dem, was ist“ entfernen können, als man es sich nach den meisten Theorien vorzustellen vermag. Selbst rational agierende Marktteilnehmer – oder solche, die sich dafür halten – werden kaum ernsthaft leugnen können, dass es im Geldanlagegeschäft ausgeprägte Modewellen gibt. So können sich Märkte phasenweise stark überhitzen oder auch völlig vernachlässigt werden. Im günstigsten Falle lassen sich solche Phänomene ausbeuten, was in der Praxis freilich meist schwieriger ist als in der Theorie. Kommt es dann zu Favoritenwechseln, dann sind diese oft um den Jahreswechsel herum zu beobachten, weshalb uns das Thema gerade besonders aktuell erscheint. Nachdem unser letzter SIW 49/2017 nun schon satte vier Wochen zurückliegt und genau diese kritische Phase umfasst, wollen wir zum Jahresauftakt einmal nachschauen, wie sich zwei wesentliche Assets in der Zwischenzeit entwickelt haben. „Aktien vs. Gold“ gehört unter sachwertorientierten Anlegern zu einer der Grundfragen in der Aufteilung des Anlagekapitals. In der Abb. zeigen wir auch den Goldchart (gelb) in EUR, so dass sich hier eine bessere direkte Vergleichbarkeit mit dem deutschen Leitindex DAX (schwarz) ergibt. Obwohl beide Anlagen seit dem letzten SIW per Saldo vorangekommen sind, konnte das im abgelaufenen Jahr vernachlässigte Edelmetall nicht nur mehr als dreimal so stark zulegen, der Anstieg verlief auch in deutlich geordneteren Bahnen – ein Indiz für ordentliche Nachfrage und möglicherweise sogar eines für eine Wiederentdeckung der Edelmetalle. Beim DAX standen dem geringen Terraingewinn dagegen große Schwankungen gegenüber, was wir als Zeichen einer anhaltenden Verunsicherung bewerten. Spannend wird das neue Jahr in jedem Fall.

Musterdepot Aktien & Fonds

Im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf unserer Homepage beschäftigen wir uns noch einmal etwas ausführlicher mit der Tesla-Aktie. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Smart Investor 01/2018:

 

 

Titelstory: Kapitalmarktausblick 2018: Alles eitel Sonnenschein?

Dauerläufer: Aktieninvestments für die Ewigkeit

Börsengurus: Enzyklopädie der Ausreden

Kroatien: Nicht nur für Feinschmecker attraktiv

 

 

 

Fazit

Mit der Annäherung zwischen Nord- und Südkorea begann das neue Jahr einmal mit einem kleinen positiven Paukenschlag. Was daraus letztlich wird, bleibt abzuwarten. Der Auftakt an den Aktienmärkten ging im Großen und Ganzen bislang zwar in Ordnung, als heimlicher Gewinner entpuppte sich jedoch das im letzten Jahr stark vernachlässigte Gold.

 

Ralph Malisch, Ralf Flierl

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.