Grafik der Woche – US-Kreditmarkt mit eingebautem Risiko


Den jüngsten Ausverkauf an den führenden Weltbörsen kommentierten die Medien ausführlich. Die aufgetretenen Kurskapriolen waren auch in der Tat schlagzeilenkräftig genug. In turbulenten Phasen wie zuletzt gehen aber mitunter andere ebenfalls sehr wichtige Entwicklungen im Marktumfeld etwas unter.

Das ist sicherlich mit Blick auf die Credit Default Swaps der Fall. Denn deren Spreads, oder anders ausgedrückt Risikoaufschläge, zogen in der Vorwoche im Falle von europäischen und US-amerikanischen CDS (gemessen am iTraxx, der die Regionen Europa und Asien abdeckt und dem CDX für die USA) deutlich an. Innerhalb von drei Handelstagen kam es zu Erhöhungen von bis zu zehn Basispunkten (siehe Grafik oben). Das ist deshalb von Belang, weil es sich dabei um Kreditausfallversicherungen handelt. Steigen die Spreads, zeigt das letztlich eine bei den Marktteilnehmern gestiegene Sorge vor einem Zahlungsausfall.

Laut Marktexperte Thomas Miller von der HSH Nordbank  hat sich die Kreditqualität der Unternehmen innerhalb weniger Tage zwar fundamental betrachtet nicht so stark verschlechtert, wie es diese Bewegung suggeriert. Aber der Ausbruch sei in Beziehung zu setzen mit einem generell wichtigen Thema im Zuge eines jeden Kreditzyklus. Gemeint sind damit die Unternehmensgewinne in Relation zur Verschuldungs- und Zinslast. Sobald dieses Verhältnis nachhaltig einbricht, wird es turbulent an den Märkten, erklärt Miller basierend auf Vergangenheitserfahrungen.

Um dies aktuell einzuordnen blickt er am US-Kreditmartkt auf die Fälligkeiten an US-Unternehmensanleihen (Quelle: S&P) bis zum Jahr 2022. Diese regionale Fokussierung sei angebracht, weil die Dynamik des globalen Kreditzyklus maßgeblich aus den USA getrieben wird, so Miller.

  • 2018: 384 Mrd. USD, davon 78 Mrd. Subinvestmentgrade
  • 2019: 534 Mrd. USD, davon 151 Mrd. Subinvestmentgrade
  • 2020: 699 Mrd. USD, davon 235 Mrd. Subinvestmentgrade
  • 2021: 833 Mrd. USD, davon 361 Mrd. Subinvestmentgrade
  • 2022: 836 Mrd. USD, davon 398 Mrd. Subinvestmentgrade

Für Miller zeigen diese Zahlen eines mehr als deutlich: Der US-Kreditmarkt hat ein eingebautes Zins- und Refinanzierungsrisiko. In 2022 werden mehr Subinvestmentgrade-Anleihen fällig als in 2018 Investmentgrade-Anleihen. Dass bis dahin die Zinsen gestiegen sein werden, bezeichnet der HSH-Experte als ein sehr realistisches Szenario. Unternehmen, die sich dann refinanzieren müssen, würden dann – gesetzt den Fall, dass sie sich überhaupt refinanzieren können – eine anteilig deutlich höhere Zinslast tragen müssen.

Der Kreditmarkt gehe also sehenden Auges in diese Gemengelage hinein. Das bedeute,
die Nervosität steigt. Der Ausbruch der CDS-Spreads der vergangenen Tage werde nicht
der letzte gewesen sein. Und mit steigenden Zinsen wird die nachhaltige Ausweitung
zwangsläufig erfolgen müssen, befürchtet Miller.

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