„Cool bleiben!“

Armin Zinser
Smart Investor: Herr Zinser, Sie managen mit dem Prévoir Gestion Actions (WKN: A1T7ND) einen All-Cap-Fonds und mit dem Prévoir Perspectives (WKN: A1XCQU) ein Produkt, das sich auf Nebenwerte konzentriert. Unterscheidet sich Ihr Investmentansatz bei beiden Fonds?

Zinser: Grundsätzlich werden beide Fonds vor dem Hintergrund derselben Investmentphilosophie gemanagt. In beiden Fonds suche ich Wachstumsaktien. Essenzielle Kriterien für mich sind, dass wir bei den Unternehmen ein nachhaltiges Umsatzwachstum von mindestens 5% p.a. sowie ein Wachstum beim Gewinn pro Aktie in gleicher Höhe sehen. Neben diesen Grundvoraussetzungen suche ich Unternehmen mit positivem Cashflow und niedriger Verschuldung, die in Märkten mit strukturellem Wachstum, wie in Asien oder den USA, exportieren. Im Nebenwertefonds investiere ich in Aktien mit einer Marktkapitalisierung von 50 Mio. EUR bis zu 1 Mrd. EUR. Im All-Cap-Fonds finden sich dagegen Aktien mit einer Marktkapitalisierung ab 1 Mrd. EUR.

Der Nebenwertefonds ist quasi der Grundstock für die Aktien, die sich einige Jahre später idealerweise im Prévoir Gestion Actions wiederfinden, d.h., Micro Caps werden nur in geringerem Umfang beigemischt. Bei beiden Fonds bevorzuge ich familiengeführte Unternehmen. Firmen mit staatlicher Beteiligung oder solche, in denen der Staat der größte Kunde ist bzw. subventioniert, meide ich möglichst. Dabei gibt es aber auch Ausnahmen wie z.B. Airbus, das ich trotz der staatlichen Beteiligung für ein sehr gutes Unternehmen halte. Auch klassische Banken, bei denen die Bilanzen undurchsichtig und die Wachstumsperspektiven nicht einschätzbar sind, stehen – trotz nicht ausgeschlossener Zinserhöhungsfantasie – bei mir nicht auf der Kaufliste.

Smart Investor: Welche Aktien gefallen Ihnen momentan im Nebenwertesegment?

Zinser: In jüngster Vergangenheit habe ich Aktien der Partners Group, eines Schweizer Private-Equity-Unternehmens, gekauft. In Frankreich habe ich Positionen in der Burelle SA weiter ausgebaut, einer Familien-Holding, die Mehrheitseigner des Automobilzulieferers und Kunststoffverarbeiters Plastic Omnium ist. Beim deutschen IT-Unternehmen USU Software habe ich ebenfalls zugekauft, nachdem der Kurs kurzfristig unter Druck geraten war. Neu eingestiegen bin ich u.a. bei M1 Kliniken, NorCom und Fabasoft. Verkauft habe ich dagegen den Bremsanlagenhersteller Brembo aus Italien, um Gewinne mitzunehmen. Bei dem Titel hat sich das Momentum abgeflacht. Die Aktienpositionen habe ich beim Markteinbruch ausgebaut, als die Titel an einem Tag 5% bis 6% verloren haben. Die neu gekauften Werte fand ich schon längere Zeit interessant, allerdings waren sie mir vor den Kursrückgängen zu teuer.

Smart Investor: In turbulenten Zeiten suchen Investoren eher Sicherheit bei Blue Chips und meiden volatile Nebenwerte. Ist das aus Ihrer Sicht berechtigt? Richten Sie Ihr Nebenwerteportfolio defensiver aus?

Zinser: Die Outperformance von Nebenwerten bedingt logischerweise eine höhere Volatilität. Investoren, die diese Volatilität scheuen, sollten Nebenwerte eher meiden. Was mich betrifft, bleibe ich dennoch voll investiert. Ich spiele kein Makrospiel und bin weiterhin auf mittlere Sicht optimistisch. Der Grund für meinen Optimismus: Ich sehe noch sehr viel Liquidität an den Märkten, die in höher rentierliche Anlagen investiert werden muss. Schaut man auf die Renditen der Bundesanleihen, kann man weiterhin damit keinen Blumentopf gewinnen. Es gibt keinen Anlass, mein Nebenwerteportfolio defensiver auszurichten, als es bereits ist. Das Grundkonzept ist das Schmieden eines extrem soliden Portfolios. Klumpenrisiken müssen in jeder Marktphase vermieden werden. Die Outperformance in meinen Fonds mache ich zum großen Teil dann, wenn die Märkte nach unten gehen, da es eine Qualitätshürde bei meinen Investments gibt, die überdurchschnittliche
Verluste verhindern sollen. Grundsätzlich versuche ich, den Lärm an den Märkten zu ignorieren. Cool bleiben ist die Devise.

Smart Investor: Anleger müssen also aus Ihrer Sicht noch keine Trendwende am Aktienmarkt befürchten, oder?

Zinser: Ich sehe zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Trendwende, auch weil ich keine Alternative zum Aktienmarkt erkenne. Es ist nicht sinnvoll, Geldscheine zu horten, was ja in Wirklichkeit Scheingeld ist. Das größte Risiko heutzutage ist zu versuchen, überhaupt keine Risiken einzugehen. Ich beteilige mich lieber an Unternehmen, die etwas Reales produzieren, seien es Waren oder benötigte Dienstleistungen. Deshalb fühle ich mich mit einem Portfolio, das überwiegend aus industrienahen Titeln besteht, recht wohl.

Smart Investor: Sie leben seit vielen Jahren in Frankreich. Haben bei Herrn Macron schon die Champagner-Korken geknallt, in freudiger Erwartung des deutschen Geldes, das wohl mit der Kombination eines SPD-geführten Außenund Finanzministeriums noch ungehemmter fließen wird?

Zinser: Selbstverständlich haben da die Korken geknallt! Meiner Meinung nach sollte Politik vor allem für Verlässlichkeit sorgen. Dass das die mittlerweile kleine GroKo liefern wird, wage ich dann doch zu bezweifeln. Was Frankreich betrifft: Ich möchte Macron nicht den guten Willen absprechen, für ein solidarisches Europa einzustehen, aber eben unter der Voraussetzung, dass Deutschland dauerhaft Transferleistungen erbringt.

Smart Investor: Herr Zinser, vielen Dank für die Ausführungen.

Interview: Christian Bayer

 

Über Armin Zinser

Armin Zinser ist für die Aktienanlagen der französischen Versicherung Groupe Prévoir zuständig. Daneben managt er die Publikumsfonds Prévoir Gestion Actions (WKN: A1T7ND) und Prévoir Perspectives (WKN: A1XCQU). Als waschechter Anhänger der Österreichischen Schule der Ökonomik bezeichnet Zinser seinen Anlagestil als pragmatisch und am gesunden Menschenverstand orientiert. Einer dezidierten Strategie möchte er sich daher nicht zuordnen lassen. Der gebürtige Schwabe lebt seit vielen Jahren in Paris. Bevor er zu Prévoir Gestion wechselte, war Zinser für die OECD im Asset-Management tätig. Seine Fonds wurden mehrfach mit dem „Lipper Fund Award“ ausgezeichnet, der Prévoir Gestion Actions in den letzten Jahren sogar für den Zeitraum von zehn Jahren.

Auf der „Finanzen Nacht“ am 2. Februar 2018 erzielte Zinser in der Kategorie „Fondsmanager des Jahres“ den zweiten Platz.