Aktien-Update: Merkur Bank

Manchmal hat es beinahe den Anschein, als sei ein Unternehmen wie die Merkur Bank in einem Paralleluniversum unterwegs. Die inhabergeführte Privatbank aus München könnte jedenfalls kaum weiter entfernt sein vom globalen Investmentbanking-Geschäft, von den Skandalen der Großbanken und den erratischen Schwankungen der Finanzmärkte. Seit Jahren und inzwischen Jahrzehnten folgen die Münchener stattdessen unbeirrt ihrer Strategie, Ansprechpartner für mittelständische Unternehmen, vermögende Privatkunden und Bauherren zu sein. Dabei spielt trotz der inzwischen aufgebauten Online-Präsenz die regionale Verwurzelung in Süddeutschland eine wichtige Rolle. Gleiches gilt für den direkten Kontakt zu den Kunden.

Den Erfolg dieser Aufstellung zeigte sich einmal mehr im Geschäftsjahr 2017, dessen Bilanz Vorstandschef Dr. Marcus Lingel gestern in München vorstellte. Lingel, der zugleich persönlich haftender Gesellschafter ist, legte ein überzeugendes Zahlenwerk vor. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit nahm um rund 8% auf 8,5 Mio. EUR zu. Der Gewinn je Aktie lag sodann bei 0,60 EUR (Vj.: 0,56 EUR). Dieses Wachstum erreichten die Münchener sowohl durch ein höheres Neugeschäft in der Finanzierung, welches erstmals die Schwelle von 1 Mrd. EUR übertraf, als auch durch Zuwächse in der Vermögensverwaltung. Auch dort zeigte sich, dass der direkte Kundenkontakt ein großer Vorteil sein kann. Viele Neukunden kamen schließlich aufgrund einer persönlichen Empfehlung zur Merkur Bank. Anders als die meisten Banken ist man zudem kaum abhängig von der Zinsentwicklung und – abzulesen an einer Cost-Income-Ratio von unter 60% – deutlich schlanker aufgestellt.

Auch beim Thema Regulierung, unter dem die Banken allgemein „leiden“, sieht Lingel durchaus eine Chance. Da man den direkten Kontakt zu seinen Kunden pflegt, ließen sich hier die gesetzlichen Vorgaben personalisierter umsetzen. Überhaupt ist das Institut mit einer anonymen Großbank kaum zu vergleichen. Im Hinblick auf die Solidität erscheint eher ein Vergleich zu den Sparkassen oder Genossenschaftsbanken angebracht. Zur Höhe der Dividende machte der Bankchef noch keine Angaben. Es ist jedoch davon auszugehen, dass man in Anbetracht des hervorragenden Zahlenwerks die Dividendenpolitik der Vorjahre beibehält. Damit könnten Aktionäre eine Ausschüttung um die 30 Cent (Vj.: 26 Cent) erwarten. Beim aktuellen Kurs ergäbe sich hieraus eine Dividendenrendite von 3,6%. Den Substanzwert, also die Summe aus Eigenkapital und Gewinnrücklage, gab Lingel mit über 10 EUR an – etwa 20% über dem aktuellen Kurs von 8,25 EUR.

SI-Kommentar: Die Merkur Bank-Aktie bleibt ein sehr solides, fast schon „langweiliges“ Investment. Mit einem KGV von 13 für das laufende Jahr ist der Small Cap keinesfalls teuer. Hinzu kommt die erwähnte Dividende, die sich ebenfalls sehen lassen kann. Die Bank ist in ihrer Branche Vorbild und Musterschüler zugleich. Selbst in einem turbulenten Börsenumfeld, das wir für die kommenden Monate erwarten, sollte sich die relative Stärke des Titels fortsetzen.

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