SIW 16/2018: Absolute und relative Zukunft

„I have a Stream“

An der Börse wird, wie es so schön heißt, die Zukunft gehandelt. Allerdings geht es dabei nicht nur um das, was tatsächlich geschehen wird („absolute Zukunft“), sondern auch – vielleicht sogar überwiegend – darum, wie sich dieses Geschehen zu den Erwartungen im Vorfeld verhält („relative Zukunft“). Das ist ein feiner Unterschied, der gelegentlich außer Acht gelassen wird. Natürlich sind beide Betrachtungen relevant, denn ein grundsätzlich schlecht geführtes Unternehmen in einer grundsätzlich unattraktiven Branche ist in aller Regel auch dann kein Investment wert, wenn es phasenweise einmal positiv überrascht. An Überraschungen dürfte es auch nicht in der aktuellen Berichtssaison fehlen. Und da die Stimmung in den letzten Monaten etwas mau und die Marktteilnehmer ein wenig verhaltener waren, werden einige dieser Überraschungen positiv ausfallen. Dies war etwa bei Netflix (WKN: 552484, akt. Kurs: 272,79 EUR) der Fall, denn für immer mehr Amerikaner scheint zu gelten: „I have a stream“, wovon das Unternehmen entsprechend profitiert. Nach den Quartalszahlen sprang der Kurs der ohnehin teuren Aktie jedenfalls auf ein neues Allzeithoch. Wir sehen hier das Zusammenspiel aus gedämpfter Erwartung und dann doch vergleichsweise überzeugenden Zahlen, das solche Kurssprünge möglich macht.

Signal für alle?

Zudem ist das Unternehmen als Teil der sogenannten FANG-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix, Google bzw. Alphabet) eine der Tech-Ikonen des Kurszettels. Nachdem aus dieser Gruppe zuletzt insgesamt deutlich Luft entwichen war, keimte nach den Netflix-Zahlen unmittelbar die Hoffnung, dass auch die „Peers“ nicht enttäuschen werden. Das allerdings ist keine allzu logische Schlussfolgerung. Denn die Geschäftsmodelle der genannten Unternehmen sind ziemlich unterschiedlich und damit auch deren Erfolgsfaktoren. Die Gemeinsamkeiten, aufgrund derer die Aktien zur FANG-Gruppe zusammengeschweißt wurden, ergeben sich erst in der Marktbetrachtung: Sie sind im weitesten Sinne im Technologiebereich tätig bzw. betreiben Geschäfte, die es vor rund zwei Jahrzehnten so noch gar nicht gab. Dennoch gehören sie heute zu den absoluten Marktschwergewichten deren Kursentwicklung als richtungsweisend für den Gesamtmarkt angesehen wird. Zudem wurden diese Aktien in der jüngsten Korrekturphase einigermaßen gebeutelt, weshalb sie nun deutlich „anfälliger“ für positive Überraschungen sind.

US-Angriff ohne Auswirkungen

Auch die Luftschläge der USA gegen Ziele in Syrien wurden von den Märkten erstaunlich gelassen weggesteckt. Der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass und normalerweise gehen die Anleger aus dem Risiko, wenn die Dinge in der Region eskalieren. Dort treffen inzwischen die unterschiedlichsten Interessen aufeinander, allen voran die USA und Russland. Aber auch zwischen den Regionalmächten Israel, Iran, Saudi-Arabien und der Türkei wachsen die Spannungen. Insofern ist Vorsicht schon ein ganz guter Berater, wenn in der Region wieder gezündelt wird. Lediglich große Teile der Mainstream-Medien gaben sich unverhohlen kriegslüstern und jubilierten angesichts der gezeigten militärischen Entschlossenheit. Da wird dann ausnahmsweise sogar einmal US-Präsident Trump gelobt. Die Reaktion der Börse bzw. deren fast vollständiges Ausbleiben muss dagegen derzeit fast schon als Indiz für die noch immer robuste Marktverfassung angesehen werden. Ein labiler Markt, einer der auf dem falschen Fuß erwischt worden wäre, hätte die Kriegshandlungen zum Anlass für größere Abverkäufe genommen.

Sturmwarnung bleibt bestehen

Allerdings muss und wird das alles nicht so bleiben. Wir haben u.a. in der Titelgeschichte unserer März-Ausgabe „Der Sturm“ intensiv auf die möglichen Gefahrenmomente an den Märkten hingewiesen. Der nunmehr neunjährige Trend wird, um in martialischen Sprachbildern zu bleiben, nach und nach sturmreif geschossen. Letztlich brechen kann er dann aus einem vergleichsweise nichtigen Anlass. Je weniger Marktteilnehmer ein solches Szenario für möglich halten, desto wahrscheinlicher wird es paradoxerweise. Denn Kursstürze werden in erster Linie von denen ausgelöst, die sie nicht an eine solche Möglichkeit glauben mochten und sich dann unversehens im Panikmodus wiederfinden. Wir halten es in einer solchen Phase für die bessere Alternative, sich für einen Kursrückgang abzusichern, der möglicherweise nicht bzw. noch nicht eintritt, als uns einer solchen Entwicklung schutzlos auszuliefern. Unsere Sturmwarnung bleibt also bestehen.

Urgestein mit Sorgenfalten

In ein ähnliches Horn stößt Mark Mobius. Die Stimme des inzwischen 81jährigen, ehemaligen Fondsmanagers von Franklin Templeton hat noch immer Gewicht. Zumindest lohnt es sich einem der früheren Topstars der Branche zuzuhören, wenn dieser über den Markt nachdenkt. Nun ließ er die Anlegergemeinde wissen, dass alle seine Indikatoren auf größere Kursrückgänge bei den US-Leitindizes hindeuten. Mobius spricht von einem möglichen Minus von rund 30%. Besondere Sorge bereiten ihm dabei die ETFs, deren Volumen in den letzten Jahren immer weiter angeschwollen ist. Was von der Öffentlichkeit als harmloses passives Investment angesehen wird, das im Wesentlichen den zugrundeliegenden Index nachbildet, könnte einen regelrechten „Schneeballeffekt“ auslösen, wenn der Markt erst einmal rutscht. Zum Thema ETFs finden Sie übrigens auch im aktuellen Smart Investor 4/2018 gleich drei, zum Teil sehr kritische Einschätzungen: „Auch ETFs haben Nachteile“ (S. 28), „Auf dem fundamentalen Auge blind“ (S. 33) und die Buchbesprechung „Revolution in der Geldanlage“ (S. 63).

Was aber letztlich der konkrete Auslöser für eine solche scharfe Korrektur sein könnte, ließ Mobius offen. Und genau da zeigt sich der Unterschied zwischen unseriöser Hellseherei und sauberer Analyse. Denn was den Markt letztlich ins Straucheln bringen wird, kann heute niemand ernsthaft wissen, dass er sich aber in einem Zustand befindet, der ihn anfällig für ausgedehntere Korrekturen macht, kann man anhand der Ist-Werte von Bewertungskennziffern und Indikatoren diagnostizieren.

 

Zu den Märkten

Mitleid und Spott waren die einzigen nennenswerten „Erträge“, die Silberinvestoren in den letzten Jahren einfahren konnten. Dabei ist der Markt attraktiv, nicht nur weil er so penetrant vernachlässigt wurde. Während ringsherum alles, aber auch wirklich alles teurer wurde – selbst Staatsanleihen –, dümpelten die Edelmetalle vor sich hin. Positiv könnte man das so ausdrücken, dass der Markt Kraft gesammelt hat und von den spekulativen Exzessen der Jahre bis 2011 bereinigt wurde. Allerdings müssen wir selbstkritisch anmerken, dass wir angesichts der hochattraktiven Chancen, die sich hier ankündigen, schon mehrfach den Mund gespitzt und gepfiffen haben. Die heutige Kursentwicklung wollen wir Ihnen dennoch nicht vorenthalten: Silber hat mit einer überzeugenden Bewegung die wichtigen Widerstände bei 16,80 USD und 17,00 USD (blaue Linien) in einem Rutsch nach oben durchbrochen. Nebenbei wurde auch noch die wieder ansteigende 200-Tage-Linie (rot) geknackt. Eine solche Bewegung könnte sich in der Rückschau durchaus als die Initialzündung für eine sehr viel größere Kursbewegung herausstellen. Nachdem uns der CEO von Endeavour Silver, Bradford Cooke, letzte Woche in der Redaktion besuchte, hat sich unser positiver Eindruck des Unternehmens gefestigt und wir haben unsere Musterdepot-Position weiter aufgestockt (siehe dort). Die vergangenen Jahre waren für Endeavour Silver definitiv keine verlorenen Jahre. Stattdessen wurden Altlasten bereinigt und Hausaufgaben gemacht. Für steigende Silberpreise ist man damit bestens aufgestellt

Musterdepot Aktien & Fonds

Im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf unserer Homepage lesen Sie heute ein Update zu unseren Aktionen der Vorwoche. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Über besseres Geld

Heute wollen wir die Gelegenheit nutzen, Ihnen noch einmal die 9. Mark Banco Anlegertagung am 2. Juni 2018 ans Herz zu legen. Das Institut für Austrian Asset Management (IfAAM) lädt dieses Jahr unter dem Motto „Auf der Suche nach dem besseren Geld – Von der Mark Banco bis zu Krypto“ ins Museum für Hamburgische Geschichte nach Hamburg ein. Nutzen Sie die Gelegenheit und lassen Sie sich aus erster Hand von namhaften Experten über Alternativen zum heutigen Fiat-Money-System informieren. Diese Informationen können Ihrer finanziellen Gesundheit schon in wenigen Jahren höchst zuträglich sein. Den Flyer zur Veranstaltung finden Sie im Übrigen hier. Und da wir die Suche nach besserem Geld aus voller Überzeugung unterstützen, sind wir bei dieser Veranstaltung auch Kooperationspartner des IfAAM. Für Sie heißt das konkret, dass sie als Abonnent des Smart-Investor-Magazins im Rahmen des „Friends & Family“-Programm einen satten Rabatt von 50 EUR erhalten. Zudem wird SI-Chefredakteur Ralf Flierl wieder zum Gedankenaustausch mit Ihnen vor Ort sein.

Nähere Informationen zur Veranstaltung und das Anmeldeformular finden Sie hier.

 

Smart Investor 4/2018

Titelstory Rohstoffe: Öl, Gas und Metalle

Medienkritik: SelbstbeSPIEGELung eines Strauchelnden

Online-Händler: Es gibt nicht nur Amazon

Lebensversicherung: Aussitzen ist keine sinnvolle Option

 

 

 

 

 

Fazit

Die Berichtssaison in den USA ist eröffnet. Ob die positiven Zahlen von Netflix allerdings ausreichen, um dem Markt den Befreiungsschlag aus einer insgesamt kritischen Situation zu ermöglichen, darf bezweifelt werden.

 

Ralph Malisch, Ralf Flierl

 

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.