Branche im Blickpunkt: Software-Elite Made in Germany

In ganz unterschiedliche Richtungen entwickelten sich in den letzten Monaten die Kurse von Deutschlands größten Softwareunternehmen. Das hat vielfältige Gründe.

Viel Arbeit für den Neuen

Schon zwei Rückschläge mussten Aktionäre der Software AG in diesem Jahr hinnehmen. Zuerst enttäuscht der Softwarekonzern mit seinem Margenausblick (30% bis 32%), dann weisen die Hessen schwache Umsatzzahlen zum ersten Quartal aus. Immerhin bestätigt man die Ergebnisziele bis zum Jahr 2020. Dann soll im Konzern eine Marge zwischen 32% und 35% erreicht werden. Gestützt wird diese Prognose von einer hohen Profitabilität im Geschäft mit Datenbanksoftware für Großrechner (A&N), dem einstigen Hauptgeschäft der Hessen, sowie einem organischen Wachstum der Digital Business Plattform (DBP). Darunter fällt das Geschäft mit Integrationssoftware und der digitalen Transformation. Genau dieser Bereich zeigte im ersten Quartal (-5%) und auch schon 2017 eine eher mäßige Dynamik. Vor allem das wichtige Lizenzgeschäft schwächelte. Da half es zunächst wenig, dass der umsatzseitig kleinste Bereich Internet of Things (IoT) & Cloud nunmehr prozentual dreistellig zulegen soll. Es bestehen Zweifel, ob der Konzern seine Wachstumsprognose bei DBP von 3% bis 7% halten kann.

Ein stabilisierender Faktor bleibt der diversifizierte Branchenmix der Softwarekundschaft. Sowohl in der Industrie als auch bei Handelsunternehmen und in Behörden ist diese zum Teil schon seit Jahrzehnten im Einsatz. Die selbst für ein Softwareunternehmen hohe Marge bei A&N von 70% spricht Bände. Auf den neuen Vorstandschef Sanjay Brahmawar, der sich bei IBM Watson mit Big Data und künstlicher Intelligenz beschäftigte, wartet gleichwohl viel Arbeit. Die geschlossenen Allianzen im Bereich IoT müssen mit Inhalten gefüllt, das Geschäft mit Integrationssoftware angekurbelt und der Umstieg vom klassischen Lizenzgeschäft auf ein Mietmodell (Software as a Service) gemanagt werden. Für die Aktie der Software AG spricht ihre im Branchenvergleich günstige Bewertung (KGV: 16) und die Fortsetzung der Aktienrückkäufe.

Langfristziele begeistern

Auch in der Bauwirtschaft spielt die digitale Transformation eine entscheidende Rolle. Die Erfassung und Vernetzung aller relevanten Daten soll Prozesse optimieren und die Zusammenarbeit von Bauträgern, Architekten und Ingenieuren schon in der Planungsphase effizienter gestalten. Später kann das Building Information Modeling (BIM) auch von Hausverwaltungen und Gebäudemanagern eingesetzt werden. Die Nemetschek AG zählt zu den weltweit führenden BIM-Anbietern. 2,7 Mio. Kunden nutzen heute Nemetscheks Lösungen, die dank ihrer offenen Struktur auch mit der Software von Wettbewerbern kompatibel sind. Nemetschek hat die Software AG erst kürzlich beim Börsenwert als Deutschlands zweitgrößter Softwarehersteller überholt. Geradezu euphorisch reagierten Börsianer auf die Langfristprognose der Münchner. Diese sieht für das Jahr 2020 einen Konzernumsatz von über 600 Mio. EUR vor. Dass dieses Ziel ohne größere Zukäufe erreicht werden soll, spricht dafür, dass sich die Dynamik der vergangenen Jahre mittel- bis langfristig fortsetzen dürfte. 2017 verbuchte Nemetschek beim Umsatz ein Plus von 17% auf 396 Mio. EUR. Das Ergebnis je Aktie legte auch dank einer geringeren Steuerlast in den USA auf 1,94 EUR (Vj.: 1,22 EUR) zu.

Wenn man diese Zahlen mit denen der Konkurrenz vergleicht, zeigt sich die fundamentale Stärke des Geschäfts. So wurde TecDAX-Nachbar RIB Software nach einer schwachen Prognose brutal abgestraft. Umschichtungen von RIB in Nemetschek waren die Folge, weshalb das Papier auf ein neues Allzeithoch gehievt wurde. Das hohe Momentum lockte weitere Käufer an, weshalb inzwischen doch die Gefahr einer Überhitzung besteht. …

(der vollständige Artikel erschien im Smart Investor 5/2018, ab Seite 64)