Editorial: Euro vor dem Absturz

Unser Interview mit Dr. Markus Krall in der letzten Ausgabe (SI 5/2018, ab S. 74) hat viele Leser auf- und wachgerüttelt. Verständlich, hatte er doch im Prinzip das Ende des Finanzsystems, so wie wir es kennen, innerhalb der kommenden zwei Jahre vorausgesagt. Inzwischen revidierte er diese Prognose bei einem jüngsten Gespräch nochmals nach vorne: Aufgrund der laufend von ihm und seinem Team beobachteten Quartalsberichte der Banken geht Krall inzwischen nur noch von einem Zeitraum von 18 Monaten aus, in welchem der Negativeinfluss der Niedrigzinspolitik der EZB in den Bankbilanzen via Substanzverzehr kaschiert werden kann. Das heißt: Spätestens ab Ende 2019 wird der europäische Bankensektor richtige Probleme bekommen.

Dass der Unternehmensberater und Risikospezialist Krall so falsch mit seiner Einschätzung nicht liegen dürfte, zeigt folgende Überlegung: Die Deutsche Bank wies zum Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres 2017 ein bilanzielles Eigenkapital von 67 Mrd. EUR aus. Der momentane Börsenwert der größten Bank hierzulande liegt aber gerade einmal bei 22 Mrd. EUR, also bei einem Drittel! Warum wohl? Anscheinend hat das Frankfurter Geldhaus einen Großteil seines Vermögens schon verbraten – nur der Bericht dazu fehlt noch. Laut Kralls Aussage ist bei vielen europäischen Kreditinstituten der Fall ähnlich gelagert, wenngleich nicht in einem solch verheerenden Ausmaß.

Wenn es so schlecht um den Bankensektor bestellt ist, erscheint es nur logisch, dass die europäische Gemeinschaftswährung eine solche katastrophale Entwicklung vorwegnehmen wird. Auf jeden Fall können wir jetzt schon einige Punkte ausfindig machen, welche zumindest mittelfristig für einen dramatischen Niedergang des Euro sprechen. In unserer Titelgeschichte ab S. 34 klären wir Sie darüber auf.

Wie in jeder Juni-Ausgabe finden Sie auch diesmal einen umfassenden Überblick zur deutschen börsennotierten Beteiligungsszene mit einem detaillierten Zahlenwerk zu fast 60 Unternehmen (ab S. 6).

Und auch die Healthcare-Branche knöpfen wir uns in mehreren Artikeln vor (S. 16, 18 und 28).

Zudem beschäftigen wir uns mit den Theorien des Karl Marx, der gerade in der Mainstreampresse wieder gefeiert wird, als wäre er ein Held. Das Gegenteil ist aber der Fall, wie unsere Geschichte auf S. 22 zeigt.

Mit dem bekannten Börsenfachmann Prof. Max Otte führten wir ein Gespräch über das Neue Hambacher Fest, welches als Statement in einer Zeit gedacht ist, in der der beschreitbare Meinungskorridor immer enger wird (S. 20).

Schließlich möchte ich mich im Namen der gesamten Smart-Investor-Mannschaft für die vielen Glückwünsche zu unserem 15ten Geburtstag bedanken.

Vielleicht sehen wir uns ja bei der einen oder anderen Gelegenheit, z.B. bei der demnächst in Hamburg stattfindenden Mark Banco Anlegertagung, bei der auch die Themen Geld und Währungen eine große Rolle spielen werden (siehe nebenstehende Anzeige).

Es grüßt Sie herzlichst

Ralf Flierl