SIW 22/2018: Betreutes Wählen

IN EIGENER SACHE – Schön, dass Sie noch da sind

Der heutige SIW 22/2018 ist sozusagen der SIW Nr. 1 nach DSGVO und wir freuen uns sehr, dass Sie uns weiter lesen. Sollten Sie diesen Newsletter nicht wie gewohnt empfangen haben, sondern „nur“ auf unserer Website sehen, dann können Sie sich hier – falls gewünscht – jederzeit wieder für den Newsletter-Empfang anmelden. Die Schwierigkeiten, die es in den ersten beiden Tagen nach der Umstellung gab, bitten wir Sie sehr herzlich zu entschuldigen. Ferner dürfen wir zu unserer Sonderaussendung zur DSGVO noch einmal klarstellen: Datenschutz ist uns wichtig und wir sind mit Ihren Daten stets sorgsam und verantwortungsvoll umgegangen, auch ohne neue Regelungen aus Brüssel. Diese führen aber gerade für kleine Verlage und unabhängige Medien zu einem vergleichsweise deutlich höheren Aufwand. Die Tendenz, dass kleine Unternehmen durch die herrschende Regulierungswut – die mit der DSGVO mit Sicherheit nicht ihr Ende gefunden hat – überproportional belastet werden, ist in vielen Branchen zu beobachten. Letztlich profitieren die Großen. In der Medienbranche ist dies hinsichtlich einer dadurch perspektivisch schwindenden Pluralität besonders kritisch zu sehen. Schon jetzt mehren sich die Berichte, dass kleine Blog-Betreiber oder Vereine aufgrund der DSGVO ihre Dienste bzw. ihren Öffentlichkeitsauftritt stark eingeschränkt oder gänzlich eingestellt haben. Mission erfüllt?!

Nichts Richtiges im Falschen

In der vergangenen Woche waren wir bei der XIV. Internationalen Gottfried von Haberler Konferenz, die von der European Center of Austrian Economics Foundation in Vaduz/Liechtenstein veranstaltet wurde. Unter dem Titel „Karl Marx: Mythos und Realität“ beschäftigten sich international angesehene Referenten mit dem Erbe eines Mannes, der bis zum heutigen Tage in unbegreiflicher Weise überhöht wird. Seine Theorien sind längst widerlegt und die von ihm prognostizierte „Verelendung der Massen“ setzte zuverlässig immer erst dort ein, wo sich jemand daran machte, Marxens Ideen in die Tat umzusetzen – zuletzt in Venezuela. Oder kommunistische Machthaber schufen gleich den „Neuen Menschen“, indem sie die vorhandenen Menschen, die nicht so richtig ins sozialistische Paradies passen wollten, gleich hundertmillionenfach ins Jenseits beförderten. Der Normalbürger würde sich die Augen reiben, wie viele Kernforderungen des Kommunistischen Manifests heute bereits im ehemaligen Westen umgesetzt sind (progressive Einkommensbesteuerung, zentrale Notenbank, staatliche Pflichtbeschulung, etc.) und wie sehr die politische Diskussion von Marxens Gedanken durchwirkt ist. Insofern ist es dann fast schon wieder verständlich, dass Spitzenvertreter der Politik, wie EU-Kommissionschef Juncker, eine wenig kritische Laudatio auf den Vordenker der Diktatur des Proletariats zu Gehör brachte. Dass diese Diktatur wenig mit Freiheit zu tun hat und in der Praxis oft genug den Massenmord an Andersdenkenden einschloss, darüber war dieser Tage nur wenig zu lesen oder zu hören. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Trierer Wutdenker finden Sie im aktuellen Smart Investor 6/2018, der zum Wochenende erschienen ist. In der Juli-Ausgabe gibt es dann noch eine Nachlese zur Liechtensteiner Konferenz mit zeitlosen Einsichten über Marx aus „österreichischer“ Perspektive – Einsichten freilich, die bei eingefleischten Marxisten kaum auf fruchtbaren Boden fallen werden.

Fremdschäm-Kommissar

Günther Oettinger. Außerhalb der EU-Kommission gilt bereits die Erwähnung seines Namens als gelungene Pointe – möglicherweise inzwischen auch innerhalb. Schließlich bescherte der Mann den schon länger hier, im einstigen Land der Dichter und Denker Lebenden, einige der unvergesslichsten Fremdschäm-Momente. Gestern war es wieder so weit. Der Nicht-Gewählte maßregelte indirekt den italienischen Wähler und damit den Souverän eines anderen Landes. Ein italienischer Fernsehjournalist spitzte die Äußerung so zu, dass sie direkt wiedergab, was Oettinger nur zwischen den Zeilen andeutete: „Ich kann nur hoffen, dass dies im Wahlkampf eine Rolle spielt im Sinne eines Signals, Populisten von links und rechts nicht in die Regierungsverantwortung zu bringen.” Anmaßend sind derartige „Hoffnungen“ von offizieller Seite allemal und können leicht als Einmischung in inner-italienische Angelegenheiten (miss?-)verstanden werden. Nun gut, Herr Oettinger ist ein politischer „Kommissar“ und so etwas kannte man vor der EU auch nur aus marxistisch-leninistischen Systemen, womit sich der Kreis zu Marx abermals schließt. Auch die Bundeskanzlerin sah sich genötigt, Italien an die „Prinzipien“ der Eurozone zu erinnern. Dass es seit der Griechenland-„Rettung“ in der Eurozone andere Prinzipien als das Durchwursteln auf Zuruf der Exekutive geben könnte, war uns allerdings ebenfalls neu. Aber die Kanzlerin ist in Europa ja im Prinzip ohnehin für alles zuständig, außer vielleicht für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Denn obwohl sie die Massenmigration seinerzeit ausdrücklich zur Chefsache machte, wird hier derzeit noch händeringend nach Bauernopfern für die große Vorsitzende gesucht. Immerhin wäre es schließlich denkbar, dass Aussitzen und Totschweigen angesichts der Dimensionen des Skandals diesmal nicht funktionieren.

Diktatur des Euro?

Das Thema Italien wirbelte die Märkte gestern jedenfalls kräftig durcheinander. Interessanterweise war es nicht die von der Mehrheit der italienischen Wähler getragene Regierung aus ziemlich weit rechts, ziemlich weit links, ziemlich chaotisch und ziemlich frech, die die Märkte erzittern ließ. Es war auch keinesfalls die hierzulande kolportierte „schwierige Regierungsbildung“. Den Schlag erhielten die Märkte, als die bereits erfolgreich gebildete Regierung vom italienischen Staatspräsidenten schlicht nicht ins Amt gelassen wurde, weil diese den Euro beschädigen könnte. Damit sind die Prioritäten im postdemokratischen EU-Europa für jedermann sichtbar: Die Gemeinschaftswährung steht mittlerweile oberhalb des zunehmend lästigen Wählerwillens. Man könnte dies auch einen Putsch von oben nennen. Statt der Diktatur des Proletariats nun also die des Euro? Nun soll nicht verschwiegen werden, dass die Lage Italiens innerhalb des Euro fast ausweglos ist. Daran ändert weder eine von oben eingesetzte Technokraten-Regierung etwas, noch Neuwahlen. Dass die extremen Kräfte nach der Düpierung der Wähler weiteren Zulauf erhalten werden, kann – ganz entgegen der naiven Weltsicht des schwäbischen Kommissars – fast als sicher gelten. Die Schuld dafür, dass inzwischen die meisten westlichen Länder unter den neosozialistischen Experimenten der letzten Jahre zutiefst gespalten sind, kann man ohnehin schwerlich den Wählern in die Schuhe schieben. Schließlich wäre auch Italien heute nicht in einer so prekären Situation wenn nicht vor Jahren die ebenso fatale wie vertragswidrige „Rettungspolitik“ in Gang gesetzt worden wäre. Als klar wurde, dass sogar das von Anfang an nur hineingeschummelte Griechenland um jeden Preis im Euro gehalten wird, war genau dies das Signal für alle anderen Schuldensünder, dass letztlich auch sie „gerettet“ werden, solange noch Suppe da ist – Anreizlehre in Reinkultur.

 

Trauerspiel und Kollateralschaden

Das Trauerspiel um Italien konnte man gestern besonders deutlich im EUR sehen, der deutlich gegen den US-Dollar nachgab. Der andere Markt, an dem die Malaise sichtbar wurde, waren die italienischen Staatsanleihen, wobei man sich angesichts der von der EZB hier kontinuierlich eingesammelten Bestände ein wenig wundern muss, dass es in italienischen Staatsanleihen überhaupt noch einen Markt gibt. Wie auch immer. Der gestrige Abfall des DAX war da nur noch ein Kollateralschaden. Sowohl die Euro-Bewegung (Titelgeschichte Smart Investor 6/2018 „€rash“) als auch die voranschreitende Top-Bildung und damit Verletzlichkeit des DAX (Titelgeschichte Smart Investor 3/2018 „Der Sturm“) sind für die Leser unseres Magazins nicht wirklich überraschend gekommen. Das italienische Regierungsdebakel war nur Anlass und Auslöser für jene Verkaufsbereitschaft, die ohnehin in der Luft lag. Das Interessante an der gestrigen Bewegung war übrigens, dass wir es im Gegensatz zur Bewegung seit Mitte April nicht mit einer originären US-Dollar-Stärke, sondern mit einer echten Euro-Schwäche zu tun hatten. Heute ist alles zwar wieder irgendwie eitel Sonnenschein. Man sollte solche technischen Reaktionen, die vermutlich von massiven Interventionen begleitet werden, jedoch nicht überbewerten. Die Impulse sind für den Euro und den DAX derzeit abwärts gerichtet.

In der ersten Abbildung sehen Sie die unveränderte Grafik aus der „€rash“-Titelgeschichte des Smart Investor 6/2018 (S. 34), die jedoch um die weitere Kursentwicklung fortgeschrieben wurde. Zwar soll hier nicht behauptet werden, dass der Euro auch weiter wie an der Schnur gezogen nach unten durchrutscht, im Falle eines Auseinanderbrechens kann das auch sehr viel schneller gehen. Spaß beiseite, das Abwärtspotenzial der Gemeinschaftswährung bleibt groß, zumal nun angesichts der absehbaren weiteren Querelen um Italien die Abwärtsimpulse künftig zunehmend aus dem Euro selbst kommen werden. Für Realisten, die ihren Analysestandpunkt außerhalb des Wolkenkuckucksheims der EU-Propaganda bezogen haben, sind die Entwicklungen um Italien und den Euro alles andere als überraschend.

Auch beim DAX (zweite Abbildung) haben die Bären vermutlich weiter die Oberhand. Inzwischen wurde nicht nur der aufwärtsgerichtete und damit negativ zu interpretierende blaue Aufwärtskeil nachhaltig nach unten verlassen. Auch die waagrechte rote Widerstandszone ließ der Index gestern unter hohen Umsätzen mit einem Abwärts-Gap hinter sich. Die heutige Aufwärtsreaktion wäre damit als eine Pullback-Bewegung an dieses Ausbruchsniveau bei gut 12.800 Punkten zu charakterisieren. Auch hier kann nicht erwartet werden, dass es in einem Rutsch nach unten durchgeht, die Risiken überwiegen die Chancen nach unserer Einschätzung dennoch deutlich, und das hat nicht nur mit Charttechnik zu tun. Bei anhaltender Euro-Schwäche erhalten insbesondere die exportorientierten DAX-Titel allerdings von der Währungsseite auch Unterstützung.

 

Musterdepot Aktien & Fonds

Im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf unserer Homepage dürfen wir uns heute ausnahmsweise auch einmal selbst ein bisschen auf die Schulter klopfen. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Nun aber schnell …

Den „Big Bang“ für den EU-Bankensektor sieht der Unternehmensberater und Bestsellerautor Dr. Markus Krall (Interview Smart Investor 5/2018, S. 74) schon in rund anderthalb Jahren auf uns zurollen.

Was das ganz konkret für Anleger bedeutet und wie man sich davor schützen kann, das erfahren Sie schon sehr viel früher, nämlich auf der diesjährigen Mark Banco Tagung, die kommenden Samstag, den 2. Juni, in Hamburg stattfindet. Treffen Sie dort Gleich-Gesinnte und -Besorgte und sprechen Sie mit den Fachleuten zu diesem Thema. Auch SI-Chefredakteur Ralf Flierl wird vor Ort sein und für Diskussionen zur Verfügung stehen.

Den Flyer zur Veranstaltung finden Sie im Übrigen hier. Und da wir die Suche nach besserem Geld aus voller Überzeugung unterstützen, sind wir bei dieser Veranstaltung auch Kooperationspartner des IfAAM. Für Sie heißt das konkret, dass sie als Abonnent des Smart-Investor-Magazins im Rahmen des „Friends & Family“-Programm einen satten Rabatt von 50 EUR erhalten.

Nähere Informationen zur Veranstaltung und das Anmeldeformular finden Sie hier.

 

Smart Investor 6/2018

Titelstory: Euro-Crash – Die Gemeinschaftswährung in der Zwickmühle

 Healthcare: Gesundheit fürs Depot

 Beteiligungsgesellschaften: Wer schaffte es in diesem Jahr auf die Sonnenseite?

 Karl Marx: 200 Jahre und nichts gelernt!

 

 

 

 

Fazit

Die jüngsten Vorgänge um Italien zeigen nicht nur wie fragil die Märkte und der Euro geworden sind. Sie sind ein weiterer Meilenstein in einer Entwicklung, die in der EU von der Demokratie zum betreuten Wählen im Sinne der Regierenden geführt hat.

Ralph Malisch, Ralf Flierl

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