Löcher in der Matrix – Preis-Boxer

Zu den sichersten Anlagestrategien gehört seit Erfindung des Medikaments der Kauf von Pharmaaktien. Hohe Markteintrittsbarrieren für Konkurrenten, relativ sicher durchsetzbarer Patentschutz, sehr geringe Nachfrageelastizität und schließlich die kaum zu regulierende Preisfindung. Alles in allem also ein höchst attraktives Geschäftsmodell.

Generationen von Gesundheitsministern, Gesundheitskommissionen und Verbänden der Leistungsträger weltweit haben sich daran abgearbeitet, wirksame Kostenbremsen zu entwickeln. Der Kursverlauf der üblichen Verdächtigen zeigt: Mit ausgesprochen überschaubaren Erfolg. Gegen exorbitante Gewinne der Pharmariesen schien kein Kraut gewachsen, um im Bild zu bleiben.

Dann traf der Bannstrahl von US-Präsident Trump die Branche, und dies offenbar ziemlich unvorbereitet. Unlängst, kurz vor Abreise zu seiner schon jetzt als legendär einzustufende Europareise, hatte Trump den Pharmakonzern Pfizer auf Twitter angegriffen. Das Unternehmen solle sich schämen, ohne Grund die Arzneimittelpreise anzuheben, hatte der US-Präsident geschrieben. Noch bevor das Unternehmen ein Statement abgegeben hatte, twitterte Trump: „Pfizer nimmt seine Preiserhöhungen zurück, so dass amerikanische Patienten nicht mehr zahlen.“ Zugleich hoffe er, dass andere Pharmaunternehmen das Gleiche täten, betätigt sich Trump gewissermaßen als Preis-Boxer.

Dieser präsidiale Wunsch hat sich nun erfüllt. Neben Pfizer und Novartis hat jetzt auch Merck&Co. angekündigt, auf Preiserhöhungen in den USA zu verzichten und einige Präparate günstiger anbieten zu wollen. Demnach, so berichtet dpa, soll das Hepatitis-Medikament Zepatier um 60 % günstiger werden. Bei anderen Produkten will Merck & Co. die Preise um 10 % reduzieren. Zudem soll der durchschnittliche Nettopreis der Medikamente nicht über den jährlichen Anstieg der Inflation hinausgehen.

Angesichts dieser Nachrichten sollten Anleger nun aber nicht der Aufruhr erliegen und der Branche den Rücken zukehren. Denn erstens dürfte Trump in einigen Tagen, spätestens Wochen, das Interesse auch an diesem Thema verlieren, und außerdem hat die Pharmaindustrie noch immer Wege gefunden, entgegen jeglicher Regulierung auskömmliche Preise durchzusetzen. Schließlich kommt es wie bei den Mediakamenten auf das Kleingedruckte an: Pfizer´s Preissenkung gilt einstweilen nur bis Jahresende.

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