Editorial: Zwischen den Stühlen

Was haben sich unsere sogenannten Qualitätsmedien mal wieder das Maul über die Zusammenkunft von Donald Trump mit Wladimir Putin zerrissen. Dabei weiß man eigentlich gar nicht so genau, was die beiden in den rund drei Stunden miteinander beredet haben. Und warum wissen wir das nicht? Weil sie ein reines Vieraugengespräch gesucht hatten. Aber warum das denn?

Vielleicht weil beide es leid sind, sich dem Dauerbeschuss der voreingenommenen Medien und der europäischen Politiker auszusetzen? Nur mal zur Erinnerung: Unsere Merkel-Regierung hat im Zuge der Ukraine-Krise mit Putin gebrochen und ihn in die Geht-gar-nicht-Ecke verfrachtet. Und im US-Wahlkampf dann hat man sich klar für die Obama/Clinton-Fraktion ausgesprochen und Trump in die Geht-gar-nicht-Ecke gestellt. Ja, was soll man denn nun von den beiden erwarten? Dass sie Merkel-Deutschland und die Juncker-EU noch irgendwie ernst nehmen? Dank dieser beiden Gestalten sitzt die EU heute zwischen den Stühlen der USA und Russlands. Kein guter Platz, wenn man auf Augenhöhe mitreden möchte. Wie lächerlich sich unsere Medien und Politiker hierbei zuletzt zeigten, können Sie nochmals in unserer Rubrik „Löcher in der Matrix“ auf S. 40 nachlesen.

Dabei hätte es gar nicht so weit kommen müssen, denn es gab genug kompetente Warner, die frühzeitig auf das absehbare EU- und Euro-Desaster hingewiesen hatten. Der Politiker Manfred Brunner zum Beispiel, der bedauerlicherweise jüngst im Alter von nur 70 Jahren verstorben ist. Eine kleine Reminiszenz an diesen mutigen Mann, der bereits in Smart Investor 10/2012 die heutigen Zustände in der EU klar vorausgesagt hatte, finden Sie auf S. 24. Aber auch der Eurokläger Prof. Joachim Starbatty hatte schon früh auf die zwangsläufigen Folgen der Rechtsbrüche im Rahmen der Eurorettung verwiesen. Und Prof. Leszek Balcerowicz, ehemaliger Finanzminister und stellvertretender Ministerpräsident Polens, hätte uns rechtzeitig mit seinen üblen Erfahrungen mit dem realen Sozialismus beeindrucken können, auf welchen die EU gerade zustrebt. Die beiden letztgenannten sind die Preisträger bei der diesjährigen Jahrestagung der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft, über die wir auf S. 22 berichten.

Vor einigen Jahren war es schick, einen Fonds mit dem Thema Demografie aufzulegen. Heute sind diese Investmentvehikel nicht mehr im Fokus der Öffentlichkeit. Warum das so ist und warum es dennoch hilfreich sein kann, sich mit der Demografie auseinanderzusetzen, das klären wir in unserer Titelgeschichte ab S. 10.

Fernab der klassischen Aktien und Anleihen stellt Ihnen unser Gastautor Luis Pazos das Spektrum der sogenannten Hochdividendentitel vor. Pazos klärt über die Theorie auf und stellt die wichtigsten Kategorien dieser Titel vor. Einige davon, wie z.B. YieldCos oder REITs, hatten wir im Smart Investor schon behandelt. Pazos hat aber noch sehr viel mehr ausgegraben. Lassen Sie sich überraschen – ab S. 6!

Viele neue Erkenntnisse beim Lesen wünscht

Ralf Flierl