Grafik der Woche: Überhitzte Immobilienmärkte

 

Immobilienmärkte in Schweden und im Vereinigten Königreich gelten als überhitzt

Zehn Jahre nach Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, die ihren Ursprung auf dem US-Immobilienmarkt hatte, steigen angesichts weltweit zunehmender Preise für Wohneigentum die Sorgen vor neuen Immobilienpreisblasen. Dies umso mehr, als die Vergangenheit gezeigt hatte – etwa in den Krisenjahren 2008 und 2009 –, welch massive realwirtschaftliche Folgeschäden damit einhergehen können.

Die Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) nahmen das zum Anlass, um auf Basis von OECD-Daten für 20 Länder zu untersuchen, wie sich die Immobilienpreise dort in den vergangenen Jahren entwickelt haben und ob die Sorgen vor neuen Preisblasen berechtigt sind.

Dem Ergebnis der Untersuchung zufolge deutet die Immobilienpreisentwicklung in einigen Ländern auf ein spekulatives Anlageverhalten der Investoren hin. Vor allem die nach wie vor hohe Verschuldung der privaten Haushalte und das allgemein sehr niedrige Zinsniveau sprächen vielerorts für eine neue Blase.

In acht der 20 untersuchten Staaten seien entsprechende spekulative Muster in den Zeitreihen zu erkennen. So seien in Schweden seit dem Jahr 2012 (siehe Grafik oben), in Australien und Belgien seit 2014, in Deutschland, im Vereinigten Königreich und in Italien seit 2015 sowie in Portugal und den USA seit dem Jahr 2016 wieder Preisübertreibungen wahrscheinlich. In Kanada lege der statistische Test eine Blasenbildung bereits seit dem Jahr 2001 nahe. Es handele sich dabei auch nicht um ein Phänomen, das auf einzelne Kontinente oder Regionen beschränkt sei. Vielmehr würden sich mögliche Fehlentwicklungen sowohl in den Ländern Europas und Nordamerikas als auch in Australien feststellen lassen. (siehe Grafik unten).

Anzeichen für spekulative Überbewertungen gibt es demnach wie bereits erwähnt auch in Deutschland, allerdings in erster Linie in den großen Metropolen. So weise der Hauspreisindex für Deutschland, der die sieben größten Städte umfasst, derzeit auf eine Preisblase hin. Seit 2010 seien außerdem die Kaufpreise für Wohnimmobilien dort um 20 Prozent stärker gestiegen als die Mieten. Die Gefahr einer landesweiten Immobilienpreisblase sei nicht zuletzt wegen der deutlich niedrigeren Verschuldung der Privathaushalte hierzulande aber geringer einzustufen.

Handlungsbedarf gebe es mangels geeigneter Vorsorge aber dennoch: Zwar sei es mittlerweile möglich, die Kreditvergabe zu begrenzen. Nach Ansicht vieler Marktbeobachter sei das Instrumentarium jedoch unvollständig. Um möglichen Fehlentwicklungen vorzubeugen, wäre insbesondere eine Deckelung des Verhältnisses von Verschuldung und Haushaltseinkommen wünschenswert, so die Studien-Autoren.

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