Löcher in der Matrix – Bauer sucht Frau

Kaum bleibt der Regen aus, gibt es eine neue Folge von Bauer sucht Frau in Deutschland. Allerdings geht es hier nicht um Inka Bause und die Liebe auf dem platten Land. Gesucht wird Bundesagrarministerien Julia Klöckner, und zwar von den üblichen Verdächtigen, wenn es um Subventionen geht. Joachim Rukwied, Präsident des Bauernverbandes, stellte früh die ansehnliche Summe von einer Milliarde Euro in den Raum, mit der die Bauern unterstützt werden müssten.

Und da plumpsen wir auch schon kopfüber durch das Loch in der Matrix. Bauernverband, das hört sich nach Interessenvertretung des wackeren Landmannes an, der bei Wind und Wetter seine Scholle nach alter Väter Sitte in überlieferter Fruchtfolge im wahrsten Sine des Wortes beackert. Der dem Wohl und Wehe des Wetters ausgeliefert ist, rechtschaffen Flora und Fauna hegt und pflegt und im Übrigen peinlich drauf achtet, nicht den subventionierten Diesel für den Traktor in den W123 aus Sindelfingen zu kippen. Gewünschte Assoziation: der freundlich lächelnde Mann mit Strickjacke, der ein kleines Lämmchen mit der Flasche füttert.

Die Wahrheit sieht anders aus: Landwirtschaft ist immer häufiger Big Business: Tierfabriken zur Produktion von Eiern, Schweineschnitzeln oder Putenfilets, Abermillionen geschredderte männliche Küken, Monokulturen zur Belieferung großer Biogasanlagen – das ist die Realität. Der idyllische Wiesenhof hat viele Schornsteine und schlachtet im Akkord. Landwirtschaft, das sind auch hochprofitable Unternehmen in adligem Besitz. Constantin Heereman von Zuydtwyck, von 1969 bis 1997 Präsident des Verbandes, ist bis heute das Gesicht dieses Zweiges. Die Forderungen nach Milliardensubventionen zeugen also von reichlich Chuzpe im Verband. Chuzpe, das ist jene Unverfrorenheit, Mutter und Vater zu erschlagen und dann vor Gericht um Milde zu bitten, da man ja Vollwaise sei.

Aber genau das macht der Bauernpräsident: Die Agrarfabriken mit ihren Gülle- und Methan-Ausdünstungen haben ja ihren erheblichen Anteil am Klimawandel. Warum also sollte dieses Geschäftsmodell subventioniert werden? Ausgeschlossen, dass sich eine Mehrheit in der Bevölkerung finden würde, Fleischbaronen und Großgrundbesitzern Subventionen in geforderter Höhe zu überweisen. Ordnungspolitisch brächte dies die Ministerin ohnehin in Bedrängnis, denn freier Markt geht natürlich anders.

Ganz anders sieht es freilich bei den verbliebenen – echten – Bauern aus, die die Landschaft pflegen und tatsächlich noch in bäuerlichem Maßstab säen und ernten. Die benötigen Funktionäre wie Rukwied nur am Rande – wer will schon Bilder nackter Hühner oder geschredderter Küken sehen?

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