Interview: „Das ist schon ein Warnsignal“

Smart Investor im Gespräch mit unserem langjährigen Kolumnisten Uwe Lang (Intermarketanalyse auf S. 46), der sich derzeit auf eine Wende der Aktienmärkte nach unten vorbereitet

Smart Investor: Herr Lang, seit wie vielen Jahren setzen Sie Ihre „kombinierte Methode“ inzwischen ein?
Lang: In dieser Form seit dem Jahr 2009. Damals hatten wir die Methode verbessert. Seither verwenden wir sie unverändert.

Smart Investor: Der Anlass für diese letzte Revision war vermutlich die Finanzkrise?
Lang: Richtig. Das wesentliche neue Element ist die Zinsstrukturmethode. Hier wird der Unterschied zwischen lang- und kurzlaufenden Zinspapieren gemessen. Auch diese Methode habe ich selbstverständlich über 50 Jahre zurückgetestet und dabei festgestellt, dass sie eigentlich unentbehrlich ist. Hätte man sie während der Finanzkrise schon gehabt, hätte man rechtzeitig Verkaufssignale bekommen. Mir ist sehr wichtig, dass eine Methode nicht nur zufälligerweise auf die letzten Jahre passt, sondern dass sie sich über lange Zeiträume gut bewährt hat. Das traf zwar auch auf die Vorgängermethode zu, aber in der Finanzkrise wäre die Zinsstrukturmethode einfach besser gewesen.

Smart Investor: Sie sind mit Ihrem Fonds seinerzeit vor etwa elf Jahren ziemlich unglücklich in der Nähe des Markthochs gestartet. Dann gab es erst einmal ein Minus im Fonds von rund 50%. Wie ging es weiter?
Lang: Ja, das ist richtig. Danach musste man erst einmal entsprechend vorsichtig agieren, weil das Misstrauen besonders groß war. Wäre es noch einmal nach unten weitergegangen, wäre das besonders schlimm gewesen. Inzwischen liegen wir aber schon wieder schön im Plus.

Smart Investor: Sie hatten schon in einem Interview mit Smart Investor vor 13 Jahren – allerdings noch in Bezug auf die alte Methode – die Bedeutung der Zinsen betont. Finden Sie es nicht auch erstaunlich, wie gut sich das System in der nachfolgenden Phase von Nullzins und EZB-Anleihekäufen schlägt?
Lang: Es stimmt schon, dass die Zinsen heute sehr viel niedriger sind als damals, aber sie bewegen sich ja trotzdem hin und her. Wenn die kurzfristigen Zinsen höher sind als die langfristigen, dann ist das für uns ein negatives Signal, und das hat in den letzten 50 Jahren auch immer gestimmt: Ein bis zwei Jahre später kam eine Rezession.

Smart Investor: Besteht in einem Umfeld absoluter Zinsmanipulation durch die Notenbanken nicht die Gefahr, dass man einem Fehlsignal aufsitzt?
Lang: Es stimmt schon, die Zinsen sind so gewollt und beeinflussen natürlich auch den Aktienmarkt. Sobald die Notenbank aber ihre Politik ändert, bekommen wir automatisch das Signal.

Smart Investor: Seit wann ist Ihre Methode jetzt schon ununterbrochen investiert?
Lang: Im Grunde genommen ist die kombinierte Methode seit März 2009 long, allerdings mit kurzen Unterbrechungen in den Jahren 2011 und 2016.

Smart Investor: Aktuell sind Sie persönlich wieder pessimistischer geworden. Was ist die Ursache, und wann erwarten Sie das Verkaufssignal?
Lang: Ich bin skeptischer, weil der Markttrend im Moment insgesamt nicht gut aussieht. So gibt es mehr Aktien, die neue Tiefs erreichen, als solche, die neue Hochs machen. Bei der Betrachtung von 50 Aktienindizes aus aller Welt zeigt sich das gleiche Bild: mehr neue Tiefs als neue Hochs. Das ist schon ein Warnsignal. Trotzdem wird die kombinierte Methode dieses Jahr vermutlich noch bullisch bleiben. Denn sonst müsste entweder die Zinsdifferenz negativ werden oder der Nasdaq Composite müsste ein 26-Wochen-Tief erreichen. Beides ist in nächster Zeit nicht abzusehen.

Smart Investor: Warum hat der Nasdaq Composite so eine Bedeutung für die weitere Kursentwicklung des DAX?
Lang: Der Nasdaq Composite ist eine Komponente in der Index-Trend-Methode. Ein Verkaufssignal erfolgt, wenn alle drei Bestandteile – NASDAQ, Dow Utility und DAX – ein 26-Wochen-Tief gemacht haben. Beim DAX und beim Dow Utility war das Kriterium zwischenzeitlich schon erfüllt.

Smart Investor: Aktuell steht Ihr getestetes System gegen Ihr nicht minder trainiertes Bauchgefühl. Wie lösen Sie so einen Konflikt auf und wie wird das im Fonds umgesetzt?
Lang: Vielleicht ist das Gesamtsystem ein bisschen träge, aber es ist großartig. Nur weil wir davon so überzeugt sind, halten wir derzeit überhaupt noch Aktien. Auch im Jahr 2015/16 kamen die Signale zu spät. Wenn es nur nach dem Bauchgefühl ginge, wären wir schon längst ganz raus. Im Fonds versuchen wir, einen Kompromiss zu finden: 50% Aktien und 50% Cash.

Smart Investor: Was war denn rückblickend in solchen Situationen besser, der Bauch oder das System?
Lang: In den letzten 20 Jahren meistens …

 

Uwe Lang, Jahrgang 1943, stammt aus einer Augsburger Kaufmannsfamilie. Der evangelische Pfarrer – er ist seit 1993 bis heute ehrenamtlicher Pfarrer in der schwäbischen Gemeinde Dinkelscherben – und passionierte Schachspieler entdeckte bereits in den 1970er-Jahren sein Interesse am Börsengeschehen, das er seither intensiv beobachtet und analysiert. Im Jahr 1993 ließ sich Lang vom Kirchendienst beurlauben und widmet sich seither ganz seiner publizistischen Tätigkeit. Er ist Herausgeber des Börsenbriefs „Börsensignale“ und hat mittlerweile acht Bücher zum Thema Börse veröffentlicht. Lang ist mit seiner Kolumne „Intermarketanalyse“ (S. 46) regelmäßiger Gastautor für Smart Investor. Mit dem BS Best Strategies UL Fonds – Trend & Value EUR (WKN: A0MLQE) gibt es sogar einen Fonds, der nach den Methoden von Uwe Lang anlegt.

 

(Das vollständige Interview mit Uwe Lang lesen Sie im Smart Investor 8/2018 ab S. 60.)