Musterdepot SIW 36/2018 vom 05.09.2018

Musterdepot

Wie im heutigen SIW 36/2018 erläutert, gibt es an der Börse keine Gewissheiten – zumindest keine, mit denen sich noch Geld verdienen ließe. Von den möglichen Szenarien erscheint uns, wie auch zuletzt in der Titelgeschichte des Smart Investor 9/2018 („Bitte anschnallen!“) ausgeführt, das Turbulenzen-Szenario als das Wahrscheinlichste. Dabei sehen wir insbesondere den deutschen Aktienmarkt und den Euro als gefährdet an. Derartige Gefährdungen könnte man nun relativ leichten Herzens in Kauf nehmen, sofern diesen entsprechend große Chancen gegenüberstünden. Genau das sehen wir vor dem Hintergrund der erreichten Bewertungen jedoch nicht. Die Säulen unserer Strategie bestehen daher aus einer deutlichen Rückführung der Aktienquote, wobei im Musterdepot schwerpunktmäßig Aktien verbleiben, deren Geschäftsmodell auch in Krisen Robustheit verspricht, die sich in wachstumsstarken Nischen bewegen oder die sogar als möglicher sicherer Hafen in Frage kommen könnten wie Edelmetall-Aktien. Zusätzlich haben wir die verbliebene Aktien-Position durch einen Turbo-Short auf den DAX abgesichert. Da wir aufgrund der ungelösten Euro- und Migrationskrise auch schwierige Zeiten für die Gemeinschaftswährung erwarten, haben wir einen Teil der Liquidität in kurz laufende US-Staatsanleihen gesteckt und den auf Euro lautenden Teil des Musterdepots größtenteils mit einem Euro-Put abgesichert.

Wie in der letzten Ausgabe berichtet, kamen wir bei dem Euro-Put WKN SC85NE aufgrund der Schließung der Serie durch den Emittenten nicht noch einmal zum Zuge. Lesern, die uns nach einer Alternative gefragt haben, nennen wir hiermit den in etwa vergleichbaren Euro-Put mit der WKN SE4U7W (Strike: 1,15, Bezugsverhältnis: 100:1, Laufzeit: Dezember 2020). Achtung: Die Nennung erfolgt hier nur nachrichtlich. Dieses Papier ist derzeit nicht Gegenstand einer Transaktion im Musterdepot.

Bei dem Turbo Unlimited Short-Optionsschein auf Tesla (WKN SC5NJ5, akt. Kurs: 15,52 EUR) der Société Générale mit einem Knock-Out bei aktuell 457,6521 USD sind wir bislang nicht zum Zug gekommen. Die Tesla-Aktie konnte nicht einmal das Abwärts-Gap bei 334 USD schließen, bevor der Kurs unter dem Eindruck der Schwierigkeiten bei Tesla, die immer sichtbarer in der Person Elon Musk kristallisieren, wieder den Weg nach Süden nahm. Nachdem Musk in der Vergangenheit schon manches Kaninchen aus dem Hut gezaubert hat, bleiben wir hier nach dem beschriebenen Verfahren noch einmal eine Woche auf der Lauer – wohl wissend, dass dies ein Abstauber-Limit ist.
Sollte Tesla also das Abwärts-Gap bei 334 USD im Verlauf (!) des New Yorker Handels doch noch schließen, kaufen wir am nächsten Tag 800 Stück des Scheines bestens zur Eröffnung in Frankfurt.

Unsere beiden Stopp-Loss-Orders für 150 Stück BB Biotech (WKN A0NFN3, akt. Kurs: 60,40 EUR) bei 55,70 EUR und für 2.500 Stück Bolloré (WKN 875558, akt. Kurs: 3,89 EUR) bei 3,77 EUR wurden bislang nicht ausgelöst. Wir belassen die Orders mit Gültigkeit auf Basis der Frankfurter Schlusskurse im Markt. Verkauft wird dann bestens zur Eröffnung des Folgetags.

Fonds-Musterdepot

Keine Änderungen

In eigener Sache I: Tesla

Im SIW 34/2018 berichteten wir von einem Leser, der beabsichtigt, die Möglichkeiten einer deutschen Sammelklage wegen des De-Listing-Tweets von Elon Musk auszuloten. In der Zwischenzeit haben bereits mehrere Leser, die durch den Tweet ebenfalls einen Vermögensschaden erlitten haben, ihr Interesse an einer solchen Klage bekundet. Wer daran interessiert ist, hier mitzuwirken, schickt bitte eine kurze Mitteilung an flierl@smartinvestor.de (Stichwort: Tesla). Wir stellen dann gerne den Kontakt her.

In eigener Sache II: MAN

Unser freier Redakteur Dr. Martin Ahlers nimmt zu MAN-Aktien Stellung, die im Smart Investor 7/2018 als interessanter Abfindungswert beschrieben wurden. Dabei wurde insbesondere auf das „damals“ noch laufende Spruchverfahren verwiesen:

Inzwischen ist allerdings einiges passiert. So ist das Spruchverfahren beendet worden und es ist zu einer deutlichen Nachbesserung der jährlichen Garantiedividende von zuvor netto 3,07 Euro auf 5,09 Euro gekommen. Aktionäre müssten deshalb für jede MAN-Aktie, die an einem der vergangenen Dividendenstichtage seit 2015 gehalten wurden, eine Nachzahlung von 2,03 Euro (abzüglich Abgeltungssteuer) bekommen haben. Bei mehreren Jahren also möglicherweise 4*2,03=8,12 Euro je Aktie.

Durch die Erhöhung der Dividende ist die Aktie noch attraktiver geworden, weshalb wir auf sie noch einmal in Heft 8/2018, S. 57 eingegangen sind. Aus unserer Sicht stellte der Wert bei einer Dividendenrendite von über 5% damit einen extrem attraktiven Anleiheersatz dar. Wie im letzten Absatz der Kurzbeurteilung in Heft 8/2018 beschrieben, galt dies allerdings nur so lange, wie der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen der MAN und der Volkswagen Truck & Bus AG nicht gekündigt wird. Für diesen Fall würde zumindest noch einmal die Abfindung von 90,29 Euro aufleben, wodurch die MAN-Aktie nach unten abgesichert ist.

Leider hat Volkswagen diesen Vertrag nun allerdings zum 1.1.2019 gekündigt.

Damit ergeben sich folgenden Konsequenzen:
– Zur MAN-Hauptversammlung 2019 wird es die Garantiedividende in Höhe von 5,09 Euro zum letzten Mal gegen (dann für das Geschäftsjahr 2018).
– Im Rahmen der Kündigung des Unternehmensvertrags wird es ein Abfindungsangebot in Höhe von 90,29 Euro geben. Das Zeitfenster für die Annahme dieser Abfindungsangebots dürfte im Januar/Februar 2019 liegen.
– Gleichzeitig, und dies ist der entscheidende Punkt, läuft noch bis zum 8. Oktober 2018 [Hinweis: Hier war ursprünglich fälschlicherweise der 8. September angegeben] das Abfindungsangebot in Höhe von ebenfalls 90,29 Euro, welches aus der Beendigung des Spruchverfahrens resultiert (Achtung: Einreichungsfristen der eigenen Bank beachten). Im Unterschied zu dem Abfindungsangebot, welches Anfang kommenden Jahres kommen wird, wird dieses aber noch verzinst, so dass sich hier eine zusätzliche Zinszahlung (je nach genauem Einreichungstermin) von bis zu 3,30 Euro ergibt. Insgesamt würde man bei Annahme des aktuell laufenden Abfindungsangebotes also bis zu ca. 93,60 Euro je MAN-Aktie erhalten. Dieser Wert entspricht auch in etwa den aktuellen Börsenkursen.

Entscheidend ist nun, was geschieht, wenn die Abfindungsangebote ausgelaufen sind. Das operative Geschäft der MAN wurde in den vergangenen Jahren mehr oder weniger vollständig auf die Volkswagen Truck & Bus AG (soll am 30. August übrigens in „Traton AG“ umbenannt werden) übertragen. So hat das in der ursprünglichen MAN verbliebene operative Geschäft dort 2017 nur noch einen Ertrag von 2 Euro je Aktie erwirtschaftet. MAN ist im Rahmen des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags somit vollkommen legal leer geräumt worden.

Aus unserer Sicht wird der Aktienkurs deshalb aktuell nur noch durch das laufende sowie das noch kommende Abfindungsangebot gestützt. Während nach oben praktisch kein Potential besteht, sehen wir das Kursrisiko mit Wegfall der Abfindungsangebote als ganz gravierend an. Darüber darf auch die noch einmal fällig werdende Garantiedividende nicht hinwegtäuschen. Da das aktuell laufende Abfindungsangebot um die Zinskomponente in Höhe von 3,30 Euro besser ausfällt, könnte es bereits ab Mitte Oktober etwas nach unten gehen. Wir raten deshalb, das aktuell laufende Angebot anzunehmen, oder die MAN-Aktien vor Ablauf dieses Angebots über die Börse zu verkaufen.

Wir werden darauf im kommenden Smart Investor auch noch einmal kurz eingehen.

* Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte (siehe ausführliche Erklärung)

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