Grafik der Woche: O’zapft is!

Auch in der weitestgehend virtuellen Finanzwelt gibt es sie noch, die Charts, die einen ganz praktischen Bezug zum Leben der Menschen haben: Einer davon ist die Gold/Wiesnbier-Ratio, die jedes Jahr von der Liechtensteiner Incrementum AG berechnet bzw. aktualisiert wird. Aktuell liegt die Kaufkraft der Feinunze Gold mit 93 Maß Wiesnbier zwar unter dem Vorjahreswert von 102 Maß, aber immer noch leicht über dem langjährigen Durchschnitt von 89 Maß. Verdursten werden Goldanleger also auch auf der Wiesn 2018 nicht. Die relative Stabilität ist schon einigermaßen erstaunlich, denn Gold wird in US-Dollar notiert, wodurch der Preis in Euro mit der Währungsumrechnung noch einen weiteren, schwer zu kalkulierenden Bestimmungsfaktor enthält.

Wie aber passt die zwar schwankende, durch die Jahrzehnte jedoch trendlose Gold/Wiesnbier-Ratio zum alljährlichen Lamento über steigende Bierpreise, die im zweiten Chart ja tatsächlich zu sehen sind? Der jährliche Anstieg des Wiesnbier-Preises ist so sicher wie das Amen in der Kirche und liegt regelmäßig sogar noch deutlich über der allgemeinen Preissteigerungsrate. Im Boulevard klingt das dann gerne so, als würden die Wiesn-Wirte den Hals einfach nicht vollbekommen. Zwar dürfte das Armutsrisiko unter Wiesn-Wirten tatsächlich eher gering sein, die eigentlichen Treiber hinter dem Bierpreis sind jedoch die Pachten und Abgaben an die Stadt München – Aufwendungen für Sicherheit und so, heißt das neuerdings.

Dass beide Kurven aber so extrem unterschiedlich aussehen hat dennoch eine andere Ursache, die in diesem Zusammenhang kaum thematisiert wird. Die Kaufkraft des staatlichen Fiat Money – einst Deutsche Mark, jetzt Euro –, sie ist es, die so sicher wie das Amen in der Kirche über die Jahrzehnte schwand und weiter schwindet. In diesem Sinne: Prost!

 

Die vollständige Studie der Liechtensteiner Incrementum AG finden Sie hier.

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