Editorial: Hetze!?

Was man in der internationalen Presse in den letzten Wochen so über Deutschland lesen konnte, hat mich tief erschüttert: Da war vom Mob vom rechten Flügel und vom Neo-Nazi-Aufmarsch in Sachsen die Rede. So wie sich mir das darstellt, war das in Chemnitz ein Trauermarsch von Bürgern, die zudem mit der Politik in diesem Land nicht mehr einverstanden sind. Dass sich dann vornedran zwei Handvoll Gestalten medienwirksam in Szene setzten und den Hitlergruß zeigten, ist wahr, aber was sagt das aus? Ist diese demonstrativ dargestellte Geste in Deutschland nicht strafbar? Die Gesichter dieser Typen sind klar zu erkennen und sie stehen bestimmt auf einer Liste des Verfassungsschutzes. Warum werden sie nicht angezeigt, warum werden keine Verfahren gegen sie eingeleitet? Die Presse schweigt dazu. Kann es sein, dass es sich um Agents Provocateurs handelte? Eine altbekannte Methode zur Stigmatisierung einer Gruppe.

Die Unterwanderung der linken und der rechten Seite des politischen Spektrums – man denke an die RAF (Verena Becker) oder die NPD – oder die „Begleitung“ von zukünftigen Attentätern durch den Verfassungsschutz ist ja schon Legende. Ich nenne hier nur Schlagwörter wie den NSU – an fast allen „Döner-Mord-Tatorten“ waren Verfassungsschutzagenten nachweislich in unmittelbarer Nähe, im Kasseler Fall sogar im gleichen Zimmer – oder den Berliner-Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri, der von Geheimdienstmitarbeitern nur so umschwirrt war. Es hätte genügend gerechtfertigten Anlass gegeben, sich den Verfassungsschutz und seinen früheren Chef Hans-Georg Maaßen ernsthaft vorzuknöpfen – mit radikalen Konsequenzen. Das ist nicht passiert – vor allem dank unserer weichgespülten Presse, die nur noch opportunistisch agiert und innerhalb fest abgesteckter Leitplanken argumentiert. Dass nun Maaßen wegen eines ominösen Videos ohne wirklichen Aussagegehalt gehen muss, ist dann schon fast als perverser Witz einzustufen.

Angela Merkel und die ihr willfährige Presse hat es wieder einmal geschafft, Tausende normale, aber besorgte Bürger mit der Nazikeule in die rechte Ecke zu prügeln – mit dementsprechenden Folgen für das Bild, das man im Ausland von den Deutschen bekommt. Das nenne ich Hetze und verweise in diesem Zusammenhang auf unsere Titelgeschichte im Heft 9/2017, wo nachzulesen ist, dass Angela Merkel zu ihren DDR-Zeiten FDJ-Sekretärin für Agitprop war. „Agit“ steht dabei für Agitation, also Hetze. Sie hat ihr Handwerk nicht verlernt.

Dass es im Medienbereich auch anders geht, zeigt das Interview mit dem namhaften Schweizer Journalisten Roger Köppel, Chefredakteur der „Weltwoche“. Er ist an den Demos in Chemnitz vor Ort gewesen, und sein Bericht von den dortigen Vorkommnissen, aber auch seine Einschätzung zur deutschen Presse und Politik sind wirklich lesenswert und augenöffnend (S. 20).

In unserer diesmaligen Titelgeschichte beleuchten wir die letztjährigen Entwicklungen im Immobiliensektor und wie sich diese in den Bewertungen der entsprechenden AGs niedergeschlagen haben. Unser vermutlich einzigartiges Tabellenwerk dazu auf S. 12 und 13 gibt Ihnen für jede deutsche und einige österreichische Gesellschaften die wichtigsten Kennzahlen an die Hand. Dabei zeigt sich sowohl Licht als auch Schatten. Dass es in diesem Bereich noch aussichtsreiche Investments gibt und sogar noch die eine oder andere Value-Perle zu finden ist, zeigen unsere Artikel von S. 6 bis 19 und von S. 32 bis 34.

Ich wünsche Ihnen neue Erkenntnisse und Aha-Momente bei der Lektüre dieser Oktoberausgabe.

Ralf Flierl