Grafik der Woche: US-Zinsen an wichtigem Widerstand

 

Im historischen Vergleich sind die Anleiherenditen in den USA noch immer niedrig, auch wenn sie sich von ihren Tiefständen aus dem Jahr 2016 bereits deutlich abgesetzt haben. Das im Vorjahr erreichte Zwischenhoch konnten die 30-jährigen US-Staatsanleihen bisher aber noch nicht nachhaltig überwinden. Durch den in den vergangenen Wochen verbuchten Anstieg sind die Renditen im 30-jährigen Bereich aber dicht dran an den höchsten Notierungen seit September 2014.

Durch die jüngste Bewegung sind die 30-jährigen US-Zinsen ebenfalls bis an einen langfristig betrachtet sehr wichtigen Widerstand herangerückt. Gemeint ist damit die vollzogene Annäherung an den 10-Jahres-Durchschnitt. In den vergangenen 30 Jahren hat jeder Anstieg in Richtung des 10- Jahres-Durchschnitts zu Volatilität an den Finanzmärkten geführt, wie Julius Bär-Charttechnikexperte Mensur Pocinci erklärt.

Durch den im Vormonat verbuchten Anstieg seien die Zinsen der 30-jährigen US-Staatsanleihen um mehr als 20 Basispunkte gestiegen und testeten damit nun die Höchststände der letzten sieben Monate, wie er weiter ausführt. Langfristig bleibe der Abwärtstrend von 1982 bisher zwar bestehen. Nichtsdestotrotz näherten sich die Zinsen ihrem 10-Jahres-Durchschnitt.

Warten auf neue Signale

Die Frage sei nun, ob es diesmal anders sein wird? In den vergangenen 30 Jahren hätten alle Anstiege in Richtung des 10-Jahres-Durchschnitts (1987, 1994, 2000, 2007 und 2011) eine Finanzmarktkorrektur nach sich gezogen. Das heißt, das schwächste Glied bzw. die riskantesten Anlagen brachen ein.

Pocinci schätzt das Risiko eines nachhaltigen Anstiegs über den 10-Jahres-Durchschnitt auf über 50%, obwohl dies ein volatiler Prozess mit vielen Aufs und Abs sein dürfte. Ein Anstieg über 3,30% dürfte nach seiner Einschätzung mit größeren Veränderungen an den Finanzmärkten einhergehen und zu Sektor- bzw. Länderrotationen führen.

Der Julius-Bär-Charttechnikexperte empfiehlt Investoren deshalb, in den nächsten Monaten offen für neue Signale der Finanzmärkte zu sein und sich nicht blind am Drehbuch der letzten 30 Jahre zu orientieren.

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