Löcher in der Matrix (zugleich Grafik der Woche) – Schutz vor steigendem Goldpreis

 

Im Zuge der gestrigen, allgemeinen Aktienschwäche konnte Gold erstmalig wieder deutlicher zulegen. Genauer gesagt war dies der größte Anstieg seit dem Brexit-Votum. Goldene Zeiten also für Goldbugs? Im Prinzip ja, denn Gold wurde seit Jahren vernachlässigt und hat entsprechenden Nachholbedarf. Während an den Aktienmärkten, insbesondere im Tech-Sektor ein rauschendes Fest gefeiert wurde, guckten Edelmetall-Fans in die Röhre.

Und das sollen sie wohl auch weiter tun, denn offenbar ist es mancherorten eine Art Volkssport, Goldanlegern in die Suppe zu spucken. Etwa bei der US-Terminbörse COMEX, deren Handelsgeschehen noch immer der wichtigste Taktgeber für die Goldpreisentwicklung ist. Denn genau jetzt, unmittelbar nach der fulminanten Rally des Vortages gab man eine Erhöhung der Margin-Anforderungen um 9,69% bekannt, wie www.goldreporter.de berichtete – gültig ab dem heutigen Handelsschluss.

Wer also künftig mit Gold auf Termin spekulieren möchte, muss tiefere Taschen haben. Betrachtet man die jüngere Historie der Margin-Änderungen (vgl. Abb.: grün = Margin-Senkungen, rot = Margin-Erhöhungen), dann kann das Volatilitätsargument nur bedingt überzeugen. Demzufolge sollen Margin-Anforderungen immer dann erhöht werden, wenn die Volatilität gestiegen ist, und entsprechend gesenkt werden, wenn diese zurückgegangen ist. Die doppelte Margin-Senkung von Anfang Dezember 2017 wurde aber unmittelbar vorgenommen, nachdem der Kurs nach unten ausgebrochen war, also eine anziehende Volatilität aufwies. Danach wendete sich die Spekulation jedoch in die Gegenrichtung und der Goldpreis stieg erneut an.

Jetzt wird es spannend: Denn als dieser Anstieg Anfang Januar erste Ermüdungserscheinungen zeigte, wurden die Margin-Anforderungen ein weiteres Mal gesenkt und dann erneut im März. Nach dem Fehlsignal vom Dezember 2017, den man durchaus als den missglückten Startversuch einer Baisse-Spekulation interpretieren könnte, reizte die COMEX die Spekulation auf hohem Kursniveau genau dann weiter an, als die Aufwärtsdynamik bereits erlahmt war. Wir wollen das noch nicht überinterpretieren. Als der Markt dann aber ab Ende April schubweise nach unten rauschte, machte dieselbe COMEX keinerlei Anstalten, der grassierenden Baisse-Spekulation durch eine Erhöhung ihrer Margin-Anforderungen die Spitze zu nehmen. Nein, aktiv wurde sie erst jetzt, als der Goldpreis nach einer erfolgreichen Bodenbildung kraftvoll nach oben ausbrach. Es sieht ganz so aus, als würde die COMEX die Anleger weniger vor einer erhöhten Volatilität als vor einem ansteigenden Goldpreis „schützen“.

Im nächsten Smart Investor 11/2018 erscheint übrigens ein Interview mit dem bekannten Goldexperten Martin Siegel von der Stabilitas GmbH.

⇐ Vorheriges Loch         Nächstes Loch ⇒