Aktien-Update: Hawesko Holding AG

Die Hawesko Holding AG (WKN 604270 / akt. Kurs 43,40 EUR) hat am Freitag nach Börsenschluss eine Gewinnwarnung herausgegeben. Die „Justierung“ der Zahlen, so die ad-hoc-Meldung, kündigt eine geringer als erwartet ausfallende Umsatzsteigerung und ein spürbar belastetes Ergebnis an.

„Der Hawesko-Vorstand erwartet jetzt – ohne die Erstkonsolidierung der zum 1. Oktober 2018 akquirierten Tochter Wein & Co – eine Steigerung des Vorjahresumsatzes von EUR 507 Mio. um ca. 2,5% sowie ein Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (EBIT) zwischen EUR 28 Mio. und EUR 30 Mio. (Vorjahr: EUR 30,4 Mio.).“ Bislang stand die Wachstumsprognose bei 3% und die Vorschau beim EBIT bei bis zu 33 Mio. EUR.

Die Prognoseanpassung erfolge aus zwei Gründen, so Hawesko: Wegen des langen und heißen Sommers seien die Umsätze insbesondere im September geringer als erwartet ausgefallen, zudem habe die Verschiebung von hochmargigen Qualitätsweinen hin zu leichten Sommertropfen auf das Ergebnis gedrückt. Desweiteren „hat der Vorstand im Zuge der noch andauernden Arbeiten zum Quartalsschluss Kenntnis von einem Rückstellungsbedarf von 1 Mio. EUR für einen drohenden Verlust in Zusammenhang mit einem Betrugsfall bei der Tochtergesellschaft Gebrüder Josef und Matthäus Ziegler GmbH, Freudenberg, erlangt.“ Nähere Angaben dazu wurden einstweilen nicht gemacht.

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SI-Kommentar: Hawesko hat seit dem Börsengang vor 20 Jahren eine attraktive Börsenstory geschrieben. Neben organischem Wachstum wuchs der Weinfachhändler durch erfolgreiche Akquisitionen. Für die vergangenen beiden Jahre wurden neue Rekorde bei Umsatz und Ertrag vermeldet: 2,06 Euro Gewinn pro Aktie sowie eine Dividende von 1,30 EUR ließen den Kurs auf bis zu 55 EUR anziehen.

Mittlerweile ist die Notierung um 20% auf rund 44 EUR zurückgekommen. Angesichts des Betrugsfalles ist schwer abzuschätzen, wie stark das Ergebnis pro Aktie leiden wird, auf alle Fälle wird das KGV auf deutlich über 20 steigen. Doch beendet ist die Wachstumsstory durch die Delle wohl kaum. Hawesko bietet ein interessantes Geschäftsmodell mit stationärem Handel (Jacques` Weindepot) im Franchise, Online-Handel (u.a. Vinos.de) mit mehr als 100 Mio. EUR Umsatz sowie der Großhandelssparte, die an die Gastronomie liefert.

Die Akquisition von Wein & Co, dem führenden Händler in Österreich, lässt das Umsatzvolumen ab kommenden Jahr allein um 40 Mio. EUR steigen, weitere, auch internationale Zukäufe sind zu erwarten. Wenn der Kurs also im Zuge der Gewinnwarnung und/oder einer Marktschwäche weiter nachgeben wird, können Investoren, die auf eine lückenlose Dividendenhistorie Wert legen, bei Kursen unter 40 EUR zum Beispiel mit Abstauberlimits über eine erste Position nachdenken.

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