Editorial: Fachkräftemangel

„Strom kommt aus der Steckdose und Geld aus dem Automaten.“ Das scheint das Motto unserer Politikerkaste zu sein. Seit einigen Jahren wird mit einer Leichtigkeit über finanzielle Belastungen für die kommenden Generationen geredet und auch entschieden, dass man wirklich nur noch staunen kann. Nehmen wir als Beispiel die ausufernden TARGET2-Salden gegenüber der Bundesbank, die inzwischen bei fast 1 Bio. EUR angelangt sind – mit weiter steigender Tendenz. Der Bundestagsabgeordnete Dr. Hermann-Josef Tebroke kommentiert das – ich zitiere wörtlich – folgendermaßen:

„Begrenzungen [der TARGET-Salden] sind sogar schädlich; denn indem das System atmen kann und flexibel ist, gibt es keinen Anreiz zu Spekulationen gegen Engpässe und auch nicht gegen einzelne Länder, wie das in Systemen fester Wechselkurse immer wieder beobachtet wird oder beobachtet werden muss. Es funktioniert offenbar so gut, dass es immer mehr genutzt wird.“

Um das mal verständlich rüberzubringen, übertrage dieses Zitat auf das Beispiel eines Gasthauses: Wenn der Wirt seinen Gästen unbegrenzten Kredit gewährt (bzw. „anschreiben“ lässt), dann werden sie ihn erstens lieben, zweitens sich untereinander sehr gut verstehen und drittens gerne immer wieder kommen. Aha!

Es gibt übrigens noch viel unqualifiziertere und sogar richtig dumme Statements zum Anschwellen dieser Salden, die ich Ihnen aber lieber erspare. Auf der linken Seite des Bundestages, die derzeit mehrheitlich der Opposition zuzurechnen ist, würde man solche Statements süffisant lächelnd noch hinnehmen können. Aber dieser Dr. Tebroke gehört der Regierungspartei CDU an, und seinen Doktor hat er in Betriebswirtschaftslehre gemacht. Macht ihn das zu einer Fachkraft in geldpolitischen Angelegenheiten?

Wer die Schriften von Prof. Hans-Werner Sinn oder Dr. Markus Krall gelesen und verinnerlicht hat, weiß um die „nukleare Explosionskraft“ des Targetsystems im Falle eines Störfalles innerhalb des Euroraumes. Italien hat mit seiner Links-Rechts-Regierung das Zeug dazu, der Zünder für diese Bombe zu sein.

Dabei lassen unsere Politfachkräfte wirklich kaum ein Feld aus, auf dem sie Land und Leuten schaden kann. Klimarettung, Migration oder das Thema Diesel, um nur die wichtigeren zu nennen. Der Herausgeber Roland Tichy hat darüber in seiner neuen Ausgabe mit dem Titel „Prinzip Selbstbetrug“ Wichtiges herausgearbeitet.

Es beschleicht einen fast das Gefühl, dass unsere sogenannten „Volksvertreter“ nicht nur unfachmännisch, aus dem Bauch heraus und blind für allgegenwärtige Prinzipien agieren, sondern sogar eine ausgeprägte „Lust am Untergang“ haben. Der renommierte Fondsmanager Peter E. Huber bezeichnete genau so seine Kolumne auf S. 82, auf die ich Sie explizit hinweisen möchte.

Auch wenn es unsere „politischen Fachkräfte“ nicht wahrhaben wollen, dieses Land und auch die EU wurden inzwischen von ihnen in Grund und Boden gewirtschaftet. Und bei der nächsten Krise wird die ganze Malaise zutage treten. Wohl dem, der dann ein bisschen vorgesorgt hat. In unserem großen Kapitalschutzreport auf den S. 6 bis 29 versuchen wir, Sie für die kommenden Gefahren zu sensibilisieren und mögliche Protektionsmaßnahmen aufzuzeigen.

Ihr beunruhigter

Ralf Flierl