„2018 war herausfordernd“

Smart Investor: Sie verantworten drei Fonds bei der LOYS AG, darunter den LOYS Global System und den LOYS Aktien Europa. Würden Sie den Investmentansatz der beiden Fonds kurz erläutern?

Boydak: Beide Fonds sind aktiv verwaltete Aktienfonds. Inhaltlich verfolgen sie den gleichen Investmentansatz, sie unterscheiden sich nur in der regionalen Ausrichtung. Der LOYS Global System wird im nächsten Jahr analog zum Europafonds den Namen LOYS Aktien Global erhalten, um für mehr Klarheit bei der Namensgebung zu sorgen und um Verwechslungen mit quantitativen Strategien vorzubeugen. Als Fondsmanager suche ich unterbewertete Titel mit Potenzial. Hinzu kommen drei weitere Prinzipien echten Investierens: Qualität der Unternehmen, Streuung und Zeit. Dabei spielt für Anleger der Zeitaspekt bedauerlicherweise eine immer geringere Rolle. Echtes Investieren setzt voraus, dass man sich mit seinem Kapital nicht schneller bewegt als das Unternehmen. Wir bewerten unsere Portfoliounternehmen anhand einer mehrjährigen Planungsvorausschau und begleiten diese mit unseren Investments zumeist über einen entsprechenden Zeitraum, bis die Unterbewertung des Titels vom Markt aufgelöst wird. Entscheidend ist für uns das Ergebnis über den gesamten Investitionszyklus unter Einberechnung aller Faktoren, wie z.B. auch der Dividendenausschüttungen. Insgesamt wollen wir über diesen Zyklus, der im Schnitt vier Jahre beträgt, eine Rendite von über 8% p.a. auf unser eingesetztes Kapital erzielen.

Smart Investor: Welche Aktien in den Fonds haben sich im aktuellen Jahr erfreulich entwickelt, welche eher enttäuschend?

Boydak: Seit Jahresbeginn lieferte der finnische Sportausrüster Amer Sports Oyj im LOYS Aktien Europa einen starken Performance-Beitrag. Die Aktie ist nahezu seit Auflegung im Fonds enthalten. Eine in diesem Jahr weniger zufriedenstellende Performance hat sich bei unserer Beteiligung an dem Druckmaschinen- und Verpackungshersteller Koenig & Bauer ergeben. Die Aktie entwickelte sich deutlich schwächer als der Markt und ist in August und September um ca. 25% gefallen. Die Position umfasst im LOYS Aktien Europa aktuell rund 2,24% (Stand: 31.10.2018). Infolge einer erneuten Analyse des Titels hat sich unsere Überzeugung bestätigt und wir haben die Korrektur bei der Aktie zum Nachkauf genutzt. Wir sind überzeugt, dass auch dieses Investment am Ende unseres Investitionszeitraumes erfolgreich abgeschlossen werden kann.

Smart Investor: Welche wesentlichen Einflussfaktoren sehen Sie in den kommenden Monaten im Bereich der Aktienmärkte?

Boydak: Das Jahr 2018 hat sich für uns als herausfordernd erwiesen. Insbesondere während der vergangenen Wochen gab es viel Gegenwind an den Börsen. Dafür verantwortlich sind viele Faktoren; schwerwiegende Veränderungen, die diese Phase als repräsentativ für zukünftige Entwicklungen kennzeichnen sollten, gibt es aus unserer Sicht nicht. Hinzu kommt, dass Aktien in einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld attraktiv und geradezu alternativlos erscheinen. Auch deshalb ist zu erwarten, dass sich die Korrektur alsbald wieder ausbügeln wird. In den nächsten Monaten müssen wir weiterhin damit rechnen, dass Trends zusätzlich von passiven Geldern signifikant verschärft werden. Mit Spannung werden wir hierbei den Einfluss der Technologieaktien, insbesondere den der FAANG-Titel, auf die Börsenentwicklung beobachten. Weitere Unsicherheiten ergeben sich auch aus möglichen eskalierenden Handelsstreitigkeiten, daran haben auch die Midterm-Wahlen in den USA vorerst nichts geändert. Die anziehende Inflation in Europa, weitere Gewinnwarnungen globaler Unternehmen und anhaltende Währungsturbulenzen in den Schwellenländern werden die Märkte weiterhin auf Trab halten.

Smart Investor: Long/Short-Aktienfonds wie der LOYS Global L/S waren in den vergangenen drei Jahren mit einem schwierigen Umfeld konfrontiert, das zu eher mageren Erträgen geführt hat. Welche Schwierigkeiten gab es konkret?

Boydak: Die vergangenen drei Jahre waren bewegte Zeiten an den Aktienmärkten: der Brexit, die Wahl Donald Trumps, die Flüchtlingskrise und in jüngster Vergangenheit die globalen Handelskonflikte. Als überlagernd ist hierbei das Zinsumfeld zu nennen, da die Notenbanken den Versuch unternehmen, den langsamen Anstieg der Zinsen voranzutreiben. In den vergangenen drei Jahren haben wir viele Extremereignisse gesehen, die die allgemeinen Finanzmärkte doch sehr überrascht haben. Denken wir auch hier an die Talfahrt des Ölpreises Anfang 2016 mit gleichzeitig aufkommenden Wachstumssorgen in China. Man sollte diese risikoreduzierten Fonds nicht als Allerheilmittel sehen, die alle vier Wochen jedes Ereignis meistern. Betrachtet man aber die Entwicklungen über längere Phasen, zeigt sich die risikoärmere Charakteristik des LOYS Global L/S beispielsweise deutlich, da der Fonds meist zu großen Teilen abgesichert ist. Der Netto-Investitionsgrad schwankt zwischen 20% und 40%. Aktuell ist dieser mit 19,42% (Stand: 31.10.2018) eher niedrig. Seit Auflegung am 30.12.2011 erwirtschaftet der L/S-Fonds rund 47% Zuwachs bei einem maximalen Drawdown von nur 6,5% – eine durchaus vorzeigbare Performance für vergleichsweise risikoscheue Langfristanleger.

Smart Investor: Herr Boydak, vielen Dank für Ihre Ausführungen. 

 

Ufuk Boydak, 32, ist Teilhaber und Vorstandsvorsitzender der LOYS AG. Er wurde für seine Fondsmanagementleistungen in den Fonds LOYS Aktien Europa und LOYS Global L/S schon mehrfach mit einem AAA-Rating ausgezeichnet. Boydak rangiert im Dreijahresvergleich unter den vordersten drei Plätzen innerhalb der Vergleichsgruppe von 352 europäischen Aktienfondsmanagern. Zudem managt er den Fonds LOYS Aktien Europa. Die inhabergeführte LOYS AG, gegründet 1995, ist eine Spezialistin für wertorientiertes aktives Aktienfondsmanagement mit einem Anlagevolumen von rund 1,8 Mrd. EUR. Die LOYS AG weist eine langjährige überzeugende Leistungsbilanz auf dem Gebiet internationaler Aktienfonds aus und ist mit hohen Eigeninvestments in den LOYS-Fonds investiert.