Börsenbaisse! Was nun?

Lars Kolbe

Der Aktienjahrgang 2018 wird als das schlechteste Anlagejahr seit zehn Jahren in die Börsengeschichte eingehen. So weit, so schlecht. Aber was sind die Gründe für diese Entwicklung, und müssen wir uns Sorgen machen über eine Fortsetzung der schlechten Stimmung im neuen Jahr?

Keine exzessive Verschuldung

Der große Unterschied der aktuellen Baisse gegenüber den letzten größeren Rückgängen ist der, dass es dieses Mal ohne Verschuldungsexzesse nach unten ging. Das war sowohl 1929 und 1989 (große Spekulation auf Pump) als auch 2008 (Subprime-Krise mit spekulativer Blase der Hausbesitzer) anders. Wo also liegen die Gründe für die aktuelle Situation?

Hier ist es wichtig, hinter die Kulissen zu blicken und von den seit Wochen permanent in den Mainstreammedien herumgereichten, immer gleichen Begründungen (Italienkrise, Brexit oder Handelsstreit) wegzukommen. Vor dem Hintergrund dieser seit Monaten bekannten Probleme hätte man bereits seit dem Frühjahr einen starken Rückgang an den Märkten erwarten können. In der Analyse ist ferner zu berücksichtigen, dass es sich ja nicht nur um eine Aktienbaisse handelt, sondern auch nahezu sämtliche Rohstoffmärkte sowie die Edelmetallpreise stark eingebrochen sind. Insbesondere die Situation beim Ölpreis ist spektakulär.

Der Versuch einer Begründung über die Angebots- und Nachfragesituation führt jedoch meines Erachtens in die falsche Richtung. Wie so häufig muss gefragt werden: Cui bono (wem nützt es)? Und hier laufen die Fäden zusammen: Warum konnte der Goldpreis nicht von der (geo-)politischen Krise profitieren? Warum fiel im vierten Quartal praktisch alles zeitgleich auseinander?

Der Fall Kashoggi

Es deutet vieles darauf hin, dass die Finanzwelt Saudi-Arabien auf die Füße treten wollte. Ein drastischer Rückgang des Ölpreises tut den Saudis weh. Als kriegführende Nation (Jemen und Syrien) braucht das Land viel Geld und ist auf Öleinnahmen angewiesen. Wenn diese stark einbrechen, muss man ans Eingemachte, sprich an die Goldbestände und Aktien (über die großen Beteiligungspakete). Das gilt natürlich auch für andere Nationen. Die Strafexpedition könnte bald vergessen sein, je nachdem, wie lange der Fall Kashoggi, welcher als Vorwand dient, in den Hintergrund tritt.

Implikationen für die Anlage

Den Schaden haben die Investoren nun erst mal erlitten. Viele Aktienfonds haben zweistellig verloren, nicht wenige sind gar 20% bis 30% unter Wasser. Da fällt einem unweigerlich ein Spruch von Warren Buffett ein, nämlich: „Wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer ohne Badehose schwimmen gegangen ist.“ Anders ausgedrückt: Die Schönwetterkapitäne an der Börse sind entzaubert! Dass es durchaus möglich war, sich gut zu halten oder nur ganz wenig zu verlieren, zeigt der Blick auf die Wenigen, die das geschafft haben. Konzentrierte Portfolios mit penibler Fokussierung auf Qualität haben sich bestens gehalten. Für den Anleger ist es jetzt wichtig, zu wissen, wo er investiert ist. Bei vielen ETFs weiß er das nicht. Wichtig ist außerdem, seine Werte jetzt mehr denn je als das anzusehen, was sie sind: langfristige Beteiligungen. So kann man eine Durststrecke an der Börse im Schlafwagen durchstehen.

 

Lars Kolbe – ME Fonds – Special Values (WKN: 663307). Kolbe (Jahrgang 1966) ist Gründer und Geschäftsführer der Aqualutum GmbH. Frühere Stationen nach dem Studium in Frankfurt waren u.a. die Bad Homburger FERI Trust, wo er das Fondsresearch verantwortete. Kolbe ist Fondsberater des m4 – masters select (WKN: A12F3R).