„Buy and hold scheitert in einem instabilen Umfeld“

Smart Investor: Herr Kummer, was macht Sie so skeptisch gegenüber Buyand-hold-Ansätzen?

Kummer: Aufgrund der positiven Kapitalmarktentwicklung der letzten Jahre könnte man zu der Überzeugung kommen, dass Buy-and-hold-Ansätze mit Aktien und Anleihen für langfristige Anleger die beste Wahl seien. Demnach wäre es ein Narrenspiel, wenn man versuchte, den Markt zu „timen“ und Portfoliorisiken zu reduzieren, wenn Krisen auftreten. Dabei wird jedoch gerne übersehen, dass in den USA im 20. Jahrhundert und Westeuropa in den letzten 50 Jahren ein relativ stabiles wirtschaftliches und politisches Umfeld herrschte. Bärenmärkte waren kurz, relativ mild und der langfristige Trend aufwärtsgerichtet. Buy and hold mag bei wirtschaftlicher und politischer Stabilität sinnvoll sein, versagt aber bei Staatsbankrotten, Kriegen, Hyperinflation und Barrieren im freien Handel.

Smart Investor: Wie sieht es in anderen Regionen aus?

Kummer: Die meisten anderen Länder hatten in den zurückliegenden 100 Jahren mindestens einen Bärenmarkt, in dem die Kurse um mehr als 80% nachgaben – z.B. 2012, als die griechischen Aktien eine Performance von -93% und die Anleihen von -85% zeigten. Schwellenländer sind das beste Beispiel, warum Buy and hold nicht funktioniert. Im Falle Perus, dessen Aktienmarkt im 20. Jahrhundert gleich zweimal um real 99% fiel, stand am Ende eine vollständige Konfiszierung an. Auch in Argentinien, Sri Lanka und Venezuela hätten Buy-and-hold-Investoren besser nicht gekauft und stoisch gehalten. Am heimischen Markt gab es ebenfalls heftige Kursverluste, wenn man weiter zurückblickt. In Deutschland fiel der Aktienmarkt zwischen 1918 und 1922 über 97%. Die Währungsreform 1948 minderte das Vermögen um 80% und auch die Berlinkrise 1960 bis 1962 halbierte das Portfolio. Buy and hold scheitert in einem instabilen Umfeld. Es ist fatal, eine feste Mischung von Anlageklassen zu wählen, wenn die Kurse einbrechen.

Smart Investor: Gerade deutsche Anleger ziehen aus diesen Verlustrisiken die Konsequenz, den Aktienmarkt komplett zu meiden. Das kann aber auch nicht die Lösung sein, oder?

Kummer: Fast so schlimm wie eine statische Buy-and-hold-Strategie ist es, zu vorsichtig anzulegen, weil man dann eine zu geringe Rendite erzielt. Mehr als 70% der Deutschen legen weiterhin ihr Geld in Sparbüchern, Sparbriefen oder Festgeldkonten an, deren Verzinsung die Inflationsrate unterschreitet und auch nominell nur geringfügig über null liegt. Weniger als 20% des Geldvermögens der Deutschen ist in Aktien und Fonds angelegt. Das alte Dilemma ist das „Abwägen-Müssen“ zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und jenem nach Rendite. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei im Risikomanagement und der dynamischen Steuerung der Allokation über verschiedene Anlageklassen und Märkte hinweg. Es kommt entscheidend darauf an, zur richtigen Zeit in den richtigen Märkten investiert zu sein und notfalls auch mal komplett aussteigen zu können.

Smart Investor: Was verbirgt sich hinter der Strategie des MARS 10?

Kummer: MARS 10 steht für eine Multi-Asset-Absolute-ReturnStrategie, bei der die zwischenzeitlichen Kursrückschläge auf maximal 10% limitiert werden sollen. Das aktive Management agiert dabei benchmarkfrei und strebt so für die Anleger ein asymmetrisches Rendite-Risiko-Profil an. Mit unseren flexiblen Anlagestrategien konnten wir in den zurückliegenden zehn Jahren zeigen, dass es sinnvoll ist, durch rigoroses Risikomanagement die Verluste zu begrenzen. Gleichzeitig konnten wir an steigenden Aktien- und Anleihemärkten partizipieren. Unsere Erfahrung mit zahlreichen Krisen und Kursrückschlägen zeigt, dass die dynamische Allokation einer statischen Buy-and-hold-Strategie überlegen ist, weil sie schmerzhafte Verluste und damit den vorzeitigen und verlustreichen Ausstieg des Anlegers verhindert.

Smart Investor: Nach welchen Kriterien gewichten Sie die Anlageklassen im Fonds? Seit Jahresanfang liegt der Fonds mit 3,8% im Minus und läuft damit schwächer als die Morningstar- Kategorie Mischfonds EUR flexibel – Global. Was ist der Grund?

Kummer: Der MARS investiert in eine Anlageklasse, wenn diese eine niedrige Volatilität, ein positives Trendverhalten und einen Diversifikationsvorteil im Portfolio aufweist sowie eine attraktive Rendite erwarten lässt. Die Wertentwicklung im laufenden Jahr wurde durch die Trendkorrektur beeinträchtigt, welche durch Zinsängste der Anleger und die Zolldiskussion ausgelöst wurde. Von Januar bis März haben wir deshalb die Aktienquote schrittweise von 70% auf 30% gesenkt. Im zweiten Quartal haben zudem Schwellenländeranleihen und Gold nachgegeben. Stand heute betrachten wir die Kapitalmärkte als „gemischt“, viele negative Informationen (Zollstreit, Wachstumssorgen in Europa und China) sind bereits am Markt eingepreist. Wir sind dabei, die Aktienquoten wieder anzuheben.

Smart Investor: Herr Kummer, vielen Dank für die interessanten Ausführungen.

 

Jens Kummer ist seit August 2018 SeniorPortfoliomanager bei der StarCapital AG. Zuvor war er über fünf Jahre Managing Partner bei MARS Asset Management und elf Jahre im Hause der SEB Investment GmbH als Leiter Multi Asset und Produktmanagement tätig. Er leitete zudem den Bereich systemische Aktienprodukte bei der cominvest Asset Management GmbH und startete seine Karriere als Consultant bei KMPG.