Aktien-Update: Blue Cap AG

Für einen Paukenschlag sorgte der neue Großaktionär der Beteiligungsgesellschaft Blue Cap AG, die  PartnerFonds «Kapital für den Mittelstand» Anlage GmbH & Co. KG, bereits vor Weihnachten. Denn PartnerFonds stellte ein Verlangen auf Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung mit dem Ziel der Abberufung und Neubestellung von Aufsichtsratsmitgliedern, der Wahl von neuen Aufsichtsratsmitgliedern und dem Vertrauensentzug gegenüber dem Vorstand Dr. Hannspeter Schubert. Letztendlich sollte es also auf eine Entmachtung des Blue Cap-Gründers hinauslaufen. Letzte Woche antwortete Blue Cap: Der Vorstand lehnt das Verlangen ab. Das Unternehmen bezeichnet dieses an rechtsmissbräuchlich und unzulässig. Vorerst wird es daher keine außerordentliche Hauptversammlung geben. Der Streit dürfte in die Verlängerung gehen.

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SI-Kommentar: Wenn zwei sich streiten freut sich der Dritte – im übertragenen Sinne gilt dies auch bei der Münchener Blue Cap AG. Zumindest für solche Anleger, die die unruhigen Tage bei der Beteiligungsgesellschaft und den deutlich gesunkenen Kurs zu Zukäufen genutzt haben. Nach wie vor ist aber völlig offen, wer im Streit um Blue Cap am Ende die Oberhand behalten wird. Zunächst einmal ist PartnerFonds als Großaktionär mit 44% an Blue Cap beteiligt. Statt auf einer außerordentlichen Hauptversammlung könnte das Unternehmen damit auch auf der nächsten ordentlichen Hauptversammlung versuchen, seine Pläne umzusetzen.

Nach der Antwort von Blue Cap in der letzten Woche ist nun jedoch erst einmal klar: Die Fronten scheinen verhärtet zu sein. Offensichtlich will PartnerFonds seinen eigenen Vorstand Oliver Kolbe als Vorstandsmitglied der Blue Cap AG bestellen. Anschließend soll Blue Cap drei Direktbeteiligungen und zwei stille Beteiligungen aus dem Portfolio der PartnerFonds AG erwerben. Blue Cap CEO Schubert ist offensichtlich mit den dafür im Raum stehenden Konditionen nicht einverstanden und versucht daher im Amt zu bleiben.

Sollte es auf einer Hauptversammlung zum Showdown kommen, werden wohl die Präsenz und die von beiden Seiten mobilisierten Stimmen darüber entscheiden, wer sich durchsetzen kann. Auf der Hauptversammlung 2018 lag die Anwesenheit bei 66% des Kapitals. Für eine nötige ¾-Mehrheit würde es bei einer ähnlichen Präsenz für PartnerFonds also nicht reichen. Für außenstehende Aktionäre ist damit klar: Sollten sich die Streithähne nicht einigen, wird bei Blue Cap auch in den nächsten Monaten kaum über das operative Geschäft gesprochen werden. Da völlig unklar ist, wie sich die Beteiligungsgesellschaft weiter entwickelt, dürfte es auch weiterhin bei einem satten Abschlag zum NAV (aktuell rund 50%) bleiben – solange bis der gordische Knoten platzt.

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